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Online-Dating: Wie Nutzer sich vor Enttäuschungen schützen können
Wirtschaft 5 Min. 08.02.2019

Online-Dating: Wie Nutzer sich vor Enttäuschungen schützen können

Verlockende Aussicht: Wenn das Herz beim Flirt im Netz nicht gebrochen werden soll, gilt es, vor dem entscheidenden Klick Vernunft walten lassen.

Online-Dating: Wie Nutzer sich vor Enttäuschungen schützen können

Verlockende Aussicht: Wenn das Herz beim Flirt im Netz nicht gebrochen werden soll, gilt es, vor dem entscheidenden Klick Vernunft walten lassen.
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 5 Min. 08.02.2019

Online-Dating: Wie Nutzer sich vor Enttäuschungen schützen können

Mara BILO
Mara BILO
Aus Angst vor Einsamkeit suchen viele Menschen ihr Glück im Netz – mit manchmal schlimmen Folgen, denn Betrüger sind auch online unterwegs. Wie man sich davor schützen kann, wissen BEE Secure und das Europäische Verbraucherzentrum in Luxemburg.

„Alle elf Minuten verliebt sich ein Single“: So werben viele Dating-Portale im Netz. Doch die Nachricht, die dabei oft zu kurz kommt, ist: Im Internet ist Vorsicht geboten, denn häufig sind Betrüger unterwegs, die die Einsamkeit von Frauen und Männern auf der Suche nach der großen Liebe schamlos ausnutzen.

So ist es auch Sarah, die ihren wahren Namen nicht nennen möchte, ergangen. Die gebürtige Luxemburgerin, 62 Jahre alt und in Mersch zu Hause, hat ihr Glück auf gleich drei Dating-Portalen versucht. Von einem erstem Kontakt beim ersten Anbieter wurde sie sexuell belästigt, beim zweiten fand sie niemanden von Interesse, beim dritten Versuch klappte es dann doch: Sie lernte einen vermeintlich netten Engländer kennen, dem Foto nach ein gut aussehender Mann. Kurzum: der Volltreffer. „Ich hatte noch keine Erfahrung mit Online-Dating“, erklärt Sarah im Nachhinein, „ich gehe auch nicht viel aus.“


Auf der Suche nach Liebe
Neben einem wachsenden Angebot an Onlinepartnerbörsen gibt es in Luxemburg auch immer noch einige klassische Partnervermittlungen.

Schöne Sprüche, romantische Gesten, feurige Liebeserklärungen: Der Mann wusste genau, wie man mit Frauen spricht und sie für sich gewinnt. Wochenlang hat sich dann nach und nach eine Beziehung aufgebaut. „Der Kontakt war sehr innig“, berichtet Sarah – allerdings ohne sich je zu sehen. „Ich war bis über beide Ohren in ihn verliebt“, erzählt sie schweren Herzens. Als es dann aber um ein Treffen ging, verschwand der angebliche Ingenieur immer wieder auf Geschäftsreisen. „Und nach einer Woche erklärt er mir, er müsse wegen eines Projekts für mehrere Tage nach Peru“, erinnert sich Sarah. „Er hat mir Fotos von dort geschickt. Ich habe ihm geglaubt und einen späteren Termin mit ihm abgemacht.“

Gut organisiertes Unterfangen

Doch dann bat er Sarah um Geld: Er habe in Lateinamerika seinen Pass verloren und brauche einen fünfstelligen Betrag. Sarah erklärte sich bereit, ihm zu helfen, verlangte aber nach Identitätshinweise: „Alles schien normal zu sein.“ Sie schickte das Geld an seine ,Tochter‘ in die USA, die sogar anrief und ihr versicherte, wie verliebt ihr ,Vater‘ in sie sei. „Alles ist so organisiert, um kein Misstrauen aufkommen zu lassen“, beschreibt Sarah den Bluff.

Auch ein zweites Mal schaffte es der Mann, sie zu überzeugen – beim dritten Versuch wurde Sarah dann doch misstrauisch. Mit der Hilfe ihrer Tochter fand sie im Internet schnell die bittere Wahrheit heraus: Sie war einem sogenannten Romance Scammer zum Opfer gefallen. „Ich wusste nicht, dass es so etwas gibt!“ Der Begriff beschreibt Gauner, die ihre Opfer im Internet um Geld betrügen. Anders gesagt: Es handelt sich um eine moderne Version des Heiratsschwindlers.

Millionenschweres Geschäft

„Das ist ein sehr typisches Verhalten für einen Romance Scammer“, kommentiert Jacques Federspiel von BEE Secure – eine Initiative der Luxemburger Regierung, die Bürger über die Gefahren des Internets aufmerksam macht. „Diese Menschen stellen eine gemeinsame Zukunft in Aussicht, verfolgen dabei aber kriminelle Absichten“, so Federspiel. Das millionenschwere Geschäft ist weltweit verbreitet: Die meisten Fälle werden Medienberichten zufolge in den USA gemeldet. Die amerikanische Bundespolizei (FBI) soll dort allein im Jahr 2016 knapp 15 000 Beschwerden erhalten haben, die damit verbundenen Verluste belaufen sich auf mehr als 230 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 203 Millionen Euro. Aber wie verbreitet das Geschäft tatsächlich ist, ist schwer feststellbar – oft trauen sich die Opfer aus Scham nicht, Anzeige zu erstatten.

„Bei Dating-Portalen und -Apps gilt grundsätzlich: Die Sicherheitseinstellungen müssen, wie auch bei den sozialen Netzwerken, angepasst werden“, erklärt Jacques Federspiel. „Man muss sich darüber bewusst sein, wer welche Inhalte sehen darf.“ Außerdem sollten Nutzer von Dating–Portalen keine vertraulichen Informationen preisgeben und nicht auf zweifelhafte Anfragen eingehen.


Zum Anfang des Jahres wurden viele neue Broschüren von Bee Secure, in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern, vorgestellt, die den sicheren Umgang mit dem Internet lehren sollen.
Safer Internet Day: Mehr Eigenverantwortung im Web
Immer wieder tauchen im Internet neue Maschen auf. Eine der neuesten nennt sich Sextortion. Doch falls wirklich ungewollte Bilder im Internet zirkulieren, ist dem meist ein zu sorgloser Umgang damit vorausgegangen.

Auch auf das Geschäftsmodell solcher Anbieter will Federspiel aufmerksam machen: „Oft werben die Dating-Portale mit speziellen, kostenpflichtigen Abos, die sich aber möglicherweise automatisch verlängern oder nach einer Probezeit teurer werden“, warnt der Sicherheitsexperte. „Daher gilt es auch das Kleingedruckte in den Vertragsklauseln zu lesen.“ Und: Beim Bezahlen im Netz ist es sicherer, mit einer sogenannten virtuellen Kreditkarte einzukaufen. „Ein solches Zahlungsmittel kann man bei seiner Bank anfragen“, erklärt Federspiel. „Der Vorteil dabei: Sollten die Karte oder ihre Daten geklaut werden, ist nur der im Voraus festgelegte Betrag weg – nicht mehr.“

Anbieter im Test

Wer nichtsdestotrotz sein Glück im Internet versuchen will, sollte zunächst die verschiedene Anbieter miteinander vergleichen – beispielsweise, indem man den Anbieternamen mit dem Zusatz „im Test“ durch Suchmaschinen laufen lässt, wie das Europäische Verbraucherzentrum in Luxemburg empfiehlt. Dort finden sich dann Tests, Erfahrungsberichte und vieles mehr. Auch lohnt es sich, den Namen der neuen, im Internet gemachten Bekanntschaft zu suchen: Oft sind im Netz viele Informationen zu finden, die die Angaben bestätigen oder Schwindel aufdecken können. Und für alle, die Glück und eine wahre Liebe gefunden haben, gilt: Möglicherweise abgeschlossene Abos bei den Dating-Portalen kündigen und unter Berufung auf die EU-weit geltende Datenschutz-Grundverordnung das sofortige Löschen aller persönlichen Daten verlangen.

Inzwischen ist Sarah über ihre bitteren Enttäuschungen hinweg. Sie hat den Fall bei der Polizei gemeldet, aber: Die von ihr überwiesenen Beträge sind verloren. Heute sucht sie zwar immer noch nach der großen Liebe, allerdings nicht mehr im Netz.