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Private Equity: Wenig bekannt, stark präsent
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Private Equity: Wenig bekannt, stark präsent

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Private Equity: Wenig bekannt, stark präsent

Private Equity ist für viele ein Buch mit sieben Siegeln.

Auch in den Medien wird nicht viel über diese Sparte berichtet. Das liegt unter anderem daran, dass Private Equity in industrielle oder spezialisierte Unternehmen investiert.

Die meisten Leser dürften bis dato noch nie etwas vom deutschen Metallschlauch-Hersteller Rattay gehört haben. Dabei wurde dieses Unternehmen letzten Sommer durch Luxempart gekauft. Ein anderes Beispiel ist die afrikanische Unternehmensgruppe HIS Towers of Strength, die Funktürme in mehreren afrikanischen Staaten aufstellt, und erst kürzlich eine Finanzierung von vier verschiedenen lux-emburgischen Investoren erhalten hat.

Private-Equity-Investitionen finden überall um uns herum statt und betreffen uns indirekt auch als Konsument. Im vergangenen Jahr hat Kharis Capital, eine Plattform, die wohlhabende Familien und ehemalige Unternehmer vereint, das belgische und lux-emburgische Geschäft von Burger King und Quick aufgekauft. Der Unternehmensaufkauf führte zur Entstehung von 40 neuen Geschäften in der Region und der Schaffung von 360 neuen Jobs. Ein anderes Beispiel ist der Private-Equity-Aufkauf des Autoherstellers Aston Martin durch Invest-Industrial, einer der führenden, europäischen Private-Equity-Investoren mit einem Büro in Luxemburg.

Der Industriezweig Private Equity beschäftigt direkt und indirekt 6 000 Mitarbeiter am Finanzplatz Luxemburg. Indirekt deswegen, weil viele dieser 6 000 Angestellten in Unternehmen arbeiten, die Dienstleistungen für Private-Equity-Unternehmen erbringen wie die Big-4 oder Banken und Rechtsanwaltskanzleien. Die zwei in Luxemburg gegründeten Unternehmen SGG und Alterdomus sind Dienstleister für die Private-Equity-Industrie und wurden selbst durch Private Equity finanziert. Der aus den Niederlanden stammende Finanzdienstleister TMF mit einer Geschäftsstelle in Luxemburg wurde kürzlich von CVC aufgekauft. CVC ist eine der weltweit größten Private-Equity-Firmen und Eigentümer bekannter Unternehmen wie dem Luxusuhrenhersteller Breitling und der Parfümerie-Kette Douglas.

Private Equity und Venture Capital kurz erklärt

Private Equity ist Beteiligungskapital, das größtenteils von Rentenfonds, Versicherungen aber auch von erfolgreichen Unternehmern und Regierungen kommt. Mit dem Geld, das diese Anleger in einem Private-Equity-Fonds zusammentragen, kaufen Private-Equity-Manager Anteile an Privatunternehmen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie nicht an der Börse gehandelt werden.

Anders als auf den öffentlich zugänglichen Finanzmärkten, auf denen Anleger Aktien von Unternehmen am selben Tag kaufen und verkaufen können, sind Private-Equity-Anlagen langfristig ausgelegt; das angelegte Kapital bleibt in der Regel fünf bis sieben Jahre im Fonds „geschlossen“, das heißt, es besteht keine Rückgabemöglichkeit während dieser Zeit. Ein weiterer großer Unterschied besteht darin, dass die erworbene Beteiligung an Zielunternehmen in der Regel groß genug ist, um über die unternehmerische Entscheidungsfähigkeit zu verfügen, damit Änderungen durchgeführt werden können, die die Leistung des Unternehmens verbessern.

Beteiligungen können zwischen wenigen Millionen bis zu mehreren Hundert Millionen und sogar Milliarden Euro betragen, je nach Größe des Zielunternehmens. Die Beteiligungshöhe hängt von der vom Private-Equity-Manager verfolgten Strategie ab.

Venture Capital (Wagniskapital) ist eine besonders beliebte Form von Beteiligungskapital. Mit Beteiligungen, die bereits bei wenigen Tausend Euro starten, suchen die Anleger nach schnell wachsenden Unternehmen, in der Regel Start-ups.

Über den Verband

Die LPEA (Luxembourg Private Equity and Venture Capital Association) ist der luxemburgische Interessenverband für Unternehmen, die im Sektor des Beteiligungs- und Wagniskapitals tätig sind. Heute zählt die 2010 gegründete LPEA rund 160 Mitglieder, davon etwa 70 Private-Equity-Unternehmen. Der Interessenverband ist die Stimme der Industrie und vertritt diese vor nationalen und europäischen Behörden. Durch Konferenzen und technische Arbeitsgruppen ermöglicht die LPEA einen regen Austausch unter den Mitgliedern zu verschiedenen Themen und Best-Practice-Vorgaben.

„In Innovation und Substanz investieren“

Welche Rolle spielt Private Equity in der Wirtschaft?

Private Equity, sprich außerbörsliches Eigenkapital spielt eine entscheidende Rolle in der Wirtschaft. Mit diesem Geld erfolgt ein wesentlicher Teil der Finanzierung von Unternehmern. Große Unternehmen finanzieren sich meist über die Börse (Public Equity). Diejenigen, die das nicht tun, brauchen Investoren, die ihnen vertrauen und das nötige Geld geben.

Im Handel, im Handwerk und vielen anderen Sparten können so dauerhafte Arbeitsplätze für den Großteil der Bevölkerung geschaffen werden. Das ist das Ziel der Private-Equity-Finanzierung, durch die Unternehmen auch mit wertvollem Rat und Kundenvermittlung unterstützt werden.

Sind in Luxemburg auch Private-Equity-Finanzierer aktiv? Wenn ja, gibt es genug davon?

Private Equity gibt es überall um uns herum. Historisch gesehen waren es zunächst die Familien der Unternehmer, die ihr Geld investierten. Sie gingen damit natürlich ein Risiko ein, aber ohne sie hätte sich die Wirtschaft nicht entwickeln können. Genau dies tun heute Private-Equity-Investoren. Mit ihren Expertenteams identifizieren sie fähige Unternehmer mit aussichtsreichen Projekten.

In Luxemburg gibt es eine immer größere Anzahl genau solch professioneller Investoren wie Luxempart, BIP, Mangrove Capital Partners und Expon Capital aber ebenso Teams, die aus ganz Europa kommen. Normalerweise spezialisieren sich diese Teams auf bestimmte Industriezweige. Was Luxemburg angeht, so fehlt es insbesondere an Leuten, die sich jungen, industriellen Projekten widmen möchten.

Hat sich die Finanzierungsindustrie in den vergangenen Jahren stark verändert?

Private Equity ist eine Industrie, die sich stark entwickelt hat und immer noch wächst. In den vergangenen Jahren hat die Politik in Europa sich klar zur Innovation bekannt. Mittlerweile gibt es immer mehr Inkubatoren und Beschleuniger. Die Zahl an Mikro-Investment-Fonds, um junge Unternehmer zu unterstützen, steigt.

Private Equity spielt eine immer größere Rolle. Luxemburg würde ein Anreizsystem zur Unternehmensfinanzierung für Steuerzahler, wie es bereits in 24 EU-Mitgliedsstaaten existiert, zu Gute kommen.

Herr Wittamer, Sie investieren in sehr junge Unternehmen, mit manchmal nur zwei oder drei Mitarbeitern. Was muss ein Jungunternehmen vorzeigen, um die Aufmerksamkeit eines Wagniskapitalgebers auf sich zu ziehen?

Ein komplementär aufgestelltes und innovatives Team, mit Mut, Ausdauer und Erfahrung, das überzeugt uns. Als Professionelle investieren wir nicht in eine Idee, sondern in Menschen und in deren Leidenschaft. Wir wollen ihnen erlauben, ihren Traum zu leben. Wir investieren in Innovation und Substanz.

LPEA – Luxembourg Private Equity & Venture Capital Association

12, rue Erasme – L-1468 Luxembourg

www.lpea.lu | Tel. 28 68 19 602