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Prozess in München: Deutsche Prominente und ein Luxemburger Fonds
Wirtschaft 24.02.2017

Prozess in München: Deutsche Prominente und ein Luxemburger Fonds

Investoren fühlen sich von der Baseler Bank Sarasin getäuscht.

Prozess in München: Deutsche Prominente und ein Luxemburger Fonds

Investoren fühlen sich von der Baseler Bank Sarasin getäuscht.
Foto: LW-Archiv
Wirtschaft 24.02.2017

Prozess in München: Deutsche Prominente und ein Luxemburger Fonds

Laurent SCHMIT
Laurent SCHMIT
Fragwürdige Aktiendeals stehen im Zentrum einer Schadensersatzklage in Deutschland. Im Zentrum des Streits: Luxemburger Fonds, die die Bank J. Safra Sarasin an Kunden wie Carsten Maschmeyer und Mirko Slomka vertrieb.

(las) - Das Münchner Landgericht muss über eine Schadensersatzklage gegen die Bank J. Safra Sarasin entscheiden und empfahl am ersten Verhandlungstag eine Zahlung von 3,5 Millionen Euro, meldet die Wirtschaftszeitung "Handelsblatt". Hintergrund ist der "Cum-Ex"-Skandal um umstrittene Aktiendeals, in die Fonds der Luxemburger Gesellschaft Sheridan verstrickt waren.

Ein Münchner Unternehmer hatte geklagt, weil er auf Empfehlung der Bank Sarasin Millionen in die Sheridan-Fonds investiert hatte. Die versprochenen Renditen sollten erreicht werden, indem ein Steuerschlupfloch ausgenutzt wurde: Bei „Cum-Ex“-Aktiengeschäften hatte der Fiskus über Jahre hinweg Anlegern die nur einmal abgeführte Kapitalertragssteuer mehrfach erstattet. Doch ab 2012 spielten die Behörden nicht mehr mit und die Investoren der Fonds verloren Millionenbeträge.

Weitere Verfahren könnten folgen

Unter den Geschädigten sind namhafte Kunden: der AWD-Gründer und Mann von Veronica Ferres, Carsten Maschmeyer, der Fußballtrainer Mirko Slomka, der Drogerieunternehmer Erwin Müller oder der Fleischfabrikant Clemens Tönnies. Müller fordert etwa einen Schadensersatz von 50 Millionen Euro, laut "Handelsblatt". Nachdem Prozessauftakt in München sieht es schlecht für die Bank Sarasin aus. Die Kunden werfen der Bank vor, ihnen die fragwürdige Natur der Geschäfte verschwiegen zu haben. Ein Schweizer Gericht hatte eine entsprechende Klage abgelehnt.

Sheridan wird von der Finanzaufsicht CSSF nicht mehr als aktives Institut aufgeführt. Die unterschiedlichen Sheridan-Gesellschaften in Luxemburg werden abwickelt, ist dem Handelsregister zu entnehmen. Aus Sheridan Invest wurde das Finanzberatunsgesellschaft Ascendum. Dessen Verwaltungsratsvorsitzender Günter Graw war im November als Zeuge im Untersuchungsausschuss des Bundestags zum "Cum-ex"-Skandal geladen. Laut Medienberichten verweigerte er die Aussage.


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