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Philanthropie in Luxemburg: Der steuerliche Anreiz 
für erhöhte Solidarität
Wirtschaft 4 Min. 30.11.2015

Philanthropie in Luxemburg: Der steuerliche Anreiz 
für erhöhte Solidarität

Bei der Gründung seiner eigenen Stiftung kann man sich sein eigenes, 
maßgeschneidertes Projekt aussuchen, das man finanziell unterstützen möchte.

Philanthropie in Luxemburg: Der steuerliche Anreiz 
für erhöhte Solidarität

Bei der Gründung seiner eigenen Stiftung kann man sich sein eigenes, 
maßgeschneidertes Projekt aussuchen, das man finanziell unterstützen möchte.
Foto: AFP
Wirtschaft 4 Min. 30.11.2015

Philanthropie in Luxemburg: Der steuerliche Anreiz 
für erhöhte Solidarität

Bei Philanthropie handelt es sich nicht um eine Geldanlage per se. Neben dem Willen, der Gesellschaft etwas zurückzugeben gibt es auch steuerliche Anreize, die für wohlhabende Privatleute durchaus interessant sein können.

(lb) Gleich vorweg: Bei Philanthropie handelt es sich nicht um eine Geldanlage per se, da man die investierten Summen nicht mehr wiedersieht. Es ist vielmehr eine Art Spende, bei denen gemeinnützige Projekte in Luxemburg oder im Ausland unterstützt werden, die das Wohlbefinden der Begünstigten erhöhen. Dennoch gibt es neben dem Willen der Gesellschaft etwas zurückzugeben auch steuerliche Anreize, die für wohlhabende Privatleute durchaus interessant sein können.

In Luxemburg werden Großanleger zunehmend zu Philanthropen, die unterstützungsbedürftige Projekte fördern. Die Spendeversprechen der „Fondation de Luxembourg“ haben seit ihrer Gründung 2008 die 100 Millionen Euro übertroffen. Doch wie geht man eigentlich vor, um in Luxemburg seine eigene Stiftung zu gründen, und was können hierbei die Vorteile sein?

Wie Unternehmer

Im Vordergrund stehen immer Investitionen in das Gemeindewohl. Die Idee ist es, sich privat zu engagieren, um als Spender Lücken zu schließen, die der Staat nicht immer ausreichend erfüllt. Hierbei hilft die Dachorganisation der „Fondation de Luxembourg“, die vom Staat und der „Oeuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte“ gegründet wurde. Wohlhabende Privatleute aber auch Unternehmen haben die Möglichkeit, bei ihr eine Stiftung zu gründen und sich ihr eigenes, maßgeschneidertes Projekt auszusuchen. „Stiftungsgründer fühlen sich wie Unternehmer, die sich zu einer sozialen Aufgabe berufen fühlen“, unterstreicht die Generaldirektorin der Fondation de Luxembourg, Tonika Hirdman. 40 Prozent der finanziellen Zusagen werden in die Armut und den sozialen Zusammenhalt investiert.

Auch die Bereiche „Bildung für alle“, Gesundheit und Forschung, Kultur, Biodiversität und Klimawandel finden großen Anklang. Alles ist möglich: Ein Beitrag zur Einschulung von Kindern in Afrika, Präventionskampagnen und ärztliche Versorgung für die Opfer der Genitalverstümmelung, Hilfe in Krisengebieten. In Luxemburg gibt es zur Zeit beispielsweise Projekte, um Kinder mit Konzentrationsproblemen, Hyperaktivität oder Dyslexie zu unterstützen oder jenen zu helfen, die schon im jungen Alter Opfer von häuslicher Gewalt wurden.

Ab 250 000 Euro

Möchte man große Summen spenden, berät die „Fondation de Luxembourg“ die Stifter bei ihrer Vorgehensweise und hilft ihnen, Projekte zu finden, die ihren Bedürfnissen entsprechen. Möglich ist die Gründung einer eigenen Stiftung unter ihrer Federführung in zwei Formen. Bei der Treuhandstiftung mit Stiftungskapital, auch Anlagestiftung genannt, wird das gesamte Kapital, das der Philanthrop investieren möchte, von der Bank seiner Wahl verwaltet. Dieses wird angelegt und die Kapitalerträge werden auf jährlicher Basis in eins oder mehrere ausgesuchte Philanthropieprojekte investiert.

„Dies ist eine Art und Weise, seinen Beitrag nachhaltig zu sichern, da das Geld über längere Zeit ausgeschüttet wird“, erklärt Hirdman. Die Mindestdauer dieser Form von Stiftung beträgt zehn Jahre, wobei man sich auch für die Ewigkeit verschreiben kann. „Oft handelt es sich hierbei um ältere Leute, die keine Nachfahren haben, der Gesellschaft aber etwas zurücklassen und sicherstellen wollen, dass ihr Geld unterstützungsbedürftigen Leuten zugute kommt. Sie wollen damit anderen jene Möglichkeiten geben, die sie selbst hatten.“ Sollten die Kapitalerträge, die automatisch an die Stiftung ausgeschüttet werden, niedriger sein als erwünscht, hat der Stifter die Möglichkeit, bis zu fünf Prozent des Kapitals zusätzlich an die Stiftung auszuschütten. Bei der zweiten Form der Verbrauchsstiftung, erfolgt die Bereitstellung der Gelder jedes Jahr nach und nach, demnach schöpft die Stiftung nicht nur aus den Zinsen. Hier gilt es, innerhalb von fünf Jahren mindestens 250 000 Euro bereitzustellen.

Hierbei sind die steuerlichen Vorteile nicht zu unterschätzen. Bis zu 20 Prozent seines steuerpflichtigen Einkommens, können durch das in die Stiftung investierte Geld abgesetzt werden, wobei die Obergrenze auf eine Million Euro festgelegt ist. „Das ist durchaus vorteilhaft, besonders für jene Leute, die sehr viel Steuern zahlen und dadurch in eine untere Steuerklasse fallen“, meint Hirdman. Zudem sind die Stiftungen von der Einkommensteuer entbunden. „Die Steuerentlastung ist sicherlich eine Motivation für den Stifter, da sie es ihm ermöglicht, höhere Summen an die Stiftung auszuschütten. Es ist zudem eine wichtige Anerkennung vom Staat, da diese Leute ihr Geld freiwillig abgeben.“

Zusätzliche Kosten

Trotzdem wird nicht das gesamte Geld für das Allgemeinwohl benutzt: Verwaltungskosten muss man in dem Fall der Bank und der Fondation de Luxembourg zahlen. „Wir arbeiten mit rund 20 Banken und es gelingt uns meistens, einen attraktiven Zinssatz auszuhandeln, der sich je nach Kapital zwischen 0,25 und 0,8 Prozent befindet“, unterstreicht Hirdman. Für eine personalisierte Betreuung durch die Fondation de Luxembourg belaufen sich ihre Verwaltungskosten zudem jährlich auf 0,8 Prozent des Basiskapitals.

„Wir unterstützen den Stifter maßgeblich und haben selbst kein eigenes Kapital“, erklärt Hirdman. Neben der Gründung und der Verwaltung der Stiftung und der Ausarbeitung eines Projektes ist die Fondation de Luxembourg dann im Verwaltungsausschuss vertreten, und kümmert sich um Audits oder Reporting. Seit 2008 wurden bei der Fondation de Luxembourg 59 Stiftungen von Privatpersonen gegründet, die mehr als 100 verschiedene gemeinnützige Projekte unterstützen.


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