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OGBL: Sozialplan bei Guardian
Wirtschaft 2 Min. 20.10.2020

OGBL: Sozialplan bei Guardian

Der Glashersteller Guardian will trotz des Beschäftigungsplans 49 Mitarbeiter entlassen.

OGBL: Sozialplan bei Guardian

Der Glashersteller Guardian will trotz des Beschäftigungsplans 49 Mitarbeiter entlassen.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 2 Min. 20.10.2020

OGBL: Sozialplan bei Guardian

Thomas KLEIN
Thomas KLEIN
Kehrtwende bei Guardian: Nach der Einigung auf einen Beschäftigungsplan soll es nun doch 49 Entlassungen geben.

Bei der Reorganisation der luxemburgischen Niederlassung des Glasherstellers Guardian vollzieht das Unternehmen eine erneute Kehrtwende. Noch Anfang September hatte der OGBL verkündet, dass man sich mit der Firmenleitung von Guardian und der Personaldelegation auf einen „Plan de maintien dans l'emploi“ für das Unternehmen geeinigt habe, der Arbeitsplatzverluste verhindern sollte. 

Gestern meldete die Gewerkschaft aber nun, dass das Unternehmen dennoch entschieden habe, einen Teil seiner Belegschaft in Luxemburg zu entlassen. Demnach wurden die Personalvertreter am 19. Oktober von der Unternehmensleitung informiert, dass im Rahmen eines Sozialplans 49 der aktuell etwa 460 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen, davon 32 in der Produktion und 17 in der Verwaltung. 

Zusammenlegung der Standorte 

Bereits im Juni 2020 hatte Guardian die Entscheidung getroffen, den Gasofen in Düdelingen außer Betrieb zu nehmen und alle Investitionen für Luxemburg einzufrieren. Die beiden Luxemburger Standorte in Niederkerschen und Düdelingen sollten zusammengelegt werden. Einer der Gründe dafür war, dass der Floatofen in Düdelingen das Ende seines technischen Lebenszyklus erreicht hatte und heruntergefahren werden sollte. 


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Damals sprach der OGBL davon, dass über 200 Arbeitsplätze in Gefahr seien. Durch die Einigung auf einen Beschäftigungsplan konnte das zunächst abgewendet werden. „Die Anzahl der von der Umstrukturierung betroffenen Arbeitsplätze liegt im Bereich von 200. Um die Auswirkungen der Umstrukturierung zu verringern, besteht seit dem 1. September ein Beschäftigungsplan. Im Rahmen des Plans konnte die Anzahl potenzieller Entlassungen durch Vorruhestand, freiwilliges Ausscheiden und anderer mildernder Maßnahmen auf ungefähr 49 reduziert werden“, so das Unternehmen in einer Stellungnahme. Die Verhandlungen über die Entlassungen würden nun seit gestern mit der Gewerkschaft verhandelt. 

„Sozialmodell mit Füßen getreten“ 

Die Ankündigung, dass nur anderthalb Monate nach dem Beschäftigungsplan nun doch ein Sozialplan aufgelegt werden soll, erwischte die Gewerkschaftsvertreter auf dem falschen Fuß. Entsprechend aufgebracht äußerte sich der OGBL über die Entscheidung des Unternehmens. „Das luxemburgische Sozialmodell wird hier buchstäblich mit Füßen getreten“, schrieb die Gewerkschaft in ihrer Mitteilung. Die Entscheidung von Guardian bezeichnete sie als „Affront gegen die Personaldelegation“. 

„Der Beschäftigungsplan läuft noch zwei Jahre, aber jetzt zieht Guardian nach zwei Monaten wieder den Sozialplan aus der Schublade und will 49 Leute entlassen“, so Alain Rolling, beigeordneter Generalsekretär beim OGBL. Die Gewerkschaft sei der Meinung, dass der Beschäftigungsplan erst für seine volle Dauer gelten solle. „Und wenn der dann ausläuft und die Maßnahmen nicht gegriffen haben, kann man immer noch über einen Sozialplan verhandeln“, so Rolling. Damit werde ein Sozialkonflikt unvermeidlich. Man werde alle zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, damit das Management den Sozialplan zurückzieht, so die Gewerkschaft. 


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Besonders irritiert sei man beim OGBL darüber, dass die Luxemburger Geschäftsleitung des Unternehmens offenbar weder eigene Entscheidungsbefugnisse, noch Ahnung vom Luxemburger Sozialmodell habe, so Rolling. „Unserem Eindruck nach bekommen sie nur Zahlen von der Zentrale diktiert, die sie dann umsetzen müssen“, sagt der Gewerkschaftler.

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