Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Ölschwemme sorgt für Durcheinander
Wirtschaft 3 Min. 20.01.2016 Aus unserem online-Archiv
Aktienmärkte

Ölschwemme sorgt für Durcheinander

Auch an der New Yorker Wall Street macht der niedrige Ölpreis Druck.
Aktienmärkte

Ölschwemme sorgt für Durcheinander

Auch an der New Yorker Wall Street macht der niedrige Ölpreis Druck.
Foto: REUTERS
Wirtschaft 3 Min. 20.01.2016 Aus unserem online-Archiv
Aktienmärkte

Ölschwemme sorgt für Durcheinander

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Das weltweite Öl-Überangebot setzt große Konzerne wie Shell unter Druck. Der Preisverfall belastet auch die Aktienmärkte - ebenso wie Ölförderländer.

(dpa) - An den weltweiten Finanzmärkten gibt es derzeit nur ein Thema: die Ölpreise. Sie fallen immer weiter. Die beiden wichtigsten Ölsorten WTI und Brent waren am Mittwoch so billig wie seit über zwölf Jahren nicht. Das bleibt nicht ohne Folgen. Der britisch-niederländische Energieriese Shell muss einen Gewinneinbruch hinnehmen, die Börsen geraten weltweit stark unter Druck.

Die Kurse der als sicher geltenden Staatspapiere steigen deutlich, während Währungen von erdölexportierenden Ländern massiv an Wert verlieren. So fiel etwa der russische Rubel auf einen historischen Tiefstand.

Freier Fall

Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur März-Lieferung kostete am frühen Abend 27,27 US-Dollar und damit 1,49 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI zur Lieferung im Februar fiel um 2,03 Dollar auf 26,43 Dollar. Zu den Profiteuren sinkender Ölpreise zählen Unternehmen in Ölimportländern wie Deutschland sowie Verbraucher zum Beispiel wegen sinkender Benzinpreise an den Tankstellen.

Denn der niedrige Rohölpreis drückt auch die Kraftstoffpreise weiter nach unten. Für einen Liter Diesel müssen Autofahrer inzwischen deutlich weniger als einen Euro zahlen: Im Schnitt kostet der Kraftstoff nach Angaben des ADAC derzeit 97,2 Cent und damit drei Cent weniger als in der vergangenen Woche. Ähnlich stark ging auch der Literpreis für Super E10 zurück: Durchschnittlich müssten Autofahrer derzeit 1,21 Euro bezahlen. Verlierer sind dagegen Konzerne und Länder, die an dem Verkauf von Rohöl verdienen.

Absackende Gewinne

Beim Ölkonzern Shell dürfte allein im Schlussquartal 2015 der bereinigte Gewinn auf 1,6 bis 1,9 Milliarden US-Dollar (1,7 Mrd Euro) abgesackt sein, wie der Konzern nach vorläufigen Berechnungen mitteilte. Ein Jahr zuvor waren es noch 3,3 Milliarden Dollar gewesen. Ähnlich sieht es beim erwarteten Reingewinn für das Gesamtjahr 2015 aus. Hier werden 10,4 bis 10,7 Milliarden Dollar erwartet. Endgültige Zahlen werden am 4. Februar veröffentlicht.

Shell ist der erste Ölriese, der Zahlen für 2015 bekanntgab, und will mit Produktionskürzungen, umfangreichen Stellenabbau und eingedampften Investitionen gegensteuern.

Erholung nicht in Sicht

Eine Erholung bei den Ölpreisen ist nicht in Sicht. Experten rechnen mit weiter steigenden Lagerbeständen in den USA, einem Zeichen für großes Überangebot. „Derzeit sind die Aussichten für den Ölmarkt ziemlich negativ“, sagte Rohstoffexperte Angus Nicholson vom britischen Handelshaus IG Group. Das Ende der Iran-Sanktionen fache die Furcht vor weiterem Preisverfall an. Am Dienstag hatte die Internationale Energieagentur IEA in drastischen Worten davor gewarnt, dass der Ölmarkt im Überangebot zu „ertrinken“ drohe.

Führende Banken übertreffen sich mit immer niedrigeren Prognosen für die Ölpreise. Während die US-Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley von einem Tiefpunkt bei 20 Dollar ausgehen, hatte die britische Bank Standard Chartered ein Abrutschen bis auf 10 Dollar nicht ausgeschlossen.

Aktienmärkte unter Druck

Der Ölpreisverfall belastet auch Aktienmärkte weltweit. Der deutsche Leitindex Dax schloss am Mittwoch bei einem Minus von fast drei Prozent. Zwischenzeitlich war er sogar auf den tiefsten Stand seit Dezember 2014 abgesackt. Auch die Börsen in Asien wurden kräftig durchgeschüttelt. In Hongkong sank der Leitindex Hang Seng zeitweilig auf den tiefsten Stand seit Mitte 2012. Auch an der Wall Street ging es bergab. Der Leitindex Dow Jones Industrial büßte zunächst zwei Prozent ein.

Im Gegenzug flohen die Investoren weltweit in als sicher geltende Anlagen. Der für deutsche Staatsanleihen richtungweisende Euro-Bund-Future stieg auf einen historischen Höchststand. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel im Gegenzug um sechs Basispunkte auf 0,48 Prozent.

Wertloser Rubel

Am Devisenmarkt sind Währungen von erdölexportierenden Staaten stark unter Druck. Besonders betroffen ist der russische Rubel, der am Mittwoch so wenig wert war wie nie zuvor. Er kostete erstmals mehr als 80 Rubel. Am Abend stieg der Kurs bis auf 82,45 Rubel. Das Ölland Venezuela verlangt ein entschlossenes Gegensteuern. „Es ist die Stunde gekommen, in der wir auf dem Ölmarkt die Zügel in die Hand nehmen und die Basis für Stabilität schaffen müssen“, sagte Präsident Nicolás Maduro. Er wolle die Mitgliedstaaten des Ölkartells Opec und andere erdölfördernde Länder zusammenbringen, um eine neue Strategie zu entwerfen. Maduro betonte, er habe bereits mit dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani darüber gesprochen.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Neben der wirtschaftslähmenden Corona-Pandemie, die sich derzeit weltweit ausbreitet, lässt auch der Preiskrieg zwischen den Ölstaaten Saudi-Arabien und Russland die weltweiten Kraftstoffpreise drastisch sinken.
ARCHIV - 16.08.2019, Niedersachsen, Emlichheim: Tiefpumpen zur Erdölförderung stehen auf einem Gelände der Wintershall Dea. (Zu dpa "Wintershall Dea bekommt niedrigere Öl- und Gaspreise zu spüren") Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Alle wichtigen fossilen Energieträger sind ab Mittwoch billiger. Heizöl, Diesel und Benzin sind so günstig, wie lange nicht mehr.
Die Treibstoffe sind so günstig wie seit Langem nicht mehr.
Der Rohölpreis ist seit Monaten im Sinkflug. In der Nacht auf Dienstag wird deshalb das Heizöl erneut billiger.
Ab Dienstag bekommt man für einen Euro fast drei Liter Heizöl geliefert.
Ölpreise sinken immer weiter
Die nächste Indextranche rückt in immer weitere Ferne. Grund dafür ist der gesunkene Ölpreis, der im Dezember für rückläufige Verbraucherpreise sorgte.
Auf das gesamte Jahr 2015 gesehen, lag die Inflationsrate bei 1,1 Prozent.