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Nun werden Sie ohne PIN-Code bezahlen können
Wirtschaft 4 Min. 25.10.2015 Aus unserem online-Archiv
Kreditkarten der neusten Generation

Nun werden Sie ohne PIN-Code bezahlen können

Das Zahlen mit der „contactless“-Funktion wird vorerst ausschließlich per Visa- und Mastercard möglich sein. Auch die V-Pay Karten sollen aber bald mit dem neuen Chip ausgestattet werden.
Kreditkarten der neusten Generation

Nun werden Sie ohne PIN-Code bezahlen können

Das Zahlen mit der „contactless“-Funktion wird vorerst ausschließlich per Visa- und Mastercard möglich sein. Auch die V-Pay Karten sollen aber bald mit dem neuen Chip ausgestattet werden.
(FOTO: GERRY HUBERTY)
Wirtschaft 4 Min. 25.10.2015 Aus unserem online-Archiv
Kreditkarten der neusten Generation

Nun werden Sie ohne PIN-Code bezahlen können

Künftig werden Sie in Luxemburgs Geschäften „contactless“ bezahlen. Die Kreditkarte werden Sie nicht mehr in den Zahlterminal einschieben und bei kleinen Summen werden Sie nicht einmal mehr Ihr PIN-Code eingeben müssen. Sicherheitsbedenken haben die Banken dabei keine.

Von Laurence Bervard

Bezahlen mag eigentlich keiner. Und Warteschlangen an der Kasse auch nicht. Jetzt soll der Bezahlprozess viel einfacher und schneller gestaltet werden. Luxemburgs Bankkunden erhalten zur Zeit neue Kreditkarten, die mit einer Kontaktlos-Funktion und dem entsprechenden Wellen-Symbol ausgestattet sind. Dank Funktechnologie wird es dann möglich sein, die Karte in einem Geschäft im Abstand von wenigen Zentimetern an den Display des Zahlterminals an der Kasse zu halten, damit der richtige Betrag abgebucht wird. Einschieben muss man die Karte in das Lesegerät demnach nicht mehr. Die zu zahlende Summe erscheint auf dem Bildschirm – eine Bestätigung des Vorgangs erfolgt kurz danach.

Die luxemburgischen Banken haben sich laut eigenen Aussagen abgesprochen, diese Funktion ab November allen Visa- und Mastercardkunden anzubieten. Nur so könne eine Marktdurchdringung im kleinen Luxemburg garantiert werden. Die neue Kreditkarte mit dem entsprechenden „contactless“-Chip wird den Kunden automatisch zugeschickt, sobald die alte ausläuft.

Genau so sicher wie Karte mit PIN

Zudem werden Kunden bei kleinen Summen – weniger als 25 Euro – künftig auf das Eingeben des Geheimcodes verzichten könnten. Der Vorgang, der bei manchen Leuten sicherlich Skepsis auslösen wird, erscheint den Banken als sichere Lösung. „Das kontaktlose Bezahlen ist genauso sicher, wie das normale Bezahlen, wenn nicht sicherer“, erklärt Claude Hirtzig, beigeordneter Direktor der BCEE und Chef des Privatkundengeschäfts. „Der Kunde wird seine Kreditkarte nicht mehr aus der Hand geben müssen, was eine erhöhte Sicherheit bietet. Demnach muss er nicht befürchten, dass ein unehrlicher Geschäftsmann möglicherweise einen Abdruck der Karte machen könnte.“

Weltweit sind bereits mehr als 100 Millionen Kreditkarten mit der Kontaktlos-Funktion ausgestattet. Diese funktioniert über „Near Field Communication“ (NFC), eine Technologie die auf der Identifizierung von Radiofrequenzen basiert. Der „contactless“-Chip auf der Kreditkarte hat demnach eine integrierte Antenne, welche dem Lesegerät die Kartendaten überträgt. Der verschlüsselte Datenaustausch beschränkt sich auf die Kartennummer und das Ablaufdatum.

Der Verkäufer muss die Zahlung genau wie bisher freigeben, ungewollte Buchungen werden demnach ausgeschlossen. „Durch die beschränkte Distanz von wenigen Zentimetern ist es zudem auch nicht möglich, dass ein Betrag fälschlicherweise von anderen Karten abgebucht wird, die sich zufälligerweise in der Nähe befinden“, versichert Hirtzig. Außerdem wird eine doppelte Buchung verhindert, indem die Transaktion verschlüsselt wird. Die Karte generiert für jede Zahlung ein einzigartiges Kryptogramm. Aus Sicherheitsgründen muss der Kunde übrigens bei jeder kumulierten Summe von 100 Euro seinen PIN-Code eingeben. Auch wenn Missbräuche nicht ganz ausgeschlossen werden können, sind diese bei verlorenen oder gestohlenen Karten nur begrenzt möglich, so der Tenor der Banken.

Karten kosten Banken viel Geld

Für sie ist der finanzielle Aufwand der neuen Karten erheblich. Einerseits müssen Banken alle Karten austauschen. Andererseits ist das Herstellen der Karten mit dem entsprechenden NFC-Chip bedeutend teurer als davor. Der Kunde selbst soll davon nichts mitbekommen – die zusätzlichen Kosten zahlt die Bank. Demnach sollen auch die Kartengebühren nicht steigen, versichert Hirtzig.

Zudem werden in Luxemburg alle Zahlterminals in den Geschäften ersetzt. Dies erfolgt durch die Cetrel, welche für die Kartenabwicklung zuständig ist und die Lesegeräte an Geschäftsleute mietet oder verkauft. „Viele Geschäfte wurden bereits mit den Zahlterminals der neusten Generation ausgestattet. Bis Jahresende sollen es rund die Hälfte der Geschäfte im Land sein“, erklärt Stefanie Hüls, Executive Director der Cetrel. Mit dem Austausch der Geräte wurde bereits Anfang 2015 begonnen – einen Zuschlag mussten die Geschäftsleute dafür nicht zahlen. „Es ist so, dass wir den Geschäftsleuten, unseren Kunden also, diese Terminals vermieten und der Mietpreis ein zeitgemäßes Update der Lesegeräte enthält“, sagt Hüls.

Bevorzugt wurden anfänglich vor allem Supermärkte und neue Geschäfte, die zuvor noch keine Lesegeräte hatten. Bei dem Vorgang hat Cetrel inzwischen sichergestellt, dass sowohl große als auch kleine Geschäfte ausgestattet wurden und dieser Prozess auch flächendeckend erfolgte. „Es nützt nichts, wenn man ausschließlich in der Stadt mit den neuen Karten zahlen kann“, so Hüls. Abzuwarten bleibt, ob dieser Zahlungsprozess auch an allen Tankstellen möglich sein wird, da deren Terminals nicht bei der Cetrel gemietet werden.

Ein Schritt zur Cash-losen Gesellschaft

Die „contactless“-Funktion, die auf Anhieb als Gadget erscheint, ist eigentlich keiner, versichern die Banken. Nicht nur soll der Bezahlprozess nun schneller über die Bühne gehen, auch sollen dabei die lästige Münzen- und Bargeldsuche reduziert werden. Diese strapazieren nicht nur die Nerven der Kunden, sondern auch die des Kassierers.

Das sogenannte „Cash-handling“ ist nämlich sehr aufwendig und kostspielig. „Geschäftsmänner verlieren viel Zeit damit, jeden Abend ihre Kasse und das ganze Kleingeld darin zu zählen“, so Hirtzig. „Das Geld bringen sie dann abends zur Bank, wo wir alles noch einmal einzeln nachzählen müssen. Diese Dienstleistung berechnen wir natürlich.“ Die Rechnung wird dann nicht nur für den Geschäftsmann sondern auch für die Bank recht teuer. „Alles was dazu beiträgt, Bargeld zu reduzieren, spielt den Banken in die Karten“, so Claude Hirtzig der BCEE. „Cash-Handling bedeutet für die Banken immer sehr hohe Ausgaben.“


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