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Wachsende Nachfrage nach Cloud-Lösungen
Wirtschaft 4 Min. 20.07.2021
Online-Datenspeicher

Wachsende Nachfrage nach Cloud-Lösungen

Unternehmen lagern immer mehr Daten aus, zum Beispiel in solche Datencenter wie von Microsoft Azure, der Cloud-Tochter des IT-Giganten.
Online-Datenspeicher

Wachsende Nachfrage nach Cloud-Lösungen

Unternehmen lagern immer mehr Daten aus, zum Beispiel in solche Datencenter wie von Microsoft Azure, der Cloud-Tochter des IT-Giganten.
Foto: Microsoft
Wirtschaft 4 Min. 20.07.2021
Online-Datenspeicher

Wachsende Nachfrage nach Cloud-Lösungen

Marco MENG
Marco MENG
Warum die Schweizer Post den Luxemburger Cloud-Anbieter Tresorit übernimmt.

Viele Privatnutzer kennen das schon: die Datenmenge, die man auf dem PC abspeichert, wird immer größer. Irgendwann zeigt die Anzeige der Speicherkapazität rot: Der Platz wird knapp. Bei Unternehmen und Organisationen ist das nicht anders, denn die Datenmenge wächst und wächst.

Gleichzeitig wird auch die Frage nach Cybersicherheit immer wichtiger. Der vertrauliche und sichere Transport von sensiblen Daten von A nach B passiert heute nur noch selten auf Papierweg – immer mehr geschieht er über Bits und Bytes. Für die Post-Unternehmen ist es heute essenziell, entweder Know-how im Bereich digitaler Infrastrukturen und Datensicherheit aufzubauen oder zuzukaufen

Die Schweizer Post hat nun ihre Spürnase unter Beweis gestellt und übernimmt die Mehrheit an Tresorit. Das Unternehmen mit Firmensitz in Luxemburg bietet Cloud-Lösung zum Verwalten, Speichern, Synchronisieren und Teilen von Daten sowohl für Privatpersonen wie für Selbstständige und Unternehmen an. Tresorit hat heute eigenen Angaben nach mehr als 10.000 Unternehmen weltweit als Kunden, darunter kleine und mittlere Unternehmen genauso wie Konzerne.

Über den Kaufpreis und die Übernahmedetails haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. „Was wir mit dem Briefgeheimnis seit 170 Jahren erfolgreich beweisen, wollen wir ins digitale Zeitalter bringen“, erklärt die Schweizer Post dazu. 

Nomen est omen

Tresorit bietet dabei zwei Besonderheiten: zum einen wird der Firmenname mit der End-to-End-Verschlüsselung Programm. Das heißt, die Daten werden – noch bevor sie in die Cloud geladen werden – nach dem hochsicheren Kodierverfahren AES-256 verschlüsselt, ein Verschlüsselungsstandard, der in den USA für staatliche Dokumente mit höchstem  Geheimhaltungsgrad zugelassen ist. 

Damit hebt sich Tresorit nach Angabe von Fachzeitschriften in der Sicherheitsfunktion deutlich von großen Konkurrenten wie Dropbox oder Google Drive ab. Denn selbst wenn der Server gehackt werden sollte, seien die Nutzer-Accounts dennoch vor Zugriffen sicher, so das Unternehmen. Auch Post Luxembourg bietet mit CloudBridge eine direkte Anbindung an die meisten Cloud-Service-Anbieter weltweit, einschließlich Microsoft Azure, allerdings nicht mit End-to-End-Verschlüsselung. 

Die zweite Besonderheit bei Tresorit ist, dass Nutzer den Speicherort wählen können, wie István Lám, Gründer und CEO von Tresorit, erklärt. Der Kunde kann dabei aus elf Standorten von Microsoft Azure-Rechenzentren auswählen. Das ist natürlich für international tätige Unternehmen interessant, für die eine zentrale Speicherung aller Daten an einem Standort nicht infrage kommt. 

Von Irland, Vereinigtem Königreich, USA, Kanada über Deutschland ist zum Beispiel auch die Schweiz ein Standort, wo Microsoft Azure-Datencenter hat. Nicht aber in Luxemburg. Als eigenständiges Unternehmen, aber neue Tochtergesellschaft der Schweizer Post, stellt sich natürlich da die Standortfrage. Tresorit hat in Luxemburg lediglich den Sitz, während die 120 Mitarbeiter in Zürich, München und Budapest sind. 

„Da die Transaktion noch recht jung ist, haben wir noch keine detaillierten Pläne für unsere Präsenz in Luxemburg“, heißt es vonseiten Tresorits. Dass der Fokus der Schweizer Post vor allem Kunden in der Eidgenossenschaft sind, liegt auf der Hand. Und was bringt die Beteiligung der Schweizerischen Post für Tresorit? „Die Akquisition stärkt Tresorit, um unsere Präsenz in unseren deutschsprachigen Kernmärkten Deutschland, Österreich und Schweiz weiter auszubauen. Daneben bedienen wir auch weiterhin unsere globalen Regionen der EU-Länder, Großbritannien und die USA“, so der Cloud-Anbieter. 

Cloud-Geschäft wächst rasant 

Auf dem Markt für Cloud-Infrastruktur hat Amazon mit seinem Cloud-Geschäft Amazon Web Services (AWS) die Nase vorn und einen Markteinteil von 32 Prozent – mehr als die beiden größten Wettbewerber Microsoft und Google zusammen, so die Synergy Research Group. Im ersten Quartal 2021 beliefen sich die weltweiten Umsätze mit Cloud-Infrastruktur-Services auf 39 Milliarden US-Dollar (33 Milliarden Euro), womit die Branche auf dem besten Weg ist, in diesem Jahr einen Umsatz von 150 Milliarden US-Dollar zu erreichen. 


(FILES) In this file photo taken on February 02, 2021, an Amazon delivery driver carries boxes into a van outside of a distribution facility in Hawthorne, California. - A week of blockbuster earnings reports from Big Tech culminates Thursday with Amazon revealing profits from pandemic-revved online shopping and growing reliance on internet-hosted services. The e-commerce colossus is among the internet giants whose businesses thrived as precautions against Covid-19 led people around the world to go online for work, school, shopping and socializing. (Photo by Patrick T. FALLON / AFP)
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Wegen der Pandemie und vermehrtem Homeoffice nahm im Jahr 2020 die Cloud-Nutzung zu, weil von verschiedenen Standorten aus auf Anwendungen und Daten zurückgegriffen werden musste. Laut dem Datenschutzanbieter Gemalto nutzen mittlerweile 48 Prozent der Unternehmen Cloud-Dienste gegenüber 35 Prozent vor drei Jahren. Aber nur bei 49 Prozent der Daten werden Verschlüsselungsdienste in Anspruch genommen. Der weltweite Public-Cloud-Umsatz soll laut dem IT-Marktforschungsunternehmen Gartner zufolge im laufenden Jahr um 23 Prozent steigen.

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