Reform der Luftfahrtverwaltung

Anflugkontrolle bleibt in Luxemburg

Erste Reaktionen reichen von völliger Zustimmung bis hin zu unmissverständlicher Kritik

Da nun die Anflugkontrolle in Luxemburg bleibt, wird beim Personal der ANA eine integrale Lösung anvisiert, wobei die Radarlotsen, Towerlotsen und die radargestützte Parkraumüberwachung in einer Abteilung zusammengeführt werden sollen.
Da nun die Anflugkontrolle in Luxemburg bleibt, wird beim Personal der ANA eine integrale Lösung anvisiert, wobei die Radarlotsen, Towerlotsen und die radargestützte Parkraumüberwachung in einer Abteilung zusammengeführt werden sollen.
Foto: Gerry Huberty

Von Andreas Adam

Nach monatelangen Beratungen um die Reform der Luftfahrtverwaltung (ANA) präsentierte Ressortminister François Bausch am Dienstag, in Kooperation mit der Deutschen Flugsicherung, eine Kompromisslösung, die jedoch nicht bei allen Beteiligten auf Zustimmung stößt.

Spätestens nach dem kürzlichen Besuch des Ministers und der parlamentarischen Nachhaltigkeitskommission bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) zeichnete sich ab, dass es eine Zusammenarbeit mit den Deutschen geben, die Anflugkontrolle für das Großherzogtum aber in luxemburgischen Händen bleiben würde.

Bausch: „Nichtstun ist für mich keine Option“

Über Monate hinweg hatten die in der Luxembourg Approach Controllers Association (LACA) organisierten Radarlotsen gegen Auslagerungspläne Front gemacht. Pläne, die, neben der Installation technischer Systeme, Projektmanagement und Zertifizierung, durchaus auch Teil des ersten Angebotes der DFS waren, das im Juni präsentiert wurde.

Im Juli hatte François Bausch dann erklärt, er bestehe bei der Reform der Luftfahrtverwaltung (ANA) nicht unbedingt auf einer Auslagerung der Anflugkontrolle des Flughafens, sagte aber gleichzeitig auch: „Nichts tun ist für mich keine Option“. Außerdem habe die DFS bis dato das beste Angebot abgegeben.

Bereits im Juli hatte François Bausch erklärt, er bestehe bei der Reform der Luftfahrtverwaltung nicht unbedingt auf einer Auslagerung der Anflugkontrolle des Flughafens.
Bereits im Juli hatte François Bausch erklärt, er bestehe bei der Reform der Luftfahrtverwaltung nicht unbedingt auf einer Auslagerung der Anflugkontrolle des Flughafens.
Foto: Chris Karaba

Einsparpotenzial um zehn Millionen geringer

Mitte September, nach der eingangs erwähnten Reise, lag dann zusätzlich ein Alternativvorschlag der DFS auf dem Tisch. „Dabei würde die Auslagerung der Anflugkontrolle wegfallen, aber die Technik in Luxemburg auf den aktuellen Stand gebracht werden müssen“, so eine Ministeriumssprecherin.

Und genau darauf wird es nun hinauslaufen. Waren für das „Rundum-Sorglos-Paket“ der DFS vom Juni noch 40 Millionen Euro Einsparungen über zehn Jahre prognostiziert, sollen es nun nur noch 30 Millionen sein – eben durch die erforderlichen Investitionen wegen des Verbleibs der Anflugkontrolle. Die DFS wird die Modernisierung unterstützend begleiten, hieß es gestern.

Lotsen künftig in einer gemeinsamen Abteilung

Da die Anflugkontrolle in Luxemburg bleibt, wird außerdem beim Personal der ANA eine integrale Lösung anvisiert, wobei die Radarlotsen, Towerlotsen und die radargestützte Parkraumüberwachung in einer Abteilung zusammengeführt werden sollen. In absehbarer Zeit sollen dann alle Lotsen in den drei Bereichen eingesetzt werden können.

Die Radarlotsen sollen also eine Lizenz für den Tower erlangen und die Towerlotsen eine für die Anflugkontrolle. In einer ersten Phase könnten bestimmte Towerlotsen auch die Parkraumüberwachung sicherstellen. Die Deutsche Flugsicherung könne dazu eine Evaluierung der luxemburgischen Lotsen durchführen, hieß es. Die DFS soll die ANA auch bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter unterstützen, die für das Bodenradar und die Parkraumüberwachung zuständig sein sollen.

Durchwachsene Reaktionen 
auf den Kompromiss

LACA-Präsident Claude Schmit zeigte sich am Dienstag im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“ hochzufrieden. „Wir haben uns immer dafür starkgemacht, dass die Anflugkontrolle in Luxemburg bleibt“, so Claude Schmit. Mit der Zusammenlegung der Lotsen habe man keine Probleme, und auch der Kooperation mit der DFS und deren Evaluierung sehe man positiv entgegen.

Auch die luxemburgische Pilotenvereinigung ALPL lobte 
den Kompromiss. Generalsekretär Dirk Becker nannte die Anflugkontrolle einen wesentlichen Standortvorteil des Luftfahrtstandorts Luxemburg.

„Guilde“ kann Entscheidung nicht nachvollziehen

Andere Töne waren hingegen von Marc Mitten zuhören, dem Vizepräsidenten der „Guilde“ und der RPAA, die alle Lotsen bzw. das gesamte Personal der ANA vertreten. „Wir verstehen nicht, weshalb der Minister nicht den guten ersten Vorschlag der DFS gewählt, sondern sich dem Druck gebeugt hat.“

In den nächsten Jahren gehe nahezu die Hälfte aller luxemburgischen Lotsen in Pension, so Mitten. Neben der Schwierigkeit, überhaupt Nachwuchs zu finden, müsse dieser personalintensiv in der Praxis angelernt werden. Quasi nebenbei sollen die bestehenden Lotsen sich dann noch in weitere Tätigkeiten einarbeiten und dort und in ihrem ursprünglichen Bereich erforderliche Praxisstunden absolvieren.

„Bei einer Auslagerung der Anflugkontrolle wäre dieses Problem vielleicht nicht dauerhaft gelöst worden, aber wir hätten etwas Zeit gewonnen“, so Marc Mitten. „Unsere Radarlotsen wären weiter Lotsen geblieben, nur nicht in der Anflugkontrolle, aber sie hätten uns im Tower und beim Bodenradar wirklich verstärken können.“

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