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Private Equity: Brexit als Chance und Herausforderung

Private Equity: Brexit als Chance und Herausforderung

Nicolas Milerieux ENOVOS photo Tania Bettega

Private Equity: Brexit als Chance und Herausforderung

Nicolas Milerieux ENOVOS photo Tania Bettega
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Private Equity: Brexit als Chance und Herausforderung

Nach der Entscheidung der britischen Regierung, die Europäische Union zu verlassen, überlegen einige Private-Equity-Manager, ihre Aktivitäten nach Luxemburg zu verlegen.

Luxemburgs Attraktivität für solche Manager hat vor allem mit so genannten „weichen“ Faktoren zu tun, wie mehrsprachigen Arbeitskräften oder der Nähe zu anderen Finanzplätzen. Entscheidender Faktor ist allerdings der rechtliche Rahmen, der den Bedürfnissen der Private-Equity-Industrie entspricht. Es ist demnach keine große Überraschung, wenn nun auch andere Staaten ihren rechtlichen Rahmen modernisieren und rechtliche „Werkzeuge“ einführen, die es bereits in Luxemburg gibt.

Viele Länder in Europa haben den Nutzen einer starken Private-Equity-Industrie erkannt. Sie verstehen, dass Private-Equity-Firmen kleine und mittelständische Unternehmen unterstützen und helfen diese zu finanzieren. Das führt zu einem Wettbewerb der steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen zwischen den Ländern. Luxemburg muss sich folglich weiterhin verbessern.

Dazu ein Beispiel: Einzelpersonen, die in Start-ups investieren, profitieren in 25 EU-Mitgliedsstaaten von Steuerabschlägen und fiskalischen Vergünstigungen. Das ist in Luxemburg noch nicht der Fall. Es wäre absolut im Interesse Luxemburgs, steuerliche und rechtliche Anreize zu schaffen, um Investoren und Private-Equity-Firmen ins Land zu locken. Die Ungewissheit rund um den Brexit hat einen Bedarf an Klarheit und Rechtssicherheit zur Folge. Vor diesem Hintergrund, muss Luxemburg seine Trümpfe ausspielen und schnell und entschlossen handeln.

Encevo: Energie-Innovation durch Wagniskapital

Einer der neuesten Akteure in Luxemburg im Bereich Wagniskapital ist die Encevo-Gruppe. Diese setzt sich im Wesentlichen aus dem Energieversorger Enovos und dem Verteilernetzbetreiber Creos zusammen. Encevo ist nun dabei, in junge Start-ups zu investieren. Die Energiegruppe hat innerhalb eines Jahres bereits über 1 500 Business-Ideen geprüft und sucht weiterhin aktiv nach neuen Produkten und Lösungen. Ziel ist es die bestehenden Tätigkeiten zu ergänzen und es dem Unternehmen so zu erlauben, operative Exzellenz zu erreichen. Nicolas Milerioux, Investment-Manager bei Encevo, sucht insbesondere nach „Unternehmen mit innovativen und skalierbaren Lösungen, die bereits ihre ersten Kunden haben“. „Wir suchen nach Teams mit einer konkreten Vision, die Unternehmen aufbauen, die mit der Strategie unserer Gruppe vereinbar sind. Die Ausrichtung muss auf eine Energiewende hinauszielen, also einer Abkehr von der Kohlekraft. Wir setzen auf Digitalisierung und Dezentralisierung der Energieerzeugung“, so der Manager. Ein Investor wie Encevo erlaubt es, neue Ideen in konkrete Geschäftschancen umzusetzen. Neben der Finanzierung bietet Encevo Jungunternehmen auch Zugang zu Aktiva und zu Kunden, die ihnen helfen, als Unternehmen weiter zu wachsen. Investitionen von bekannten Unternehmen in neue, junge Firmen sind unter dem Begriff „Corporate Venturing“ bekannt und weit verbreitet. Unternehmen wie Google, Cisco, Microsoft und Intel in der ICT-Sparte oder EDF, EON und Statkraft im Energiesektor setzen alle auf Wagniskapitalteams, um so gewinnbringend in Jungunternehmen zu investieren.

Zukunftspotenzial als Faktor

Private Equity investiert vor allem in Industrien im Wandel. Private-Equity-Manager suchen genau dort nach „Deals“, wo eine disruptive Innovation sich ankündigt. Dort also, wo sich die Möglichkeit bietet, Unternehmen zusammenzuführen, Marken zu stärken und zu innovieren. Der ICT-Bereich ist ein Sektor mit hohem Innovationspotenzial. Etwa 30 Prozent aller Investitionen fließen in diesen Sektor, der äußerst beliebt bei Investoren ist, insbesondere wenn es um Beteiligungen in Software, Elektronikgeräte oder Spiele geht. An zweitwichtigster Stelle folgen Kapitalbeteiligungen im Einzelhandel und in der Unterhaltungsbranche sowie im Gesundheitswesen und im Bereich der Unternehmensdienstleistungen. Investitionen in industrielle Firmen sind ebenfalls sehr beliebt. Obwohl Luxemburg ein kleiner Markt ist, wird hier stark investiert, besonders in der Finanzindustrie (sowohl von Private-Equity-Firmen wie Permira und von bestehenden Unternehmen) als auch in Internet-Unternehmen (Job Today, Talkwalker, Nektria und iTravel), im Einzelhandel (Burger King & Quick) und in der Weltraumindustrie (Spire). Ein wachsendes Interesse an der Finanztechnologie könnte zu weiteren aussichtsreichen Geschäften führen.

Interview mit Eckart Vogler, Managing Director, BI-Invest Advisors S.A. (Investindustrial)

Können Sie bitte Investindustrial und die Investment-Richtlinien der Gruppe beschreiben?

Investindustrial ist eine führende, europäische Gruppe von unabhängig geführten Holding- und Beratungsfirmen mit 6,5 Milliarden Euro an Fondskapital, die mittelständische Unternehmen in Europa mit industriellen Lösungen und Kapital versorgt. Ihre Mission ist es, bessere Unternehmen aufzubauen durch einen aktiven Beitrag zur Entwicklung der Zielunternehmen, dem Schaffen von Wachstumsmöglichkeiten und durch Implementierung globaler Lösungen auf Basis einer pan-europäischen, unternehmerischen Vision. Investindustrial blickt zurück auf 26 Jahre erfolgreicher Zusammenarbeit mit europäischen Unternehmen. Durch Investindustrials großes Team und weitreichendes Dealsourcing-Netzwerk werden Zielunternehmen identifiziert mit einer unausgeschöpften, weltweit bekannten Marke oder einem Wachstumspotenzial, das sich durch eine internationale Expansion oder eine industrielle Neuausrichtung verwirklichen lässt. Diese Unternehmen sind natürlich sehr attraktiv, auch für unerschlossene Märkte, aufgrund des globalen Wiedererkennungswerts ihrer führenden Marken und einer starken Exportbilanz.


Wie sorgt Investindustrial für eine Wertsteigerung der Zielunternehmen?

Investindustrial ist aus einer erfolgreichen, industriellen Gruppe entstanden. Dieses industrielle Erbe ist fest in Investindustrials Herangehensweise verankert, wenn es darum geht, Deals zu identifizieren und durchzuführen, zu verwalten, zu kontrollieren und die Unternehmen schließlich zu verkaufen. Als Eigentümer arbeitet Investindustrial eng mit der Geschäftsführung der Zielunternehmen zusammen um das Wachstum zu steigern und/oder in neue Märkte zu expandieren. Die gebündelte industrielle Expertise des Teams trägt zur Entwicklung und Umsetzung von operativen Verbesserungen und Transformationen bei. Das globale Netzwerk der Gruppe gibt den Zielunternehmen Zugang zu internationalen Wachstumsmöglichkeiten, die sonst nur schwer verfügbar sind für mittelständische Unternehmen. Diese aktive Anlagepolitik und der Fokus auf operative Verbesserungen sind zentral in Investindustrials Investmentphilosophie und waren bisher der wichtigste Wertsteigerungstreiber für 65 Prozent der realisierten Wertsteigerungen.

  Investindustrial wird seit langer Zeit mit starken Markennamen assoziiert. Was haben Ducati, Aston Martin, Goldcar und B&B Italia gemein?

Beim Aufkauf von Ducati, Aston Martin, Goldcar und B&B Italia waren alle Unternehmen bereits weltbekannte Marken mit einem globalen Wachstumspotenzial, die eine vom Management geführte Initiative zum Ausnutzen der Chancen in einer sich verändernden Umwelt benötigten (aber auch da Investindustrial einen besonderen Fokus auf Luxusgüter und die Freizeit- bzw. Tourismusindustrie hat). Im Fall von Ducati und Aston gab es einen hohen Bedarf an Investitionen, um die Unternehmen mit neuen Produkten und Visionen neu auszurichten und gleichzeitig das Erbe der Marken aufrechtzuerhalten. Bei B&B Italia und Goldcar handelt es sich um Familienbetriebe, die einen industriellen Partner suchten, der ihnen helfen würde, die nächste Wachstumsphase einzuleiten.

  

Welche Rolle spielt das Luxemburger Büro von Investindustrial für die Gruppe?

Investindustrial ist schon seit über zwei Jahrzenten in Luxemburg: Hier befinden sich die Holding- und Beteiligungsgesellschaften der Gruppe. Die Fonds-Manager operieren von hier aus und werden hier nach EU-Regeln reguliert. Luxemburgs moderner, rechtlicher und regulatorischer Rahmen, eine stabile Regierung, EU-Präsenz und kompetente Handelsgerichte machen das Land zum idealen Ort für Investindustrial (wie auch für die Zusammenarbeit mit anderen Investoren). Luxemburg liefert Rechtssicherheit und eine schnelle Ausführung, wenn es um komplexe Unternehmensstrukturen, Co-Investments, Kapitalbeschaffung, Depot-Dienstleistungen und unabhängige und unparteiische Direktoren für die Entscheidungsfindung geht. Das alles erlaubt Investindustrial die Durchführung komplexer Transaktionen wie den Aufkauf von Mehrheitsanteilen an börsennotierten und nicht börsennotierten Unternehmen (mit oder ohne Co-Investoren) und die anschließende Verwaltung und Kontrolle dieser Beteiligungen.

Über den Verband

Die LPEA (Luxembourg Private Equity and Venture Capital Association) ist der luxemburgische Interessenverband für Unternehmen, die im Sektor des Beteiligungs- und Wagniskapitals tätig sind. Heute zählt die im Jahr 2010 gegründete LPEA rund 160 Mitglieder, davon etwa 70 Private-Equity-Unternehmen.

Der Interessenverband ist die Stimme der Industrie und vertritt diese vor nationalen und europäischen Behörden. Durch Konferenzen und technische Arbeitsgruppen ermöglicht die LPEA einen regen Austausch unter den Mitgliedern zu verschiedenen Themen und Best-Practice-Vorgaben.

LPEA - Luxembourg Private Equity & Venture Capital Association

12, rue Erasme - L-1468 Luxembourg

www.lpea.lu / Tel. 28 68 19 602