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Ranking der Weltbank: Note "ungenügend"
Wirtschaft 3 Min. 02.11.2017 Aus unserem online-Archiv

Ranking der Weltbank: Note "ungenügend"

In Luxemburg dauert die Gründung einer Firma noch immer zu lange, ist eine Kritik der Weltbank.

Ranking der Weltbank: Note "ungenügend"

In Luxemburg dauert die Gründung einer Firma noch immer zu lange, ist eine Kritik der Weltbank.
Foto: Pierre Matgé
Wirtschaft 3 Min. 02.11.2017 Aus unserem online-Archiv

Ranking der Weltbank: Note "ungenügend"

Laurent SCHMIT
Laurent SCHMIT
„Let's make it happen“, lautet die Luxemburger Eigenwerbung. Die Weltbank widerspricht diesem unternehmensfreundlichen Bild und klassiert Luxemburg auf Rang 63 in ihrem Ranking „Doing Business“. Doch der Bericht hat Schwächen.

(las) - Welches Land ist hui und welches pfui, um Geschäfte zu machen? Zahlreiche Rankings versuchen darauf eine Antwort zu geben. Luxemburg belegt dabei oft die vorderen Plätze. In einem Bericht der Weltbank schneidet Luxemburg jedoch sehr schlecht ab. In der Rangliste „Doing Business“ erreicht Luxemburg lediglich Platz 63 unter 190 Ländern. Das ist noch schlechter als vergangenes Jahr, als es für Rang 59 reichte.

Glaubt man der Weltbank, dann ist es in der Türkei, der Mongolei oder Kolumbien einfacher, ein Unternehmen zu gründen als in Luxemburg. Unter den reichen OECD-Staaten erreicht Luxemburg damit den drittletzten Platz. Am besten klassieren sich Neuseeland, Singapur und Dänemark.

Das ist bitter für ein Land, das sich als besonders unternehmensfreundlich geben möchte. „Der Staat sieht Unternehmen als Kunden“, erklärte Finanzminister Pierre Gramegna etwa vergangenen Monat anlässlich der Einweihung des Forschungslabors GCL Technologies.

Allerdings verbirgt die schlechte Platzierung sehr unterschiedliche Ergebnisse je nach geprüftem Faktor. Während Luxemburg auf Rang 1 steht, was die Einfachheit von grenzüberschreitenden Geschäften angeht, ist es lediglich Platz 86 bei den Insolvenzregeln. Luxemburg ist damit eines der wenigen westlichen Länder, bei denen die Bandbreite von ganz gut bis ganz schlecht so groß ist.

Firmengründung als Kriterium

Die Weltbank sprach für die Einschätzung mit Luxemburger Experten, unter anderem aus führenden Anwaltskanzleien wie Arendt & Medernach und Bonn & Schmitt, der Handelskammer sowie Unternehmen wie Creos und Paul Wurth.

Das schlechte Abschneiden hat auch mit der Ausrichtung des Rankings zu tun. Die Weltbank misst, wie einfach es ist, ein Business in einem Land zu starten: Wie lange dauert die Gesellschaftsgründung? Wie schnell ist die Baugenehmigung da? Wie einfach erhält ein Unternehmen einen Kredit?

Das Luxemburger „Observatoire de la compétitivité“ merkt auf seiner Webseite an, dass die Weltbank damit Faktoren wie die Qualität der Infrastrukturen, die gute Ausbildung von Mitarbeitern und das Finanzsystem nicht in Betracht ziehe.

„Verzerrtes Bild“

Die Weltbank selbst schreibt, dass die Rangliste kein komplettes Bild abgibt. Allerdings seien die zurückbehaltenen Faktoren jene, die Regierungen am einfachsten beeinflussen können. Sprich, eine Verwaltungsprozedur kann ohne Umstände vereinfacht werden, das Bildungssystem krempelt man nicht so schnell um.

Dennoch kritisiert die Handelskammer die Art und Weise, wie die Weltbank das Ranking erstellt. „Die Studie klassiert die Länder auf der Grundlage eines sehr spezifischen Fallbeispiels“, betont Marc Wagener von der Handelskammer. Gerade im Fall von kleinen Ländern wie Luxemburg lasse sich nicht alles vergleichen.

Wagener fordert, sich die Details der Studie anzuschauen. „Sie enthält reale Herausforderungen, denen Luxemburg sich stellen muss. Aber bei einigen Faktoren gibt das Ranking ein Zerrbild wieder“, so der Ökonom. Ein Beispiel: Luxemburg schneidet sehr schlecht beim Kreditzugang ab. Das liegt aber vor allem daran, dass es hierzulande keine öffentliche Gläubigerregister gibt, wie die deutsche Schufa, erklärt Wagener.

Hilfreich sei dagegen der Indikator, wie viele Tage und Prozeduren es braucht, um in Luxemburg eine Firma zu gründen, meint der Experte der Handelskammer.

Reformen und ihre Folgen

Die Details des Rankings zeigen, dass sich Luxemburg zwar um vier Plätze verschlechtert hat, aber die Note leicht gestiegen ist. Die Weltbank hebt besonders die Reform des Gesellschaftsrechts hervor, mit der die Rechte der Minderheitsaktionäre gestärkt wurden. Dennoch bleibt Luxemburg hier weit abgeschlagen. Das obwohl es oft um EU-Regeln gehe, so Wagener.

Die Einführung der „1-Euro-Gesellschaft“ wird im Ranking dagegen nicht berücksichtigt. Dabei war das ein Tipp der Weltbank in Gesprächen, die die Handelskammer mit den Autoren vor einigen Jahren führten.

Und obwohl das Steuersystem Teil der Studie ist, bleibt auch die Steuerreform von Anfang des Jahres unerwähnt. Andere Rankings sind da deutlich positiver: Die US-amerikanische „Tax Foundation“ klassierte Luxemburg auf Platz 5 der weltweit wettbewerbsfähigen Länder in Steuerfragen. Die Reform erlaubte dabei ein Sprung von zwei Plätzen nach vorn, da der Steuersatz für Unternehmen von 29 auf 27 Prozent sank.


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