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Private Equity: Investieren in die Zukunft

Private Equity: Investieren in die Zukunft

Photo F. Tesch

Private Equity: Investieren in die Zukunft

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Private Equity: Investieren in die Zukunft

In der vergangenen Woche hat „Spire“, ein Technologie-Unternehmen der Weltraum-Industrie mit Sitz in San Francisco, angekündigt, dass es an einer Fundraising-Runde in Höhe von 59 Millionen Euro arbeitet.

Auch der „Luxembourg Future Fund“ stellt Kapital zur Verfügung. Eine Summe wurde nicht genannt. Hauptsache aber, der öffentliche Wagniskapitalfonds, der 2015 von der „Société Nationale de Crédit et d’Investissement“ (SNCI) gegründet wurde und vom Europäischen Investitionsfonds verwaltet wird, investiert.

Spire wird so zur neuesten Investition Luxemburgs im Bereich der Weltraumindustrie. Das Unternehmen entwickelt eine „Konstellation von Nanosatelliten“, die in der niedrigen Erdumlaufbahn positioniert werden sollen. Die Informationen, die von diesen verschiedenen Satelliten gesammelt werden, sollen die Präzision von Sieben-Tage-Wettervorhersagen verbessern und auch die Seeschifffahrt und Luftfahrt weitgehend unterstützen. Dies geschieht durch das Nachverfolgen der exakten Position von Schiffen und Flugzeugen. Aufgrund der Reichweite der Satelliten können je nach Bedarf auch andere Dienstleistungen angeboten werden. Es werden vor allem Unternehmen, die mit erdbezogenen Daten arbeiten, einen Nutzen davon tragen.

Im Gegenzug für die Investition hat sich Spire verpflichtet, sein Hauptquartier für die europäischen Tätigkeiten in Luxemburg einzurichten. Das ist ein wichtiger Schritt für das Land, das sich unter den Pionieren der Weltraumindustrie positionieren will.

François Tesch, CEO Luxempart

Private Equity: Luxemburg hat das nötige Potenzial

Luxempart ist an vielen luxemburgischen Unternehmen beteiligt. Betrachten Sie diese Investitionen als eine Art Investition in Luxemburg selbst?

Zur Zeit ist Luxempart hauptsächlich an drei luxemburgischen Unternehmen beteiligt: der Foyer Gruppe, der SES und der SEO („Société de l’électricité de l’Our“). Über die letzten 25 Jahre betrachtet, hat sich die Lage der luxemburgischen Unternehmen sehr stark verändert. Als Luxempart 1992 BIL-Participations übernahm, gab es Beteiligungen an sehr vielen hiesigen Unternehmen.

Luxempart hatte so Beteiligungen in den größten börsennotierten Luxemburger Banken, der BGL, der BIL, der KBL sowie auch am Stromversorger Cegedel. Verschiedene dieser Gesellschaften wurden von ihren Muttergesellschaften im Ausland ganz übernommen. Die Cegedel ihrerseits wurde auf Anregung der Regierung und nach Übernahme von SOTEG und Saar-Ferngas von der Börse genommen und in Enovos umgewandelt. Die Anzahl der Luxempart-Beteiligungen an luxemburgischen Unternehmen reduzierte sich demnach drastisch.

27 Prozent Ihrer Beteiligungen sind Private-Equity-Investitionen. War das von Anfang an so geplant oder haben Sie einfach Gelegenheiten genutzt, die sich Ihnen geboten haben?

Das hat sich über die Zeit so entwickelt. Zur ersten Private-Equity-Investition kam es, als wir ein Portfolio von Gesellschaften mit einem Team in Belgien gemeinsam mit einer belgischen Familie übernommen haben. Dieses Team, das seine Büros in der Nähe von Leuven unter dem Namen Indufin hat, investiert heute in mittelgroße Gesellschaften in Belgien.

Der damalige Schritt war auch die Konsequenz fehlender Investitionsmöglichkeiten in Luxemburg. Deshalb investierten wir in den Nachbarländern sowie in Norditalien, wo wir heute mit mehreren Partnern und auch eigenständigen Gesellschaften im Private Equity Bereich tätig sind.

Haben Sie eine Präferenz für eine bestimmte Art von Private-Equity-Investitionen?

Wir sind sozusagen Generalisten und spezialisieren uns nicht auf verschiedene Bereiche wie etwa Bio- oder Hightech. Durch unsere Investitionen im Telekommunikations- oder Finanzbereich sowie in den Sparten Gesundheit und Sicherheit konnten wir über die Zeit hinweg bestimmte Kompetenzen erwerben. Daraus ergeben sich vielversprechende Perspektiven.

Luxempart feiert 25 Jahre. Können Sie uns aufgrund dieser Erfahrung sagen, welches in Luxemburg die besten Investitionsbranchen für die kommenden 25 Jahren sind?

Es gibt eine Reihe interessanter Möglichkeiten und Luxemburg hat das nötige Potenzial. Vor allem in den Bereichen Kommunikation und Digitales. Wir werden sehen wie die meist jungen Gesellschaften in diesen Sparten sich entwickeln werden. Eine gewisse Größe sollten sie schon haben, bevor Luxempart investieren will. Luxemburg ist ein sehr interessanter Standort für das Private-Equity-Geschäft. Und nach dem Brexit kann das Land weiter an Attraktivität gewinnen. Die Erfahrung in den letzten 25 Jahren, die die Luxempart erworben hat zeigt auch dass man sich schnell an neue Gegebenheiten anpassen muss, was auch sicherlich in der Zukunft die Regel sein wird.

Mehrwert schaffen: Was passiert beim Aufkauf eines Unternehmens durch einen Private-Equity-Fonds?

Wenn ein Private-Equity-Fonds in ein Unternehmen investiert, hängt es ganz vom Entwicklungsstand des jeweiligen Zielunternehmens ab, was dann passieren wird.

Geht es um eine Start-up, ist der Kapitalgeber in der Regel ein Venture-Capital-Fonds. Diese Investoren gehen große Risiken ein und wissen von Anfang an, dass nur wenige ihrer Investitionen Erfolg haben. Die Investition soll dem Unternehmen erlauben, schneller als die Konkurrenz zu wachsen. Die Investoren helfen den Start-ups dabei durch strategische Beratung, Betreuung und den Zugang zu verschiedenen Netzwerken (Kunden, Investoren, Technologie-Berater, usw.). Manchmal können auch bessere Management-Praktiken dem Unternehmen helfen, fit für das Wachstum zu werden.

Ist das Zielunternehmen hingegen „reif“, also bereits viele Jahre auf dem Markt, dann wird sich der Private-Equity-Fonds auf die Wertsteigerung des Unternehmens konzentrieren. Das heißt meist, es kommt zu substanziellen Veränderungen. Dazu gehören Investitionen in neue Märkte oder Produkte sowie der Verkauf oder die Reorganisation von nicht-gewinnbringenden Sparten.

Ziel des Investors ist es, einen Mehrwert zu schaffen und das Zielunternehmen nach etwa fünf bis zehn Jahren weiterzuverkaufen.

Wie werde ich ein Private-Equity-Investor?

Obwohl sich eine solide Private-Equity-Industrie in Luxemburg entwickelt und die Investitionen in direktem Zusammenhang stehen mit der „Realwirtschaft“, ist Private Equity keine besonders geläufige Anlageform.

Der gewöhnliche Leser dieser Zeitung wird in aller Regel keine Erfahrung damit haben, seinen eigenen Private-Equity-Fonds aufzusetzen (mit einem Startvolumen von 100 Millionen Euro). Dennoch lässt sich über börsennotierte Private-Equity-Unternehmen in diese Anlageklasse investieren. Privatbanken bieten zunehmend Private-Equity-Fonds-Produkte für ihre wohlhabenden Kunden an. Verschiedene Crowdfunding-Portale bieten darüber hinaus die Möglichkeit schon ab 50 Euro Anleger zu werden.

Möglicherweise sind Sie bereits ein Private-Equity-Investor. Falls Sie eine Lebensversicherung haben oder in eine private Rentenversicherung einzahlen, ist es sogar sehr wahrscheinlich, dass Ihr Geld in verschiedene Private-Equity-Fonds in der ganzen Welt geflossen ist.

Eventuell haben Sie auch in das Unternehmen eines Familienmitglieds oder Freundes investiert. Auch wenn Sie sich nicht als klassischer „Private-Equity-Investor“ bezeichnen würden, so haben Sie zumindest ein Verständnis davon, wie riskant oder profitabel eine solche Investition sein kann.

Über den Verband

Die LPEA (Luxembourg Private Equity and Venture Capital Association) ist der luxemburgische Interessenverband für Unternehmen, die im Sektor des Beteiligungs- und Wagniskapitals tätig sind. Heute zählt die im Jahr 2010 gegründete LPEA rund 160 Mitglieder, davon etwa 70 Private-Equity-Unternehmen. Der Interessenverband ist die Stimme der Industrie und vertritt diese vor nationalen und europäischen Behörden. Durch Konferenzen und technische Arbeitsgruppen ermöglicht die LPEA einen regen Austausch unter den Mitgliedern zu verschiedenen Themen und Best-Practice-Vorgaben.

LPEA – Luxembourg Private Equity & Venture Capital Association

12, rue Erasme – L-1468 Luxembourg

www.lpea.lu | Tel.: 28 68 19 602

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