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Anklage würde Bewährungsstrafe für Deltour und Halet akzeptieren
Wirtschaft 10.05.2016 Aus unserem online-Archiv
Plädoyers im LuxLeaks-Prozess

Anklage würde Bewährungsstrafe für Deltour und Halet akzeptieren

Die Anwälte von Antoine Deltour legen am Dienstag ihre Sicht der Dinge dar.
Plädoyers im LuxLeaks-Prozess

Anklage würde Bewährungsstrafe für Deltour und Halet akzeptieren

Die Anwälte von Antoine Deltour legen am Dienstag ihre Sicht der Dinge dar.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 10.05.2016 Aus unserem online-Archiv
Plädoyers im LuxLeaks-Prozess

Anklage würde Bewährungsstrafe für Deltour und Halet akzeptieren

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Im LuxLeaks-Prozess gegen zwei ehemalige Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC hat die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten für die zwei Whistleblower gefordert.

(vb) - Im LuxLeaks-Prozess gegen zwei ehemalige Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC hat die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten für Antoine Deltour und Raphaël Halet gefordert. Sie hätten sich des Diebstahls und der Verletzung des Berufsgeheimnisses schuldig gemacht, sagte der Staatsanwalt bei der Verlesung der Anklageschrift. Er habe nichts gegen eine Bewährungsstrafe einzuwenden, sagte er.

Für den mitangeklagten Fernsehjournalisten Edouard Perrin ("Cash Investigation") forderte die Anklage lediglich eine Geldstrafe, ohne deren Höhe zu präzisieren.

Am Dienstagvormittag haben die Anwälte der beiden Angeklagten Antoine Deltour und Raphaël Halet ihre Sicht der Dinge dargelegt. Beide plädierten auf Freispruch, so wie es bereits die Verteidiger von Edouard Perrin getan haben.

Spektakulär verlief das Plädoyer von William Bourdon, Verteidiger von Antoine Deltour. "Geben Sie Antoine seine Ehre. Sprechen Sie in frei! Es wäre ein historischer Moment", sagte Bourdon, direkt an die Richter gewandt. Er hob hervor, dass Deltour uneigennützig gehandelt hatte und nur auf Missstände aufmerksam machen wollte. "Es gab schon seit Jahrzehnten keinen reineren Informanten als ihn."

Gegen 11.15 Uhr verlas der beigeordnete Staatsanwalt die Anklageschrift.

Darin bezichtigte er Deltour und Halet des Diebstahls, der Verletzung des Berufsgeheimnisses und des Geschäftsgeheimnisses. Wenn man dies durchgehen ließe, käme eine Welle von Erpressungen auf die Unternehmen zu. Der Journalist Edouard Perrin habe "moralische und deontologische Regeln" in den Wind geschlagen.

Am letzten Prozesstag, am Mittwoch ab 15 Uhr, bekommt die Verteidigung noch einmal Gelegenheit, auf die Anklage zu antworten. Danach wird sich das Gericht unter Vorsitz von Marc Thill zur Beratung zurückziehen. Das Urteil soll dann dem Vernehmen nach in der zweiten Junihälfte verkündet werden.


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