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Razzia bei Commerzbank in Frankfurt: Finanzplatz Luxemburg erneut im Visier
Wirtschaft 2 Min. 24.02.2015

Razzia bei Commerzbank in Frankfurt: Finanzplatz Luxemburg erneut im Visier

Großrazzia bei der Commerzbank in Frankfurt (Foto aus dem Jahr 2011): Ziel der Fahnder sind Steuerhinterzieher und ihre mutmaßlichen Helfer.

Razzia bei Commerzbank in Frankfurt: Finanzplatz Luxemburg erneut im Visier

Großrazzia bei der Commerzbank in Frankfurt (Foto aus dem Jahr 2011): Ziel der Fahnder sind Steuerhinterzieher und ihre mutmaßlichen Helfer.
AFP
Wirtschaft 2 Min. 24.02.2015

Razzia bei Commerzbank in Frankfurt: Finanzplatz Luxemburg erneut im Visier

Mit einer groß angelegten Razzia in Frankfurt nehmen deutsche Fahnder die Luxemburger Tochter der Bank ins Visier. Luxemburg lehnt ein Rechtshilfeersuchen bisher ab.

(TJ/ndp/rar/dpa) - 150 Staatsanwälte, Steuerfahnder und Kriminalbeamte haben am Dienstag in Frankfurt mit einer Razzia mutmaßliche Steuerbetrüger und ihre mutmaßlichen Luxemburg-Helfer ins Visier genommen. Das berichtet am Dienstag das Online-Portal der Süddeutschen Zeitung.

Wie die Fernsehsender NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung recherchiert haben, sind 150 Ermittler nach monatelangen Vorbereitungen in der Frankfurter Zentrale der Bank vorstellig geworden und haben Büros und Computerdateien durchsucht.

Die Luxemburger Justiz bestätigte dem Luxemburger Wort, dass die Staatsanwaltschaft Köln im Dezember ein Rechtshilfeersuchen gestellt habe. Dieses Gesuch ist nach Angaben von Justizsprecher Henri Eippers abgelehnt worden, da die Bedingungen nicht erfüllt gewesen seien. Es habe an konkreten Verdachtsfällen gemangelt.

Bis heute haben die deutschen Ermittler keine näheren Informationen zu den Fällen übermittelt, so Eippers. Die Luxemburger Justizbehörden behalten sich dennoch vor, dem Rechtshilfeersuchen stattzugeben, falls sich konkretere Verdachtsmomente ergeben sollten.

Gelder in Panama oder auf den Jungferninseln

Die "Sueddeutsche Zeitung" berichtet von fragwürdigen Offshore-Geschäften. Luxemburger Banken - darunter die Filiale der Commerzbank - sollen tausenden Kunden aus aller Welt geholfen haben, Gelder in Panama oder den Jungferninseln vor dem Fiskus zu verstecken. Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt wegen Steuerhinterziehung und Beihilfe zur Steuerhinterziehungen. In einigen Fällen soll es auch um Geldwäsche gehen.

Grundlage des Verfahrens ist ein Datensatz, den das Finanzamt von Nordrhein-Westfalen schon vor einigen Monaten für angeblich eine Million Euro gekauft haben soll. Es soll um zig-tausend Kunden gehen. Die Höhe der am Fiskus vorbei geschleusten Geldbeträge wird auf bis zu eine Milliarde Euro beziffert.

NRW-Minister: Kooperation "politisch nicht gewollt"

Nordrheinwestfalens Finanzminister Walter-Borjahns warf Luxemburg vor, nicht kooperieren zu wollen. Die Zusammenarbeit sei "politisch nicht gewollt". Die Luxemburger Justiz widersprach gegenüber dem Luxemburger Wort dieser Darstellung politischer Einflussnahme.

Ein Commerzbank-Sprecher erklärte auf Nachfrage, die Bank habe „Interesse an einer schnellen umfassenden Aufklärung und unterstützt selbstverständlich die Behörden aktiv und in vollem Umfang“. Das Ermittlungsverfahren beziehe sich auf Altfälle, die zehn Jahre und länger zurücklägen.

Die Fälle würden auch unternehmensintern aufgearbeitet. Der Steuerstatus sämtlicher Kunden in Luxemburg müsse geklärt sein. Der Sprecher betonte: „Die Commerzbank lehnt Geschäftsbeziehungen zu Kunden, deren Steuerstatus nicht geklärt ist, grundsätzlich ab.“

Erst am 17. Februar hatte die Luxemburger Commerzbank-Tochter Schlagzeilen gemacht, als sie einen Sozialplan ankündigte, demzufolge ein noch unbestimmter Teil der 500 Mitarbeiter am Standort Luxemburg abgebaut werden sollen.


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