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Produktion bleibt gebremst
Wirtschaft 3 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Produktion bleibt gebremst

Als Präsident des Verwaltungsrats und CEO leitete Lakshmi Mittal die Aktionärsversammlung und stand Rede und Antwort.

Produktion bleibt gebremst

Als Präsident des Verwaltungsrats und CEO leitete Lakshmi Mittal die Aktionärsversammlung und stand Rede und Antwort.
Nicolas Bouvy
Wirtschaft 3 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Produktion bleibt gebremst

Während ArcelorMittal-Chef Lakshmi Mittal im Theatersaal im Hauptgebäude des Stahlkonzerns die Aktionäre über die jüngsten Entwicklungen im Stahlsektor informiert, demonstrierten vor der Tür auf der Avenue de la Liberté etwa 1 500 Stahlarbeiter aus Belgien und Frankreich gegen die Sparpläne.

Von Andreas Holpert

Während ArcelorMittal-Chef Lakshmi Mittal im Theatersaal im Hauptgebäude des Stahlkonzerns die Aktionäre über die jüngsten Entwicklungen im Stahlsektor informiert, demonstrierten vor der Tür auf der Avenue de la Liberté etwa 1 500 Stahlarbeiter aus Belgien und Frankreich gegen die Sparpläne. Einige Demonstranten schlugen die gläserne Eingangstür zu dem Gebäude ein und warfen mit Knallkörpern, Steinen und Absperrgittern.

Gegen Ende der regulären Hauptversammlung roch es plötzlich nach verbranntem Papier. Einigen randalierenden Demonstranten war es gelungen, durch die eingeschlagene Glastür einen Feuerwerkskörper in das Gebäude von ArcelorMittal zu werfen. Der Rauch vernebelte den Eingangsbereich und zog bis unters Dach in den Versammlungsaal. Das hielt die Anteilseigner nicht davon ab, den Jahresabschluss sowie die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von 0,75 Dollar (Vorjahr 1,5 Dollar) zu genehmigen. Insgesamt schüttet ArcelorMittal eine Milliarde Dollar aus.

Aufgrund der ersten drei Quartale wies der Stahlriese für das Gesamtjahr 2008 einen Gewinn von 9,4 Milliarden Dollar aus – neun Prozent weniger als im Vorjahr. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) betrug mit 24,5 Milliarden Dollar 26 Prozent mehr als 2007 – das bislang höchste in der Geschichte des Konzerns. Im vierten Quartal 2008 ist ArcelorMittal allerdings mit einem Verlust von 2,6 Milliarden Dollar erstmals tief in die roten Zahlen gerutscht. Auch im ersten Quartal 2009 betrug der Nettoverlust 1,1 Milliarden Dollar. Lakshmi Mittal, Präsident des Verwaltungsrats und CEO des weltgrößten Stahlkonzerns, sprach am Dienstag von der „schlimmsten Krise, die ich je erlebt habe“.

Abbau der Lagerkapazitäten in den USA abgeschlossen

Der Konzernchef versprühte jedoch auch Hoffnung. Es gebe Anzeichen auf Erholung in China und einigen Schwellenländern, wo der Einfluss der Krise nur vorübergehend sei. In China sei die Nachfrage seit Oktober 2008 sogar um 40 Prozent gestiegen. Weniger gut ist die Situation in Europa und den USA, wo die Nachfrage im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr weiter um 43 bzw. 49 Prozent gesunken ist. Mittal verteidigte vor den Aktionären die Antworten des Unternehmens auf die Krise. Die Produktion laufe weiterhin nur mit halber Kraft.

Diese temporären Kürzungen seien für niemand schön, „wir sind ein Stahlkonzern und wollen Stahl produzieren“, sagte Mittal. Mit einem Anziehen der Nachfrage in den USA rechnet der CEO in den kommenden Monaten. Der Abbau der Lagerkapazitäten sei abgeschlossen. In Europa seien die Lager noch nicht vollends abverkauft. Bis Ende Juni bleibt die Produktion konzernweit um 50 Prozent gedrosselt. Außerdem habe der Konzern strikte Kostensenkungsmaßnahmen aufgestellt.

Allein im ersten Quartal seien Fixkosten in Höhe von sechs Millionen Dollar eingespart worden, für das zweite Quartal rechnet Mittal mit weiteren 7,5 Millionen Dollar. An der Verbesserung der Sicherheit in den ArcelorMittal-Betrieben soll aber nicht gespart werden, betonte der CEO. Schließlich habe der Konzern auch bilanztechnisch auf die Krise reagiert und seine Nettoverschuldung um neun Millionen Dollar reduziert sowie die Liquidität auf 17 Millionen Dollar erhöht. Dazu beigetragen habe u.a. auch ein Gewinn von 2,8 Millionen Dollar im vierten Quartal 2008 über ein Hedge-Geschäft. Zur Reduzierung der Schulden soll auch die Ende April beschlossene Kapitalerhöhung von vier Milliarden Dollar beitragen. Davon werden nämlich rund 3,2 Milliarden Dollar in Aktien und 800 Millionen Dollar in umwandelbaren Schuldverschreibungen angeboten.

Die Herausforderungen für ArcelorMittal bleiben weiterhin groß. Es sei eine schwierige Zeit für die Mitarbeiter und die Aktionäre. Mittal zeigte sich zuversichtlich, das Unternehmen, an dem er und seine Familie mit 43 Prozent beteiligt sind, sicher durch das schwierige Fahrwasser steuern zu können.

Aktienoptionen und Verwaltungsratsmandate

Bei der Hauptversammlung am Dienstag in Luxemburg waren 51 Prozent der Stimmrechte vertreten. Sie stimmten für die Verlängerung der Verwaltungsratsmandate des Inders Narayanan Vaghul, des Amerikaners Wilbur Ross und des Franzosen François Pinault. Die Aktionäre beschlossen außerdem ein bis 2018 laufendes Programm, das besondere Leistungen der Mitarbeiter mit Aktienoptionen belohnt. Eine außerordentliche Generalversammlung im Anschluss genehmigte dem Management die Ausgabe neuer Aktien zur Refinanzierung der Schulden.