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Ölpreise: Vom Iran bis nach Luxemburg
Seit einem Jahr steigen die Preise für Rohöl wieder, und mit ihnen jene für Benzin.

Ölpreise: Vom Iran bis nach Luxemburg

Foto: Lex Kleren
Seit einem Jahr steigen die Preise für Rohöl wieder, und mit ihnen jene für Benzin.
Wirtschaft 3 Min. 18.05.2018

Ölpreise: Vom Iran bis nach Luxemburg

Erst schleichend, dann immer schneller sind die Preise für Benzin und Heizöl geklettert. Die Trump-Entscheidung für einen Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran beschleunigt den Trend.

(M.G./dpa) - Die guten Jahre für Autofahrer und Heizölkäufer sind erst einmal vorbei – und kommen wohl nicht so schnell zurück. Seit einem Jahr steigen die Preise für Rohöl wieder, und mit ihnen jene für Heizöl und Benzin. Erst gestern haben die Ölpreise ihren Höhenflug fortgesetzt. Gegen Mittag sprang die Notierung für Nordsee-Öl der Sorte Brent über 80 US-Dollar und erreichte bei 80,18 Dollar den höchsten Stand seit November 2014.


US President Donald Trump speaks during a Cabinet Meeting in the Cabinet Room of the White House in Washington, DC, May 9, 2018. / AFP PHOTO / SAUL LOEB
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„Die Nachrichtenlage und die Fundamentaldaten sprechen kurzfristig für einen weiteren Preisanstieg“, kommentierten Rohstoffexperten der Commerzbank. Preistreibend wirkt nach wie vor die Sorge vor einer Angebotsverknappung aufgrund der US-Sanktionen gegen das wichtige Förderland Iran. Analysten der Bank Goldman Sachs warnen, dass selbst die steigende US-Ölförderung nicht ausreiche, um die möglichen Rückgänge der Lieferungen aus dem Iran auszugleichen.

Am Vortag hatte die US-Regierung gemeldet, dass die US-Fördermenge in der vergangenen Woche ein neues Rekordhoch erreicht hatte. Demnach wurden im Schnitt 10,72 Millionen Barrel pro Tag gefördert und damit so viel wie noch nie.

Der Iran ist der fünftgrößte Ölexporteur weltweit. Das meiste Öl von dort geht nach China und Indien.

Zuvor hatten die Ölproduzenten jahrelang mehr Rohöl gefördert als weltweit gebraucht wurde, und füllten so die Lager. Das ist vorbei. In den USA liegen die Lagerbestände bei Rohöl um 17 Prozent unter dem Vorjahr, bei Benzin und Diesel sogar um 23 Prozent.

Keine Entspannung in Sicht: US-Sanktionen gegen Ölexporte aus dem Iran könnten für eine weltweite Angebotsverknappung und dementsprechend erhöhte Preise sorgen.
Keine Entspannung in Sicht: US-Sanktionen gegen Ölexporte aus dem Iran könnten für eine weltweite Angebotsverknappung und dementsprechend erhöhte Preise sorgen.
Foto: AFP

Auf der Angebotsseite hat das OPEC-Kartell seine Förderung zurückgefahren, unterstützt von Russland und anderen Förderländern. Rund zwei Millionen Barrel pro Tag hat die OPEC aus dem Markt genommen. OPEC-Mitglied Venezuela, das Land mit den größten Ölreserven, würde gern mehr Rohöl liefern. Doch eine tiefgreifende politische und wirtschaftliche Krise hat das Land ins Chaos gestürzt, aus Venezuela kommt tatsächlich immer weniger Öl. Nachdem US-Präsident Donald Trump das Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt und neue Sanktionen gegen das Land angekündigt hat, stehen weitere 2,5 Millionen Barrel pro Tag auf der Kippe. Der Iran ist der fünftgrößte Ölexporteur weltweit.

Das meiste Öl von dort geht nach China und Indien sowie in weitere asiatische Länder, geringere Mengen nach Europa. Deshalb glaubt die Expertin der Luxemburger Statistikbehörde (Statec), Cathy Schmit, auch, dass die Auswirkungen möglicher US-Sanktionen gegen den Iran sich nur bedingt auf die Preise auswirken werden. Sollten die Chinesen weiterhin Öl aus dem Iran beziehen, dürften die Auswirkungen insgesamt nicht sehr groß sein, meint die Expertin.

Indextranche könnte 2019 fällig sein


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Auch die Internationale Energie-Agentur IEA äußert sich vorsichtig über die Folgen der US-Politik. „Die Sanktionen könnten Einfluss auf das Marktgleichgewicht haben“, heißt es in einer Stellungnahme. Doch es gibt auch andere Stimmen. „Kurz- und mittelfristig dürfte es zu einem Verlust von rund 600 000 Barrel pro Tag an iranischen Ölexporten kommen“, befürchtet Analyst Jan Edelmann von der HSH Nordbank. Dann würden nach seinen Berechnungen die Ölpreise nochmals um acht Dollar je Barrel steigen, also auf deutlich mehr als 80 Dollar.

Denn ungeachtet aller klimapolitischen Ziele steigt die Nachfrage nach Öl weiter. Das liegt vor allem an der guten Weltkonjunktur. Allein im laufenden Jahr erhöht sich der weltweite Ölbedarf nach der Prognose der IEA um 1,5 auf 99,3 Millionen Barrel pro Tag. Für Autofahrer und Heizölkunden in Europa ist das keine gute Nachricht.

Insgesamt sei die Entwicklung der Ölpreise nur sehr schwer vorherzusehen, erklärt Cathy Schmit. „Deshalb treffen wir in der Regel auch keine Vorhersagen, was die Ölpreise betrifft.“ Das Statec bestimmt dagegen drei unterschiedliche Szenarien: eines, in dem der Preis des Barrel Brent stabil bleibt, ein zweites, in dem der Preis um 20 Dollar sinkt und ein drittes, in dem der Preis um 20 Dollar steigt. Sollte das dritte Szenario eintreten – und danach sieht es derzeit aus – könnte noch vor Ende 2019 eine weitere Indextranche fällig sein, heißt es seitens des Statec.


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