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OGBL droht: Streik im Pflegeheim „An de Wisen“
Wirtschaft 2 Min. 10.02.2017 Aus unserem online-Archiv

OGBL droht: Streik im Pflegeheim „An de Wisen“

 Die Gewerkschaft OGBL sieht keine wirtschaftliche Notwendigkeit für die Entlassung von Personal.

OGBL droht: Streik im Pflegeheim „An de Wisen“

Die Gewerkschaft OGBL sieht keine wirtschaftliche Notwendigkeit für die Entlassung von Personal.
Foto: Alain PIRON
Wirtschaft 2 Min. 10.02.2017 Aus unserem online-Archiv

OGBL droht: Streik im Pflegeheim „An de Wisen“

Nach zwei Jahren vergeblicher Schlichtungsversuche verkündete der Betreiber des Pflegeheims in Bettemburg am Donnerstag Abend überraschend die Entlassung von 66 Mitarbeitern.

(M.G.) - Offiziell läuft das Schlichtungsverfahren zwischen Sodexo Résidences Services asbl und dem unabhängigen Gewerkschaftsbund OGBL erst am 18. Februar aus. Doch neun Tage vor Ablauf der Frist erklärt der Heimbetreiber die Schlichtung einseitig für gescheitert. Außerdem kündigte Sodexo die Ausarbeitung eines Sozialplans an. 66 der 204 Mitarbeiter des Seniorenheims "An de Wisen" sollen ihren Job verlieren.

In einer Pressekonferenz am Freitag Morgen reagierte der OGBL entrüstet auf jene Nachricht, die auch sie erst durch eine Pressemitteilung am Donnerstag Abend erhalten hatten. Bereits seit zwei Jahren bemühe man sich um eine Lösung des Problems, doch Sodexo verweigere jeglichen Kompromiss, der die Reduzierung anderer Kostenpunkte betreffe als die Personalkosten, erklärt Nora Back vom Exekutivbüro des OGBL.

Nora Back (l.) stellt klar: "Wir möchten nicht, dass unsere öffentlichen Gelder an rein profitorientierte Unternehmen fließen." Das ginge auf Kosten von Personal und Bewohner.
Nora Back (l.) stellt klar: "Wir möchten nicht, dass unsere öffentlichen Gelder an rein profitorientierte Unternehmen fließen." Das ginge auf Kosten von Personal und Bewohner.
Foto: Alain PIRON

Sodexo begründet ihren Schritt mit steigenden Defiziten seit rund vier Jahren. Im Jahr 2016 sollen die Ausgaben des Pflegeheims die Einnahmen um mehr als 900 000 Euro überstiegen haben. Das Unternehmen schreibt in seiner Pressemitteilung, dass die aktuelle Entlohnung der Mitarbeiter über den gesetzlich verankerten Bedingungen für Pflegeheime liege. In der aktuellen finanziellen Lage des Unternehmens könne man dieses Niveau nicht länger halten. Deswegen habe man den Mitarbeitern angeboten Löhne und Zusatzleistungen über einen Zeitraum von drei Jahren an das gesetzliche Mindestniveau anzupassen. Diesen Vorschlag hätten allerdings nur 33 der 107 betroffenen Arbeitnehmer akzeptiert, was nicht reiche um die nötigen Ersparnisse zu machen, schreibt Sodexo weiter.

Verdacht auf unlautere Geschäftspraktiken

Der OGBL bedauerte, dass man erst am 27. Januar Zugang zu den Bilanzen der Firma bekam. Nach eingehender Prüfung fand man heraus, dass das Unternehmen Reserven in Millionenhöhe besitzt, erzählt Nora Back. Sie vermutet, dass es sich hierbei um über Jahre angesammelte öffentliche Gelder handelt, die für die Pflege von alten Menschen bestimmt waren. Und: Jene Reserven in Millionenhöhe würden genutzt um Kredite zu niedrigen Zinssätzen an die Muttergesellschaft zu vergeben, so die Vertreterin des OGBL.

Außerdem beauftrage das Unternehmen für alle Arbeiten neben der Pflege der Bewohner ein externes Dienstleistungsunternehmen für rund 1,6 Millionen Euro jährlich. Engagiert wurde die milliardenschwere Muttergesellschaft. Nora Back bezweifelt, dass dieser Betrag nur die Gehälter der Arbeitnehmer umfasse.

Sozialplan inakzeptabel

Noch vor der Pressekonferenz am Freitag Morgen habe der OGBL sich kurz mit dem Minister für Soziale Sicherheit, Romain Schneider, verständigt, so Nora Back. Der Minister und die OGBL seien sich einig, dass ein Sozialplan im öffentlichen Dienstleistungssektor absolut inakzeptabel sei und man die Vorgehensweise des Heimbetreibers so nicht dulden könne.

Daher ist die klare Antwort des OGBL ein Streik der Arbeitnehmer des Pflegeheims. Nora Back bestätigt, dass die Vorbereitungen dafür bereits auf Hochtouren liefen.


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