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Pierre Gramegna: Transparenz ist die Zukunft des Finanzplatzes
Wirtschaft 4 Min. 03.04.2014 Aus unserem online-Archiv

Pierre Gramegna: Transparenz ist die Zukunft des Finanzplatzes

Die Zukunft werde man nicht auf einem Bankgeheimnis aufbauen können, so der Finanzminister.

Pierre Gramegna: Transparenz ist die Zukunft des Finanzplatzes

Die Zukunft werde man nicht auf einem Bankgeheimnis aufbauen können, so der Finanzminister.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 4 Min. 03.04.2014 Aus unserem online-Archiv

Pierre Gramegna: Transparenz ist die Zukunft des Finanzplatzes

Das Ende des luxemburgischen Bankgeheimnisses ist beschlossene Sache, und so mancher sieht den Finanzplatz in seinen Grundfesten erschüttert. Nicht so Finanzminister Pierre Gramegna.

(aa) - Das Ende des luxemburgischen Bankgeheimnisses ist beschlossene Sache, und so mancher sieht den Finanzplatz in seinen Grundfesten erschüttert. Nicht so Finanzminister Pierre Gramegna. Ein Paradigmenwechsel? Ja. Eine Herausforderung? Auch das. Aber definitiv kein Grund die Flinte ins Korn zu werfen. Bei der feierlichen Verabschiedung von Deutsche-Bank-Chef Ernst-Wilhelm Contzen, zeichnete Gramegna am Mittwochabend in seiner auf Englisch vorgetragenen Rede ein durchweg positives Szenario.

Zwei Kriterien für den Informationsaustausch

Was die Zustimmung zum erweiterten automatischen Informationsaustausch angehe, so seien zwei Auslöser zu nennen: Luxemburg habe die Verhandlungen mit Drittstaaten wie der Schweiz angeregt. Diese seien im Januar 2014 aufgenommen worden und schon jetzt habe man erste ermutigende Ergebnisse erzielt. „Es gibt vielversprechende Anzeichen, dass die Schweiz auf den gleichen Weg gehen wird. Das gab es noch niemals zuvor“, so Gramegna. Der zweite Punkte sei der so genannte Common Reporting Standard, der bis Mai vom OECD-Rat unter Dach und Fach gebracht werden könne. Es gehe also letztlich um den Informationsaustausch auf globaler Ebene. „Das ändert alles“, sagte der Minister vor zahlreichen geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft. „Transparenz ist unsere Zukunft“, erklärte Gramegna und hob auch das „gute Timing der Regierung“ hervor. Hätte man länger gewartet, wäre dies äußerst nachteilig für die Reputation Luxemburgs gewesen. Nur mit einem einwandfreien Ruf könne man neue Märkte entwickeln und neue Kunden finden.

Pierre Gramegna ging auch auf das schlechte Abschneiden Luxemburgs („nicht konform“) bei der Beurteilung der Steueramtshilfe von 50 Ländern durch das Global Forum zur Steuertransparenz in Jakarta ein. Bei allen maßgeblichen Kriterien (Verfügbarkeit von Informationen, Zugang zu Informationen, Austausch von Informationen) waren im November 2013 erhebliche Mängel festgestellt worden. „Schon im Dezember hat sich die Regierung der Sache mit einem Aktionsplan angenommen, der sehr schnell umgesetzt wird“, sagte Gramegna. „Alle dazu notwendigen Gesetzesvorhaben sind auf den Weg gebracht worden. Das hat uns in dieser kurzen Zeit viel Energie gekostet“, so der Minister. Man arbeite darauf hin, bei einer erneuten Bewertung zum Jahresende zu den Anforderungen „konform“ zu sein.

Reputation und AAA-Rating als wichtige Assets

Zu den Stresstests der EZB im Zuge der Bankenunion sagte Gramegna, dass er von den sechs betroffenen Instituten im Großherzogtum höre, dass dies eine sehr strapaziöse Übung ist. Am Ende werde sich dies jedoch als positiv erweisen. „Die Bankenunion ist eine Chance für Luxemburg - unter dem europäischen Schirm für Qualität, Aufsicht und Reputation.“ Eine einwandfreie Reputation und das hervorragende AAA-Rating seien wichtige Assets, die Luxemburg mitbringe. Die Zukunft des Finanzplatzes werde man nicht auf einem Bankgeheimnis aufbauen können, sondern auf Spitzenleistung, Wissen und der Fähigkeit zur Innovation.

Es gebe tatsächlich immer noch Leute in der Welt, die der falschen Ansicht seien, die hiesige Fondsindustrie sei wegen des Bankgeheimnisses so erfolgreich. „Die Branche wird sich aber auch weiterhin sehr gut entwickeln“, so Gramegna, während der Bankensektor sich seine Kunden in Zukunft vielleicht eher im Mittleren Osten oder in Asien suchen müsse. Das Private Banking werde natürlich von den bevorstehenden Änderungen wie dem Informationsaustausch betroffen sein, aber nicht in einem derart extremen Ausmaß, wie manche das vorhersagen. „Das Geschäftsjahr 2013 beispielsweise war kein exzellentes, aber dennoch ein gutes.“

Eine führende Drehscheibe für den Renminbi

Stichwort Renminbi. Dass London und Frankfurt nach jetzigem Ermessen das Rennen um die ersten europäischen Yuan-Handelszentren gemacht haben und nicht Luxemburg, erwähnte der Finanzminister mit keinem Wort. „Luxemburg ist eine der führenden Drehscheiben für die chinesische Volkswährung in Europa“, machte Gramegna dagegen klar. „Luxemburg ist hervorragend aufgestellt.“ Drei chinesische Banken seien bereits vor Ort und schon jetzt gebe es hierzulande 260 Milliarden an RMB-Fondsassets. „Ende Juni, Anfang Juli fahre ich nach China, um zusehen, wie Luxemburg eine noch bedeutendere Rolle spielen kann“, kündigte der Minister an.

Weitere Zukunftschancen bestünden im Bereich der alternativen Investments. Durch die Umsetzung der EU-Richtlinie für Verwalter alternativer Investmentfonds (AIFM) im vergangenen Sommer habe man in Luxemburg frühzeitig wichtige Grundlagen geschaffen. Es seien bislang bereits über 120 Anträge eingegangen und rund 30 Lizenzen erteilt worden, so Gramegna. Auch im Bereich des islamischen Bankwesens mache man Fortschritte. Man arbeite daran, dass eine Sukuk-Anleihe bald verfügbar sein wird.

Zahl der Banken hat wieder zugenommen

Gramegna thematisierte unter anderem auch den elektronischen Handel, dessen Akteure sich nicht zuletzt wegen der guten Dateninfrastruktur mit hoher Kapazität und Geschwindigkeit für das Großherzogtum entschieden. Große Bedeutung im Bereich e-Commerce komme in Zukunft auch den virtuellen Währungen zu. Dabei sei lobend hervorzuheben, dass die luxemburgische Finanzaufsicht bereits eine entsprechende Zulassungsverordnung parat habe.

„Ich bin sehr optimistisch, was den Finanzplatz angeht“, so Gramegna abschließend. Ein Kriterium  sei z.B. die Zahl der Banken, die 2013 nach langen Jahren wieder zugenommen habe. Zehn Banken hätten sich niedergelassen, aus Ländern wie Frankreich, Brasilien, Russland, Italien, den Vereinigten Königreich, China und der Schweiz.