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Öffnung der Baustellen unter strengen Bedingungen
Wirtschaft 2 Min. 18.04.2020

Öffnung der Baustellen unter strengen Bedingungen

Am Freitag begann die Armee, Atemschutzmasken an Unternehmen zu verteilen.

Öffnung der Baustellen unter strengen Bedingungen

Am Freitag begann die Armee, Atemschutzmasken an Unternehmen zu verteilen.
Foto: Guy Wolff
Wirtschaft 2 Min. 18.04.2020

Öffnung der Baustellen unter strengen Bedingungen

Thomas KLEIN
Thomas KLEIN
Die Baufirmen müssen den Schutz ihrer Mitarbeiter sicherstellen. Unter anderem muss die empfohlene Distanz von zwei Metern zwischen den Bauarbeitern eingehalten werden.

Anders als in den Nachbarländern hatte Luxemburg auch seine Baustellen aufgrund der Corona-Pandemie für rund einen Monat geschlossen. Ab Montag rollen die Betonmischer nach einem Beschluss der Regierung nun aber wieder.

Allerdings müssen die Unternehmen strenge Vorgaben beachten, um den Schutz der Mitarbeiter sicherzustellen. So hat das „Institut de Formation Sectoriel du Bâtiment“ Leitlinien erstellt, an die sich die Baufirmen mit ihren rund 35.000 Mitarbeitern halten müssen. Diese Vorgaben sehen unter anderem vor, dass die Arbeit so organisiert wird, dass die empfohlene Distanz von zwei Metern zwischen den Bauarbeitern eingehalten werden kann. Das beinhaltet, dass die Arbeitstrupps möglichst klein sein sollen und wenig direkten Austausch miteinander haben.

Wenige Baustellen starten sofort

Die Vorgaben erfordern eine entsprechende Planung bei den Baufirmen. „Die Baustellen, an denen gleich am Montag die Arbeit losgeht, werden eher die Ausnahme sein. Die Baustelleneinrichtungen sind noch nicht auf Maßnahmen wie Abstandsregeln ausgelegt“, sagt Anne-Marie Solvi, Direktorin von Paul Wurth Geprolux. Bei einigen Baustellen werde das eine ganze Woche dauern, bis ein regulärer Betrieb möglich ist. „Die Vorbereitungen sind für jede Baustelle anders. Es ist ein Unterschied, ob zum Beispiel unter freiem Himmel oder in einem Gebäude gearbeitet wird“, so Solvi.


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Auch Pol Faber, Generalsekretär des „Groupement des entrepreneurs“, geht nicht davon aus, dass der gesamte Sektor mit seinen etwa 1.700 Firmen am Montag wieder die Arbeit aufnimmt. „Dazu war die Vorbereitungszeit etwas zu kurz“, sagt er. „Aber ein gewisser Prozentsatz wird am Montag loslegen.“ So öffnet die Firma Stugalux von den normalerweise 200 Baustellen am Montag gerade mal fünf. Faber erwartet, dass auf die Unternehmen durch die Schutzmaßnahmen große Zusatzkosten zukommen. „Das ist nicht nur das Bereitstellen der Schutzmaterialien, sondern zum Beispiel auch der zusätzliche Transportaufwand: Wurden bisher normalerweise neun Arbeiter in Minibussen zur Baustelle gefahren, sind das durch die Abstandsregeln nur noch vier oder fünf.“

Neben den Vorschriften zum „Social Distancing“ müssen die Firmen auch für die entsprechende Ausstattung auf den Baustellen sorgen. So fordern die Leitlinien, dass an jedem Arbeitsplatz fließende Wasserstellen mit Flüssigseife und Einweg-Papiertüchern vorhanden sind. Daneben sollen hinreichend Desinfektionsmittel und Schutzmasken zur Verfügung stehen. Um sicherzustellen, dass Unternehmen auch Zugriff auf eine ausreichende Anzahl von Masken haben, verteilte die Armee am Freitag Schutzausrüstung an Arbeitgeber.


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Damit ist es freilich nicht getan, denn nicht alle Mitarbeiter wissen diese fachgerecht anzulegen. Daher empfehlen die Autoren der Leitlinien, in den Unternehmen Referenten einzusetzen, um die Bauarbeiter über den Umgang mit den Materialien und die Abstandsregeln zu schulen.

So hat Stugalux für Montag den ganzen Tag spezielle Schulungen für ihre Beschäftigten angesetzt. „Das reicht von der Frage, wie man Masken richtig anlegt, über Desinfektionsregeln bis hin zu Notfallplänen, wenn wir bei einem Mitarbeiter Fieber feststellen“, so Joel Schons, Chef von Stugalux. „Wir bereiten gerade für jeden Mitarbeiter ein ,Corona-Kit’ mit entsprechender Ausrüstung vor.“

Verkürzter „Congé collectif“

In der Summe führen die Schutzmaßnahmen laut Pol Faber zu weiteren Verzögerungen für die Firmen, die durch den verlorenen Monat ohnehin bei vielen Projekten in Verzug sind. Hier drohen oft Vertragsstrafen.


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Daher fordern die Arbeitgeber, dass der „Congé collectif“ in diesem Jahr verkürzt wird. „Für uns ist es wirklich unabdingbar, dass in diesen Krisenzeiten im Sommer gearbeitet werden muss. Wir sind dazu in Verhandlungen mit den Gewerkschaften, die sich aber im Moment recht schwierig darstellen“, so Faber.

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