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PED Rodange: Die Alternative zum Stahl
Wirtschaft 4 Min. 29.03.2017

PED Rodange: Die Alternative zum Stahl

Der Europäische Entwicklungspol, PED, wurde 1985 auf dem ehemaligen Gelände der Arbed gebaut.

PED Rodange: Die Alternative zum Stahl

Der Europäische Entwicklungspol, PED, wurde 1985 auf dem ehemaligen Gelände der Arbed gebaut.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 4 Min. 29.03.2017

PED Rodange: Die Alternative zum Stahl

Die Ursprünge der Industriezone in Rodange liegen inzwischen mehr als 30 Jahre zurück. Nach dem Untergang der Stahlindustrie wurde der „Pôle européen de développement“ zu einem der ersten Projekte grenzüberschreitender Zusammenarbeit.

(M.G.) - Die Ursprünge der Industriezone in Rodange liegen inzwischen mehr als 30 Jahre zurück. Nach dem Untergang der Stahlindustrie wurde der „Pôle européen de développement“ zu einem der ersten Projekte grenzüberschreitender Zusammenarbeit.

Es wird wieder gebaut im PED in Rodange . Bestehende Firmen bauen aus und einige neue kommen hinzu. Erst vergangenen September kündigte Avery Dennison eine millionenschwere Investition für den Ausbau ihrer Produktionshallen an. Auch bei CPPE plant man den Bau eines großen Verwaltungsgebäudes. Die im PED ansässigen Betriebe zeigen sich sehr zufrieden. Das ist nicht zuletzt auf die Lage an der Grenze zu Frankreich und Belgien zurückzuführen, erklärt Valérie Laporte von Aperam.

„Wir sind extrem zufrieden mit der Lage unserer Firma. Unsere Kunden kommen aus ganz Europa, so dass Rodange für Warenauslieferungen ideal gelegen ist. Außerdem sind unsere Mitarbeiter zu 100 Prozent Grenzgänger aus Frankreich und Belgien und umgehen hier alle großen Staus. Das fördert die Zufriedenheit der Mitarbeiter ungemein“, so Valérie Laporte.

Anfang der achtziger Jahre war eine solch positive Entwicklung allerdings kaum abzusehen. Nach dem Untergang der Stahlindustrie sah sich die Region mit dem Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen konfrontiert. Da die drei Nachbarstaaten sich in ganz ähnlichen Situationen befanden, entschied man sich für eine verstärkte Zusammenarbeit in Sachen Umstrukturierung und Neuaufbau der wirtschaftlichen Aktivität der Region.

Umwandlung zur Industriezone 
war langwierig und teuer

So wurde 1985 der Europäische Entwicklungspol, PED, auf dem ehemaligen Gelände der Arbed gegründet. Eine gemeinsame Erklärung der drei Regierungen und ein zehnjähriger Aktionsplan sollten die Basis für das ehrgeizige Projekt bilden. Und man steckte sich hohe Ziele: Die industrielle Umwandlung sollte in den drei Ländern insgesamt etwa 8 000 Arbeitsplätze schaffen.

Vor dem ersten Spatenstich mussten allerdings rund 500 Hektar Industriebrache umgewandelt werden. „Das braucht Zeit und Geld“, erklärt Aurélien Biscaut, Leiter der Agape (Agence d'urbanisme de l'Agglomération du PED). Große Teile des Geländes waren verseucht und mussten erst gesäubert werden, bevor neue Firmen sich dort niederlassen konnten.

„In der Zwischenzeit wurde ein ganzes System von Übergangszonen eingerichtet um die restliche industrielle Aktivität der Region nicht zu gefährden“, so Biscaut weiter. Bis zum Ende der Übergangsphase hatten die meisten dieser Gewerbegebiete sich jedoch fest etabliert und bestehen bis heute.

Die Grenzen der Kooperation 
waren schnell erreicht

Tatsächlich funktionieren einige dieser ehemaligen Übergangszonen heute besser als die französische oder belgische Seite des PED. Zu Beginn der Zusammenarbeit wurde das Projekt noch kräftig subventioniert. Damit wurden internationale Unternehmen dazu animiert, sich im PED niederzulassen. Auf französischer Seite wurde so beispielsweise der Elektronikkonzern Panasonic angeworben. Allerdings verließ dieser und eine Reihe anderer Unternehmen den Standort schon bald nachdem keine Subventionsgelder mehr flossen.

Es stellte sich zudem relativ schnell heraus, dass trotz großem Willen zusammenzuarbeiten, es doch entscheidende nationale Unterschiede gab, erklärt Patrick Nickels, Leiter der Inustrie-, Logistik- und Infrastrukturabteilung des Wirtschaftsministeriums in Luxemburg. Alleine die Zuständigkeiten waren komplett unterschiedlich verteilt in den jeweiligen Ländern.

In Frankreich war der PED ein Teil eines Départements, in Belgien, der einer Provinz und in Luxemburg war gleich ein ganzes Land betroffen. „Hier war einzig und allein das Wirtschaftsministerium zuständig. In Frankreich und Belgien war alles schwieriger und vielschichtiger als in Luxemburg“, so Nickels. „Man dachte darüber nach, für diesen Bereich, eine gemeinsame legale Basis zu schaffen, allerdings stieß man sehr schnell auf unüberwindbare Hindernisse, sodass diese Idee irgendwann aufgegeben werden musste“, so Nickels weiter.

PED in Luxemburg wurde 
zur Erfolgsgeschichte

Der Luxemburger Teil des PED hat sich dennoch sehr gut entwickelt. Das führt Nickels nicht zuletzt auf das attraktive Umfeld in Luxemburg zurück. „Fakt ist, dass es für ein internationales Unternehmen einen großen Unterschied machen kann, je nachdem auf welcher Seite der Grenze es sich niederlässt. Luxemburg hatte damals schon wesentlich interessantere Perspektiven zu bieten als Frankreich oder Belgien.“

Das wirtschaftliche Umfeld sei, trotz höherer Löhne, aber wegen niedrigerer Lohnkosten, durchaus interessant für Unternehmen, erklärt Nickels. Im Gegensatz zu Frankreich und Belgien, werden die Sozialkosten hierzulande durch drei geteilt und zu gleichen Teilen vom Staat, dem Arbeitnehmer und dem Arbeitgeber finanziert.

Übrig geblieben ist 
lediglich der Name

Heute besteht kaum mehr Interesse an einer grenzübergreifenden Zusammenarbeit. Teilweise wurde das Projekt von der europäischen Integration überholt, wie zum Beispiel beim Zoll. Für Aurélien Biscaut gebe es heute dennoch immer noch viele Gemeinsamkeiten, die eine stärkere Kooperation rechtfertigen würden, allerdings bestünde dafür kein politischer Wille.

Leere Flächen werden gefüllt

Das ursprüngliche Regelwerk des PED sah vor, dass sich in diesem Gewerbegebiet nur Firmen niederlassen dürften, die innovativ und neu sind. Man wollte hauptsächlich neue Industriezweige ansiedeln. Nachdem sich Frankreich und Belgien seit einigen Jahren kaum noch an diese Vorgaben zu halten scheinen, beginnt nun auch Luxemburg diesbezüglich umzudenken.

Seit inzwischen mehr als 25 Jahren ist ein Teil der Flächen im Luxemburger PED ungenutzt. Da bisher keine Firmen gefunden werden konnten, die den Kriterien des PED genügten, wurde nun ein Großteil der leer stehenden Flächen zu einer regionalen Gewerbezone erklärt. Somit sind auch Luxemburger Unternehmen berechtigt sich dort anzusiedeln. Tatsächlich gebe es bereits Bestrebungen von drei Unternehmen, die sich dort niederlassen wollen, erklärt Pierre Mellina, Bürgermeister von Petingen. Eines davon soll ein großes Busunternehmen sein.


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