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Offshore-Geschäfte getätigt: Diese Persönlichkeiten stehen im Fokus
Wirtschaft 1 4 Min. 04.04.2016

Offshore-Geschäfte getätigt: Diese Persönlichkeiten stehen im Fokus

Lionel Messi muss sich ab Mai wegen Steuerhinterziehung in Spanien verantworten. Nun kommt im Rahmen der Panama Papers eine neue Offshore-Firma des Fußballers ans Licht.

Offshore-Geschäfte getätigt: Diese Persönlichkeiten stehen im Fokus

Lionel Messi muss sich ab Mai wegen Steuerhinterziehung in Spanien verantworten. Nun kommt im Rahmen der Panama Papers eine neue Offshore-Firma des Fußballers ans Licht.
AFP
Wirtschaft 1 4 Min. 04.04.2016

Offshore-Geschäfte getätigt: Diese Persönlichkeiten stehen im Fokus

Kerstin SMIRR
Kerstin SMIRR
Wer nutzte die Dienste der Kanzlei Mossack Fonseca in Panama für Offshore-Geschäfte? Dazu gehören nach Recherchen internationaler Medien Fußballstar Messi, ein Putin-Vertrauter und der isländische Regierungschef.

(ks) - Fußballer Lionel Messi, der Putin-Freund Sergej Roldugin oder auch der suspendierte Uefa-Präsident Michel Platini: Die Liste jener bekannten Persönlichkeiten, die über die Kanzlei Mossack Fonseca in Panama Offshore-Geschäfte abgewickelt haben, ist lang. Laut dem "Internationalen Konsortium investigativer Journalisten" gehören zwölf frühere und amtierende Staats- und Regierungschefs und 128 weitere Politiker dazu. Verschiedene Medien, die an der Recherche zu den Panama Papers beteiligt waren, haben einige der Fälle aufgearbeitet.


Lionel Messi

Der argentinische Fußballstar und sein Vater müssen sich ab Ende Mai in Barcelona wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung in Höhe von 4,16 Millionen Euro im Zeitraum von 2007 bis 2009 verantworten. Nur wenige Tage nach der Anklage in Spanien, im Juni 2013, sollen Lionel Messi und sein Vater laut "Le Monde"  als Begünstigte der Briefkastenfirma Mega Star Enterprises - mit Sitz in Panama und gegründet von Mossack Fonseca - eingetragen worden sein. Seit Dezember 2015 sei Vater Jorge alleiniger Anteilseigner. Er hat sich laut der französischen Zeitung zu dem Fall nicht äußern wollen.


Michel Platini

Michel Platini erklärt, die Steuerbehörden seien informiert.
Michel Platini erklärt, die Steuerbehörden seien informiert.
AFP

Michel Platini soll laut "Le Monde" seit 2007 Verwalter einer Firma sein, die ihren Sitz in Panama hat. Nur wenige Monate zuvor war er Uefa-Präsident geworden. Derzeit ist er von diesem Amt wegen einer dubiosen Zahlung von der Fifa an ihn in Höhe von 1,8 Millionen Euro im Jahr 2011 suspendiert. Wozu das Unternehmen in Panama dient, ist unklar. In einer Stellungnahme teilte Platini mit, er habe gegenüber der Steuerbehörde in der Schweiz, wo er wohnt, seine gesamten Konten und Vermögenswerte angegeben.


Das Umfeld von Wladimir Putin

In den Panama Papers taucht laut "Süddeutscher Zeitung" ein Name aus dem nahen Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf: Sergej Roldugin. Der Cellist ist ein langjähriger naher Freund von Putin und Patenonkel von dessen Tochter Maria. In geleakten Dokumenten wird Roldugin laut des Berichts als Eigentümer von Offshore-Firmen genannt, die Teil eines größeren Geflechts von Putins Vertrauten sein sollen, über das innerhalb weniger Jahre rund zwei Milliarden Dollar geflossen seien. Dabei sollen einige Tricks zur Verschleierung angewandt worden sein.

Russlands Präsident Wladimir Putin (Mitte) im Jahr 2009 auf einem Bild mit Sergej Roldugin (links).
Russlands Präsident Wladimir Putin (Mitte) im Jahr 2009 auf einem Bild mit Sergej Roldugin (links).
REUTERS

Laut dem "Internationalen Konsortium investigativer Journalisten", das an der Recherche zu den Panama Papers beteiligt war, ist es möglich, dass nicht Roldugin der große Nutznießer der dubiosen Geschäfte ist, sondern dass er als Strohmann für Putins Umfeld oder den Präsidenten selbst agiert. Über dessen angeblichen Reichtum gibt es seit langem Spekulationen.


Sigmundur David Gunnlaugsson

"Ich habe nie Vermögenswerte versteckt", sagte der isländische Premierminister Sigmundur David Gunnlaugsson, bevor er ein TV-Interview abbrach, in dem er zu Wintris Inc. befragt wurde. Der isländische Premierminister wird verdächtigt, Geld auf den britischen Jungferninseln geparkt zu haben.

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Die Briefkastenfirma Wintris Inc. soll er laut NDR 2007 mit seiner Frau Anna Sigurlaug Palsdottir erworben haben, als Vermittler soll die luxemburgische Filiale der isländischen Landsbanki-Bank eingetreten sein. 2009 hat er laut NDR seinen Anteil seiner Frau für einen symbolischen Dollar überlassen - kurz nachdem er ins isländische Parlament eingezogen war. Wintris soll Anteile im Wert von mehreren Millionen Euro an den bankrott gegangenen isländischen Banken Landsbanki und Kaupthing besessen haben. Gunnlaugsson trat im Rahmen der Finanzkrise dafür ein, dass isländische Gläubiger bevorzugt entschädigt werden.

Seine Frau hat bereits Mitte März - kurz nach dem TV-Interview - über Facebook mitgeteilt, sie habe die Firma zu Investmentzwecken genutzt, um Geld, das aus dem Verkauf eines Familienunternehmens stammte, anzulegen. Die Bank habe ihren Mann fälschlicherweise als Miteigner eingetragen. Als dieser Fehler kurz vor ihrer Hochzeit bemerkt worden sei, habe Gunnlaugsson ihr seine Anteile übertragen. Der Pressesprecher des Premiers teilte mit, das Paar habe alle Einkünfte und Vermögenswerte deklariert.


Petro Poroschenko

Im zweiten Jahr nach seinem Wahlsieg hat Petro Poroschenko seinen Süßwarenkonzern noch nicht verkauft.
Im zweiten Jahr nach seinem Wahlsieg hat Petro Poroschenko seinen Süßwarenkonzern noch nicht verkauft.
REUTERS

Der ukrainische Präsident kam als reicher Mann ins Amt: Der Unternehmer verdiente sein Geld mit seinem Süßwarenkonzern Roshen, andere Aktivitäten wie eine Bank und ein TV-Sender kamen hinzu. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung sagte  Petro Poroschenko 2014 vor seiner Wahl: "Wenn ich gewählt werde, mache ich klaren Tisch und werde den Roshen-Konzern verkaufen. Als Präsident der Ukraine will und werde ich mich alleine um das Wohl des Landes kümmern."

Doch lässt der Verkauf scheinbar auf sich warten. Zwei Monate nach seinem Wahlsieg ließ Poroschenko laut "Le Monde" die Briefkastenfirma Prime Asset Partners Limited auf den britischen Jungferninseln gründen. Nach Angaben seines Finanzberaters sollte dies der Restrukturierung des Roshen-Konzerns und der Vorbereitung des Verkaufs dienen. Ein von "Le Monde" zitierter Politologe erklärt, dass das Offshore-Geschäft ungarischer Geschäftsmänner weniger dazu diene, Steuern zu hinterziehen, als vielmehr die eigenen Investitionen vor fremdem Zugriff zu schützen.

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FILE - Aerial view of the Panama City bay taken on March 23, 2015. Close aides of Russian president Vladimir Putin are among those whose assets feature in a vast expose of tax havens published on April 3, 2016 after a year-long investigation into 11.5 million leaked documents. The assets of around 140 political figures -- including 12 current of former heads of states -- are mentioned in the revelations, according to the probe by the International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) and German daily Sueddeutsche Zeitung. AFP PHOTO/ Rodrigo ARANGUA