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Prämie für Hybrid-Autos steht auf der Kippe
Wirtschaft 4 Min. 31.01.2021 Aus unserem online-Archiv

Prämie für Hybrid-Autos steht auf der Kippe

Der Kauf von Hybridautos wird heute mit 2.500 Euro und der von vollelektrischen Autos mit 8.000 Euro subventioniert. Hier wird es bald Änderungen geben.

Prämie für Hybrid-Autos steht auf der Kippe

Der Kauf von Hybridautos wird heute mit 2.500 Euro und der von vollelektrischen Autos mit 8.000 Euro subventioniert. Hier wird es bald Änderungen geben.
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 4 Min. 31.01.2021 Aus unserem online-Archiv

Prämie für Hybrid-Autos steht auf der Kippe

Marco MENG
Marco MENG
Wer ein Auto mit Elektromotor kauft, bekommt einen staatlichen Zuschuss. Am 31. März läuft das System aus - und wird danach durch ein neues ersetzt. Dann sollen Umwelt- und Sozialaspekte mehr berücksichtigt werden.

Bei den Neuzulassungen ist mittlerweile jedes fünfte Auto eines mit Elektroantrieb. Vor allem Hybridautos sind sehr gefragt. Ein großes Thema in den Ausstellungsräumen der Autohäuser ist darum zurzeit die staatliche Prämie, die man für den Kauf von E-Autos erhält. Sie läuft zum 31. März aus.

Vor allem ist unklar, wie und ob die Förderung für Hybridautos weitergeführt wird. Während zur Konjunkturförderung „Neistart Lëtzebuerg“ letzten Mai der Zuschuss für vollelektrische Autos auf 8.000 Euro erhöht wurde, habe man ihn bewusst für Hybride bei 2.500 belassen, erklärt Umweltministerin Carole Dieschbourg im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“, da die höhere Summe nur für wirklich emissionsfreie Autos sinnvoll sei. 

Derzeit arbeitet das Ministerium an einer neuen Staffelung der Kaufprämie. Dieschbourg stellt klar: „Wir wollen bis Ende des Jahres die Kaufprämie beibehalten“. Allerdings in veränderter Form, vor allem, was manuell wiederaufladbare Hybridautos (Plug-in-Hybride) betrifft. Daneben gibt es noch „nichtaufladbare“ Hybridautos, deren E-Batterie automatisch bei Fahren geladen wird. „Die hohen Sätze für Vollelektrische bleiben“, bekräftigt Dieschbourg dabei.  

  Die hohen Sätze für Vollelektrische bleiben.  

Umweltschützer: „Hybridautos für Klimaschutz ungeeignet“ 

Die Autokonzerne müssen ihre CO2-Emissionen drosseln: Das tun sie momentan am einfachsten, indem sie Verbrenner zusätzlich mit Elektromotoren ausstatten: das Hybridauto. Ohne staatlichen Bonus wäre aber ein solches Auto sehr teuer. Umweltschützer kritisieren dabei schon länger, dass Plug-in-Hybride „Mogelpackungen“ seien, da sie überwiegend doch mit Diesel und Benzin und kaum elektrisch gefahren würden; vor allem dann, wenn solche Autos als Firmenwagen für längere Strecken genutzt werden. 

Es soll auch vorkommen, dass gebrauchte Plug-in-Hybride verkauft werden, und dabei festgestellt wird, dass deren Aufladekabel keinerlei Gebrauchsspuren zeigt oder sie sogar noch original verpackt sind – was den Schluss nahelegt, dass das Auto zuvor fast nie mit Elektroantrieb gefahren wurde, sondern ausschließlich mit seinem Verbrennungsmotor. 


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Auch eine aktuelle Studie des Ifeu-Instituts, des Öko-Instituts und des europäischen Umweltdachverbands Transport & Environment stellt fest, dass im täglichen Betrieb Plug-in-Hybride in der Regel den Verbrennungsmotor nutzen. Und beim Hybridauto verbraucht dieser Verbrennungsmotor mehr Treibstoff, weil zusätzlich noch ein E-Motor und eine E-Batterie mitgeschleppt wird. Diese hat oft nur eine Reichweite von 30 bis 50 Kilometern. Ein solches Auto ist im Grunde bei kurzen Strecken umweltschonend. Zudem sind etwa ein Drittel der neu zugelassenen Plug-in-Hybride schwere SUV- oder Geländewagen. Bei starker Beschleunigung schaltet bei vielen Modellen der Verbrennungsmotor auch dann zu, wenn die Batterie noch voll ist – da der Elektromotor allein nicht genügend Antriebskraft liefert. 

„Vergünstigungen für Plug-in-Hybride sollten an harte Kriterien für die elektrische Reichweite, die elektrische Leistung und den Nachweis einer regelmäßigen Lademöglichkeit geknüpft sein“, so die Studie. Ansonsten seien solche Autos nicht geeignet, das Klima zu schützen und Emissionen wirklich zu senken. Laut Frank Thinnes von Greenpeace Luxembourg muss der Verkauf von Benzin-, Diesel- und konventionellen Hybridautos bis 2028 eingestellt werden. „Spätestens bis 2040 müssen Verbrennungsmotoren, einschließlich Hybridfahrzeuge, auf unseren Straßen der Geschichte angehören, wenn Europa seine Verpflichtung gegenüber dem Pariser Klimaabkommen einhalten will.“ Werde zu einem hohen Grad mit erneuerbarem Strom gefahren, seien Hybridautos zwar den Verbrennern vorzuziehen. 

Doch riesige für die Straße gedachte SUVs mit über zwei Tonnen Leergewicht zu produzieren und gar zu fördern mache wenig Sinn, so Thinnes. Prioritär sollten Regierungen mit erneuerbaren Energien betriebenen öffentlichen Verkehrsnetze ausbauen und verstärken. Und der Herstellung von Elektrofahrzeugen müsse die Produktion von energieeffizienten, kleinen und leichten Elektrofahrzeugen gewährleistet werden, um die Batteriegrößen und die mit ihrer Herstellung verbundenen Auswirkungen zu begrenzen. 

Autohändler: Druck von allen Seiten 

Philippe Mersch, Vorsitzender des Autohändlerverbands Fedamo, verweist darauf, dass mit 2.500 Euro das Hybridauto bereits deutlich weniger gefördert wird als das vollelektrische. Das Hybridauto, so Mersch, sei aber ein erster wichtiger Schritt in die Elektromobilität, wobei zu erwähnen ist, dass die Autohändler bei der ganzen Diskussion Druck von allen Seiten haben: von den Herstellern, die Vorgaben machen, wie viele Hybridautos zu verkaufen sind, von der Politik und von Seiten der Kunden. 

Ein Wegfall der Prämien für Hybridautos wird nach Meinung von Mersch für die Händler deutliche Einbußen mit sich bringen. Ob man dem Beispiel der Niederlande folgt, wo Hybridautos als Firmenwagen nicht mehr staatlich gefördert werden, weil vor allem solche Autos fast ausschließlich mit Verbrennungsmotor gefahren werden, sei noch offen, so Umweltministerin Dieschbourg. 

Bei der künftigen Prämie für den Kauf bestimmter Autos werden die neuen Erkenntnisse mit einfließen, sagt Dieschbourg. „Wir werden bei den neuen Prämien sowohl Umwelt- wie Sozialaspekte berücksichtigen“. Das bedeutet, besonders teure Hybridmodelle werden künftig keine Förderung mehr erhalten wie aktuell. 

Nach wie vor verstehe die Regierung Hybridautos als „Zwischenetappe“, es sei aber im Klima- und Energieplan der Regierung festgehalten, dass nach und nach ein Ausstieg aus der Hybridtechnologie erfolgen müsse. Dieschbourg verweist in diesem Zusammenhang auch darauf, dass die Reichweite der vollelektrischen Autos immer höher und gleichzeitig die Ladeinfrastruktur ausgebaut werde. Man fördere deswegen auch private Ladestationen zuhause als Ansporn dafür, mit E-Mobilität Ernst zu machen, sprich: vollelektrische Autos zu kaufen.


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