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Paul Wurth übernimmt CTI
Wirtschaft 3 Min. 15.03.2012

Paul Wurth übernimmt CTI

Gaston Reinesch (l.), Präsident der SNCI, und Marc Solvi (r.), Generaldirektor der Paul Wurth S.A., unterzeichneten im Beisein von Wirtschaftsminister Jeannot Krecké den Übernahmevertrag.

Paul Wurth übernimmt CTI

Gaston Reinesch (l.), Präsident der SNCI, und Marc Solvi (r.), Generaldirektor der Paul Wurth S.A., unterzeichneten im Beisein von Wirtschaftsminister Jeannot Krecké den Übernahmevertrag.
Gerry Huberty
Wirtschaft 3 Min. 15.03.2012

Paul Wurth übernimmt CTI

1993 stand CTI Systems vor dem Aus und wurde von der staatlichen Investitionsgesellschaft SNCI übernommen. In den vergangenen 15 Jahren wurde der Hersteller von Lagersystemen erfolgreich strategisch neu aufgestellt. Am Freitag wurde die Übernahme von 50,4 Prozent des Kapitals durch den Engineering-Konzern Paul Wurth formalisiert.

1993 stand CTI Systems vor dem Aus und wurde von der staatlichen Investitionsgesellschaft SNCI übernommen. In den vergangenen 15 Jahren wurde der Hersteller von Lagersystemen erfolgreich strategisch neu aufgestellt. Den nächsten Schritt in der Unternehmensentwicklung – internationale Expansion – macht CTI mit einem starken Partner. Am Freitag wurde die bereits im April angekündigte Übernahme von 50,4 Prozent des Kapitals durch den Engineering-Konzern Paul Wurth formalisiert.

Paul Wurth übernimmt zunächst 50,4 Prozent an CTI Systems. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Die SNCI wolle das Unternehmen aus Lentzweiler, das seit 45 Jahren im Geschäft ist (früher unter dem Namen „Cleveland Tramrail International SA“), noch einige Jahre weiter begleiten, erklärte SNCI-Präsident Gaston Reinesch. Langfristig soll Paul Wurth jedoch die Kontrolle ganz übernehmen. Jeweils weitere 24,8 Prozent an CTI sollen zwischen 2011 und 2012 sowie zwischen 2012 und 2013 verkauft werden. Diese schrittweise Übernahmen sei von beiden Seiten gewünscht worden, hieß es.

Beitrag zur Weiterentwicklung der Luxemburger Wirtschaft

Seit Anfang 2008 wurden die Verhandlungen geführt. SNCI hat nach Angaben Reineschs auch einen kleinen Gewinn in dem Geschäft gemacht. Das sei allerdings nicht das primäre Ziel und die Aufgabe der Investitionsgesellschaft, betonte ihr Präsident.

Es ginge vielmehr um die Entwicklung der Luxemburger Wirtschaft, sagte Reinesch. „Es ist keine Flucht aus einem Unternehmen, sondern ein Prozess“, ergänzte Wirtschaftsminister Jeannot Krecké, dessen Beisein bei der Unterzeichnung der Kaufverträge seine letzte Amtshandlung in dieser Regierung war. Dass die Verbindung von CTI Systems und Paul Wurth wirtschaftlich Sinn macht, verdeutlichten die Generaldirektoren beider Firmen, René Jost und Marc Solvi.

CTI stellt Systeme zur Lagerung von Warenbeständen, Teleplattformen, rollende Brücken, Schwebebahnen und technische Hilfen zum Be- und Entladen von Flugzeugen, Kräne für die Papier- und Druckindustrie sowie die Metall- und Autoindustrie her. Den Schwerpunkt legt das Unternehmen derzeit auf Teleskop-Arbeitsplattformen für die Lackierung sowie Unterhaltsarbeiten von Flugzeugen. Solche Plattformen werden z.B. am neuen Airbus A-380 eingesetzt.

Dieses Angebot fehlt dem Anlagebauer Paul Wurth für den Ausbau seines Geschäftsfelds zivile Konstruktion. Um die vor allem auf die Stahlindustrie ausgerichteten Aktivitäten zu diversifizieren, sei CTI Systems ein idealer Partner, erklärte Solvi. Das Clerfer Unternehmen, das 2008 bei einem Umsatz von 40,6 Millionen Euro 2,6 Millionen Euro Gewinn erzielte, erhält durch seinen neuen Mehrheitsaktionär, an dem ArcelorMittal mit 48,1 Prozent, der Luxemburger Staat (direkt und über SNCI sowie BCEE) mit 40,8 Prozent und Luxempart mit elf Prozent beteiligt ist, einen Zugang zu internationalen Märkten.

Über sein weltweites Filialnetz kann der Anlagebauer, der in 44 Ländern vertreten ist, Aufträge für CTI an Land ziehen und gleichzeitig sein eigenes Angebot für schlüsselfertige Lösungen erweitern. Damit wären dann auch die Filialen besser ausgelastet. Für den Zeitraum von 2009 bis 2012 haben die neuen Partner bereits einen ehrgeizigen Geschäftsplan aufgelegt. Im Bereich Kokerei erging bereits ein Forschungsauftrag an CTI.

Den Bereich Forschung und Entwicklung will Solvi nachhaltig stärken, um das Produktangebot zu verbessern und gestärkt aus der Krise zu kommen. Paul Wurth konnte 2008 bei einem im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegenen Umsatz von 668,7 Millionen Euro (2007: 412,9 Mio. Euro) einen Gewinn von 45,3 Millionen Euro (33,3 Mio. Euro) erzielen.

Von der Flaute in der Stahlindustrie bleibt das Unternehmen jedoch nicht verschont. Bis Ende 2009 sei die Beschäftigung gesichert, 2010 und 2011 erwarte Paul Wurth jedoch einen spürbaren Auftragsrückgang, so Solvi. Auch vor diesem Hintergrund mache die Partnerschaft mit CTI Sinn, hieß es.

Wirtschaftsminister Jeannot Krecké nannte die schrittweise Übernahme ein gutes Beispiel dafür, wie man sich als Unternehmen orientieren müsse, um Erfolg zu haben. Krecké sieht darin auch die Ausrichtung der luxemburgischen Wirtschaft auf Spezialangebote und Nischen-Technologie bestätigt. „PW ist längst ein Aushängeschild im Ausland. Jetzt kommt mit CTI ein zweiter Luxemburger Betrieb dazu“, sagte der Minister.