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Neues Gesetz : Französische Versichterte flüchten nach Luxemburg

Neues Gesetz : Französische Versichterte flüchten nach Luxemburg

Foto: Jean-Paul Engeldinger
Wirtschaft 18.02.2017

Neues Gesetz : Französische Versichterte flüchten nach Luxemburg

Eine Änderung im französischen Recht sorgt für reichlich Verunsicherung bei Besitzern von Lebensversicherungen und führte bereits zu massiven Transfers von Versicherungen nach Luxemburg.

(M.G.) - Ende letzten Jahres wurde in Frankreich ein Gesetz verabschiedet, das für Verunsicherung unter Besitzern einer Lebensversicherung geführt hat. Konkret erlaubt das sogenannte Gesetz „Sapin 2“ dem französischen Finanzstabilitätsausschuss, die Auszahlungen von Lebensversicherungen an die Versicherungsnehmer eine Zeit lang aufzuschieben oder zu begrenzen. Das war bisher nur in Einzelfällen möglich. Ziel dieser Gesetzesänderung ist ein verbesserter Schutz des Finanzsystems.

Bei aktuell tiefen Zinssätzen besteht das Risiko einer Welle von Auszahlungen, sollten die Zinssätze plötzlich stark ansteigen. Solch signifikante Kapitalabflüsse könnten das Überleben einiger Versicherungsunternehmen und damit auch die Einlagen der Versicherten gefährden. Kritiker werfen der französischen Regierung jedoch vor, dass sie den Menschen ihr Vorha-
ben nicht ausreichend oder gar schlecht erklärt hätte.

Das sorgte für allgemeine Verunsicherung bei den Kunden und soll laut Les Echos dazu geführt haben, dass eine Vielzahl an Versicherten ihre Police nach Luxemburg übertrugen.

Lebensversicherungen sind 
das Spezialgebiet Luxemburgs

Das Großherzogtum lockt traditionell viele ausländische Kunden an. Die größten französischen Versicherungsunternehmen, wie La Mondiale, Société Générale, Crédit Agricole oder Natixis, sind bereits seit Jahren im Großherzogtum vertreten. Wie Marc Hengen, Vorsitzender der Vereinigung Luxemburger Versicherungsunternehmen, erklärt, seien die meisten ausländischen Kunden aus Frankreich. Das sei aber nicht neu.

Die große Spezialität der Luxemburger Versicherungsanbieter sind Lebensversicherungen zur Vermögensverwaltung, so Marc Hengen. In diese Versicherungen zahlen die Kunden einmalig ein und können selbst bestimmen, wie das Geld investiert werden soll. Luxemburg bietet eine besonders große Auswahl an Investitionsmöglichkeiten, so Hengen weiter.

Ein weiterer großer Vorteil für Kunden in Luxemburg ist das sogenannte „Super-Privileg“. Das bedeutet, dass, im Falle einer Insolvenz der Versicherungsfirma, die Ansprüche der Versicherungsnehmer im Falle einer Insolvenz Vorrang haben gegenüber allen anderen Gläubigern, wie das üblicherweise der Fall wäre.

Blockierung von Geldern auch
in Luxemburg möglich

Allgemein wird der Versicherungsvertrag zwischen vier Parteien abgeschlossen: dem Versicherungsnehmer, dem Versicherten, dem Begünstigten sowie der Versicherung. Auf diesem Weg können Lebensversicherungen genutzt werden, um Erbschaften zu regeln. Daher sei dies auch eines 
der beliebtesten Investitionsmittel, erklärt Marc Hengen.

In Luxemburg kann die Aufsichtsbehörde in Notsituationen ähnliche Maßnahmen wie in Frankreich beschließen und Auszahlungen von Versicherungen eingrenzen.


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