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Paypal & Co.: Neue Konkurrenz für Banken
Künftig werden Zahlungen online nicht mehr unbedingt von einer Kreditkarte abhängen.

Paypal & Co.: Neue Konkurrenz für Banken

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Künftig werden Zahlungen online nicht mehr unbedingt von einer Kreditkarte abhängen.
Wirtschaft 1 3 Min. 03.01.2018

Paypal & Co.: Neue Konkurrenz für Banken

Laurent SCHMIT
Verbraucher dürfte es freuen: Sie werden künftig deutlich einfacher Zahlungsdienste und Onlinebankingangebote nutzen können – unabhängig von ihrer Bank. Für klassische Finanzinstitute bedeutet das eine große Herausforderung.

Von Laurent Schmit

Bisher sind Verbraucher eng an ihre Hausbank gebunden, wenn sie mit Karte, im Internet oder mobil bezahlen wollen. Das gleiche gilt für das Onlinebanking. Am 13. Januar tritt die zweite EU-Zahlungsrichtlinie (PSD2) in Kraft, die den Markt aufwirbeln wird. Allerdings ist Luxemburg bei der Umsetzung der Richtlinie in Verzug. Die Bankenvereinigung ABBL rechnet aber noch mit einer Umsetzung in diesem Jahr.

Neu ist vor allem, dass Banken Drittanbietern den Zugang zu Bankkonten gewähren müssen, falls der Kunde das wünscht. Das gilt besonders für Zahlungsdienstleister, die auf diesem Weg unmittelbar Geld auf einem Konto abbuchen können. Der Umweg über die Kreditkarte fällt weg – etwa im Fall von Anbietern wie Paypal. Die Banken müssen über Schnittstellen – sogenannte APIs – andere Anbieter auf Informationen wie Kontostand oder Transaktionen Zugriff bieten. Das ist für Kunden nützlich, die Onlinetools nutzen, um einen Überblick über ihre Finanzen zu erhalten, zumal wenn sie Konten bei mehreren Banken haben. Diese Änderungen treten allerdings erst in Kraft nach einer Übergangsperiode, die bis September 2019 dauert, wie Marc Hemmerling von der ABBL betont.

Luxemburger nutzen massiv Onlinebanking

Das Interesse in Luxemburg an solchen Angeboten ist durchaus vorhanden. Drei Viertel aller Einwohner haben 2017 Bankgeschäfte über das Internet erledigt. Damit liegt Luxemburg deutlich über dem EU-Durchschnitt von 51 Prozent. Das zeigen Zahlen von Eurostat.

Immerhin 42 Prozent der Luxemburger Internetnutzer griffen 2016 auf Onlinebezahldienste wie Paypal zurück. Bei den 35- bis 44-Jährigen ist es knapp die Hälfte, wie eine Studie des Statec zeigt.

Neben dieser offensichtlichen Begeisterung für Onlinedienste kommt ein weiterer Faktor hinzu: In Luxemburg haben die meisten Verbraucher Konten bei mehr als einer Bank. Es ist durchaus interessant für Bankkunden die Informationen zu ihren Konten auf einer Plattform eines Drittanbieters zu sammeln.

Herausforderung für die Banken, Chance für Start-ups

„Die PSD2-Richtlinie bedeutet, dass die Banken am Scheideweg stehen“, gibt Marc Hemmerling unumwunden zu. Sie müssten sich darauf vorbereiten, dass zahlreiche Kunden tatsächlich auf die neuen Angebote von Drittanbietern zurückgreifen werden.

In Deutschland befürchten die Banken etwa, dass sie weniger an Gebühren bei den Bankkarten einnehmen werden. Je populärer die alternativen Zahlungsdienste werden, desto seltener werden Verbraucher mit Karte zahlen oder Geld abheben. Der ABBL-Experte hält dieses Szenario für durchaus möglich. „Das wird sich aber nicht von einem Tag auf den anderen passieren“, sagt Hemmerling. Schließlich werde heute auch noch bar bezahlt, obwohl es Bankkarten seit Jahrzehnten gebe. Die Banken sollten vor allem eine proaktive Haltung einnehmen, meint er. Ein Beispiel dafür ist etwa der mobile Zahlungsdienst Digicash, mit dem inzwischen fünf Luxemburger Banken kooperieren.

Für die Start-up-Unternehmen aus dem Bereich der Finanztechnologie – die Fintech – bedeuten die neuen Regeln eine Chance, einfacher an einen größeren Kundenkreis zu kommen. „Die Fintech im Bereich der Zahlungsdienste werden neue Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit Banken bekommen, weil sie nun reguliert werden und deshalb die Beziehungen einfacher zu gestalten sind“, erklärt Emilie Allaert vom Luxembourg House of Financial Technology.

Die Fintech-Expertin sieht in Luxemburg allerdings noch einen größeren Nachholbedarf. „Das Angebot der Banken bleibt in Luxemburg recht traditionell“, sagt sie. Hierzulande hätten sich reine Onlinebanken noch nicht so recht etabliert, meint die Expertin. Allerdings sei sie überzeugt, dass der Rückstand schnell eingeholt werden könne, so Allaert weiter.

Sicherheit hat Priorität

Die neuen Regeln bedeuten für die Banken auch eine technische Schwierigkeit, weil sie ihre IT-Architektur anpassen müssen. „Die Sicherheit der Kundeninformation ist die Hauptsorge der 80 Banken in Luxemburg, die im Zahlungsgeschäft tätig sind“, betont Marc Hemmerling von der ABBL. In den vergangenen Monaten tobte eine Auseinandersetzung zwischen der EU-Kommission und der Europäischen Bankenaufsicht EBA über die technischen Anforderungen, die die Datensicherheit garantieren sollten.

Die Drittanbieter, die Zugang zu den Bankkonten haben wollen, werden von der Finanzaufsicht CSSF kontrolliert. Sie fallen ebenfalls unter das Bankgeheimnis.

„Die Luxemburger Banken wollen die neuen Dienste nicht einschränken, aber trotzdem muss möglichen Problemen vorgebeugt werden“, meint Hemmerling. Er sieht vor allem das Risiko, dass sich Kunden bei Fehlern an ihre Bank wenden. Wenn die Zahlung allerdings über einen Drittanbieter läuft, ist dieser jedoch der eigentliche Ansprechpartner.

Aus Kundensicht würden die Bezahlvorgänge möglicherweise unübersichtlicher, weil sich weitere Akteure zwischen dem Kunden, dem Händler und der Bank schalten würden.

Allerdings bietet der Luxemburger Gesetzentwurf eine konkrete Verbesserung für die Verbraucher: Bisher mussten sie mit maximal 150 Euro haften, wenn es zu fälschlichen Zahlungen kam, wenn sie im Fehler waren – etwa wenn sie ihre Bankkarte verloren haben. Der Entwurf senkt diese Beteiligung nun auf 50 Euro.


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