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Reform der Luftfahrtverwaltung: Ein Rundum-Sorglos-Paket für den Findel
Die Deutsche Flugsicherung wird bei der Reform der Luftfahrtverwaltung deshalb eindeutig favorisiert, weil sie quasi eine Art „Rundum-Sorglos-Paket“ geschnürt hat.

Reform der Luftfahrtverwaltung: Ein Rundum-Sorglos-Paket für den Findel

Foto: Gerry Huberty
Die Deutsche Flugsicherung wird bei der Reform der Luftfahrtverwaltung deshalb eindeutig favorisiert, weil sie quasi eine Art „Rundum-Sorglos-Paket“ geschnürt hat.
Wirtschaft 4 Min. 09.06.2016

Reform der Luftfahrtverwaltung: Ein Rundum-Sorglos-Paket für den Findel

Andreas ADAM
Andreas ADAM
Offiziell ist nichts entschieden, doch vieles – um nicht zu sagen alles – deutet derzeit darauf hin, dass die Deutsche Flugsicherung (DFS) das Rennen bei der Reform der luxemburgischen Luftfahrtverwaltung machen wird.

Von Andreas Adam

In den vergangenen Wochen und Monaten wurde viel über eine Auslagerung der Anflugkontrolle des Flughafens Findel diskutiert. Zu Unrecht, findet Nachhaltigkeits- und Infrastrukturminister François Bausch, denn erstens sei noch gar nichts entschieden, und zweitens handele es sich um eine stark verkürzte Darstellung der Problematik. Die Anflugkontrolle sei schließlich nur ein Teil der Gesamtstrategie für mehr Sicherheit im luxemburgischen Luftverkehr.

Am Donnerstagmorgen präsentierten Bausch und der Direktor der Administration de la navigation aérienne (ANA), John Santurbano, der parlamentarischen Nachhaltigkeitskommission den Stand der Dinge, was die Reform der luxemburgischen Luftfahrtverwaltung angeht.

Anflugkontrolle als ein Teilaspekt

Diese betreffe keineswegs nur die in den vergangenen Wochen und Monaten viel diskutierte Auslagerung der Anflugkontrolle, sondern zudem auch sämtliche anderen Bereiche der ANA wie Feuerwehr und Rettungsdienst, Flugfelddienst, Start- und Landebahn bis hin zum Wetterdienst. Deshalb gelte es das ganze global zu betrachten anstatt einzelne Bereiche isoliert zu sehen, so der Minister.

Ziel der Reform sei es u. a., die Sicherheit im Luftverkehr zu erhöhen, das steigende Passagieraufkommen und immer weitere Fluggesellschaften zu bewältigen, notwendige technische Investitionen zu tätigen, ein Bodenradar einzuführen, die EASA-Zertifizierung durchzuführen und den EU-Auflagen für einen gemeinsamen europäischen Luftraum gerecht zu werden. Gleichzeitig gelte es die Kosten für den Staat, die Steuerzahler und die Fluggesellschaften im Auge zu behalten.

Nationale Souveränität steht nicht zur Disposition

Was nun die Flugsicherung im Besonderen angehe, seien im Bereich oberhalb von fünf Kilometern ohnehin schon Eurocontrol in Maastricht bzw. Belgocontrol in Brüssel zuständig. Sollte künftig die Anflugkontrolle an einen ausländischen Anbieter abgegeben werden, so Bausch, dann habe dies nichts mit einer Aufgabe nationaler Souveränität zu tun.

Gemäß dem Regelwerk der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) sei es durchaus statthaft, funktionale Verantwortung an Dienstleister zu delegieren. Dies sei mittels Eurocontrol und Belgocontrol bereits für 80 Prozent der Luftverkehrsdienste der Fall. Ob auch die Anflugkontrolle im unteren Luftraum ausgelagert werden wird, sei noch gar nicht entschieden so Bausch. Allerdings deutet einiges genau darauf hin.

Belgocontrol aus dem Rennen

So liegen zwei Machbarkeitsstudien der Belgocontrol und der Deutschen Flugsicherung (DFS) vor. Wie Minister Bausch am Donnerstag auf Nachfrage des „Luxemburger Wort“ sagte, ist das Angebot der Belgocontrol praktisch aus dem Rennen. Deren Offerte hätte durch Synergien rund 17 Millionen Euro eingespart. Allerdings sei dies nicht der ausschlaggebende Grund, stellte der Minister klar.

Die Deutsche Flugsicherung wird deshalb eindeutig favorisiert, weil sie quasi eine Art „Rundum-Sorglos-Paket“ geschnürt hat, das durch Synergien nicht nur 40 Millionen Euro einsparen könnte – gegenüber einem Szenario ohne Synergien. Das auf zehn Jahre ausgelegte Angebot der DFS beinhaltet neben einer Auslagerung der Anflugkontrolle auch Installationen technischer Systeme, Projektmanagement und Zertifizierung. Allerdings kann das Paket auch wieder aufgeschnürt werden.

Minister will nicht von Vorentscheidung sprechen

Auf die Frage, ob praktisch eine Vorentscheidung zugunsten DFS gefallen sei, verneinte der Minister. Allerdings spreche einiges für eine solche Partnerschaft, so zum Beispiel die erforderliche Modernisierung der technischen Anlagen, der in Luxemburg ungedeckte Bedarf an weiterem gut ausgebildeten Personal und die Komplexität der luxemburgischen Luftraumgrenzen sowie die erforderlich Abstimmung mit den Nachbarn.

„Ich mache mir über die gesamten rund 200 Arbeitsplätze aller ANA-Beschäftigten und nicht nur jener der 20 Radarlotsen Gedanken“, so Bausch. Falls die Anflugkontrolle ausgelagert werde, könnten die luxemburgischen Radarlotsen zum Beispiel im Tower oder für das Bodenradar eingesetzt werden.  Falls nicht outgesourced werde, müsse man unbedingt über den Berufsstatus der Lotsen diskutieren.

Nach der Nachhaltigkeitskommission wurde gestern auch das ANA-Personal informiert. Am 14. Juli wird dann der Direktor der Deutschen Flugsicherung in Luxemburg erwartet. Auch dann soll wieder die parlamentarische Kommission und das Personal unterrichtet werden.

Studie nicht ergebnisoffen durchgeführt

Claude Schmit, Präsident der luxemburgischen Radarlotsen, die in der Luxembourg Approach Controllers Association (LACA) organisiert sind, sagte am Donnerstagabend dem  „Luxemburger Wort“, die vorgelegte Studie sei nicht ergebnisoffen sondern zielgerichtet geführt worden. Man habe nicht geprüft, wie Turm-, Boden- und Radarkontrolle optimiert werden könnten. Es sei von vornherein um die Auslagerung der Anflugkontrolle gegangen.

Sollte die DFS den Zuschlag für die Anflugkontrolle bekommen, so Schmit, dann könne von einer Vereinfachung gar keine Rede sein. Bestenfalls werde in Richtung Deutschland alles beim Alten bleiben, während man in Richtung Frankreich und Belgien an Flexibilität einbüße.

LACA erwartet keine Vereinfachung

Nicht außer Acht lassen solle man, so Schmit, dass der Luftraum dann von vier statt drei Akteuren verwaltet würde: von der ANA, der DFS, darüber Belgocontrol und Eurocontrol. Dies werde die Absprachen untereinander eher erschweren und nicht erleichtern.

Dass es ein Rekrutierungsproblem bei den Lotsen gibt, bestreitet die LACA nicht, allerdings werde dies unnötig aufgebauscht. Das Problem sei längst nicht so gravierend, wie es dargestellt werde.


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