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Prepaid-Verbot stellt Anbieter vor große Aufgabe
Wirtschaft 3 Min. 26.11.2015 Aus unserem online-Archiv
Anonymität ade

Prepaid-Verbot stellt Anbieter vor große Aufgabe

Wer bereits eine Prepaid-Karte besitzt, wird sich aller Voraussicht nach in nächster Zeit gegenüber dem Anbieter ausweisen müssen.
Anonymität ade

Prepaid-Verbot stellt Anbieter vor große Aufgabe

Wer bereits eine Prepaid-Karte besitzt, wird sich aller Voraussicht nach in nächster Zeit gegenüber dem Anbieter ausweisen müssen.
Wirtschaft 3 Min. 26.11.2015 Aus unserem online-Archiv
Anonymität ade

Prepaid-Verbot stellt Anbieter vor große Aufgabe

Wie lassen sich mehr als 200.000 bestehende und alle Prepaid-Neukunden identifizieren? Vor diese Aufgabe hat die Regierung die Mobilfunkanbieter nach den Paris-Attentaten gestellt. Der Aufwand ist hoch, der Nutzen beschränkt.

(ks/aa) - Seit der Ankündigung der Regierung, dass anonyme Prepaid-Karten so schnell wie möglich vom Markt verschwinden sollen, arbeiten die Mobilfunkanbieter an der Umsetzung. Drei von ihnen haben bereits reagiert. Wer eine Prepaid-Karte der Post kaufen möchte, muss im Laden seinen Ausweis vorlegen. Auch Join identifiziert Neukunden auf die gleiche Weise im Shop. Online-Kunden müssen einen Scan ihres Ausweises oder Reisepasses bei der Bestellung hochladen.

Orange kündigte am Donnerstag an, dass der Online-Vertrieb komplett gestoppt wird. An Verkaufspunkten wie Kiosken und Tankstellen wird nur noch das Aufladen der Karte möglich sein. "Der einzige Kanal, der eine sichere Identitätsprüfung des Käufers erlaubt, ist der Verkauf im Shop." Ab Freitag, 4. Dezember gibt es die Karten nur noch in den eigenen Läden. Tango will so schnell wie möglich nachziehen - auf welchem Weg, ist bisher unklar.

Gesetz kommt später

Ein Gesetz, das das Verbot festschreibt und die Umsetzung für alle Anbieter in gleicher Weise regelt, liegt bisher nicht vor, soll aber folgen. "Das Thema drängt. In einer ersten Etappe zählen wir auf die Zusammenarbeit mit den Mobilfunkanbietern", sagt Pierre Goerens, Direktionsbeauftragter für elektronische Kommunikationsdienste im "Service des médias et des communications" des Staatsministeriums.

Prioritär wird derzeit die Identifikation von Neukunden behandelt. Als sicherste Methode gilt dabei, dass der Kunde in einem Laden seinen Ausweis vorlegt und der Händler prüft, ob die Person auf dem Ausweis tatsächlich jene ist, die vor ihm steht. "Ob andere Möglichkeiten zugelassen werden, ist noch nicht entschieden", sagt Goerens und meint damit vor allem den Online-Kauf. "Wir schauen, wie andere Länder dies bisher gehandhabt haben und ob sie nach den Anschlägen von Paris neue Regeln festlegen."

Mehr Zeit bei der Erfassung von Bestandskunden

Auch die nachträgliche Identifizierung der Bestandskunden dürfte noch für viel Kopfzerbrechen sorgen. "Bei ihnen müssen wir uns mehr Zeit geben", sagt Pierre Goerens. Das Ministerium will sich mit den Mobilfunkanbietern zusammensetzen, um eine praktikable Lösung zu finden. Wann sie steht, ist unklar.

Derzeit sind rund 204.000 SIM-Karten der vier Mobilfunkanbieter Post, Join, Tango und Orange im Umlauf, wobei etwa die Hälfte auf die Post entfallen. Laut Post-Pressesprecherin Carmen Engels könnte das Verfahren so ablaufen, dass Inhaber von Prepaid-Karten kontaktiert werden mit der Bitte, sich innerhalb eines bestimmten Zeitraums auszuweisen. "Geschieht dies nicht, kann die Karte blockiert werden." Allerdings müsse darauf geachtet werden, dass nicht von heute auf morgen Tausende Kunden in den Läden stehen, um ihren Ausweis vorzulegen.

Join will Bankkontodaten abfragen

Join will voraussichtlich ab Januar die Bankkontodaten von Kunden abfragen, um eine Scheinbuchung durchzuführen. Dabei wird nichts abgebucht, sondern die Existenz des Kontos geprüft und verifiziert, ob die angegebene Adresse mit der des Kontos übereinstimmt. Die Abfrage der Kontodaten gelte nur der Inhaberverifizierung. Sollte die Regierung jedoch verlangen, dass der Ausweis in einem Shop vorgelegt wird, komme dies einem "beispiellosen Aufwand" gleich, sagt Pascal Koster.

Orange ist am Donnerstag vorgeprescht: "Proaktiv" wird der Anbieter alle Bestandskunden über ihre Telefonnummer kontaktieren. Sie sollen ihren Ausweis in einer der Filialen vorlegen. "Diese Aktion wird mehrere Wochen in Anspruch nehmen", heißt es in einer Mitteilung. "Wenn sich der Kunde nicht meldet, wird seine Karte gesperrt", erklärt Thierry Iafrate, Pressesprecher von Orange.

Was bringt das Verbot?

Der Aufwand ist demnach groß, wobei das Verbot anonymer SIM-Karten die Kommunikation unter Extremisten nicht unterbinden wird. "Es wird ihnen das Leben aber auch nicht erleichtern", sagt Pierre Goerens. Ob Terroristen in der Vergangenheit luxemburgische Prepaid-Karten nutzten? "Dafür gibt es keine Anhaltspunkte", meint er.

Extremisten tauschen sich heute nicht mehr allein per Handy mit Prepaid-Karte aus. Die Chat-App Telegram, die eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anbietet, gilt bei IS-Anhängern als beliebt. Der Dienst, der nach den Anschlägen von Paris in die Kritik geriet, sperrte daraufhin eine Reihe von so genannten öffentlichen Kanälen auf Telegram, in denen sich Extremisten austauschen oder Propagandamaterial verschicken konnten. Auch Spielekonsolen stehen im Verdacht, von Terroristen genutzt zu werden, weil die Kommunikation darüber schwer zu entschlüsseln ist.


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