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Neuer Betreiber, neue Marke: Zweiter Frühling für Hotel Alfa
Wirtschaft 5 Min. 20.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Neuer Betreiber, neue Marke: Zweiter Frühling für Hotel Alfa

Das Gebäude, das 1930 im Art-Déco-Stil errichtet wurde, war immer ein Hotel. Seit zwei Jahren steht es leer.

Neuer Betreiber, neue Marke: Zweiter Frühling für Hotel Alfa

Das Gebäude, das 1930 im Art-Déco-Stil errichtet wurde, war immer ein Hotel. Seit zwei Jahren steht es leer.
Foto: Anouk Antony
Wirtschaft 5 Min. 20.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Neuer Betreiber, neue Marke: Zweiter Frühling für Hotel Alfa

Marco MENG
Marco MENG
Das ehemalige Mercure wird 2021 als Marriott wiedereröffnet. Damit wird die weltgrößte Hotelkette künftig in Luxemburg vertreten sein.

2021 soll das Hotel Alfa im Luxemburger Bahnhofsviertel wieder öffnen. Diesmal unter der Marke Marriott und mit anderer Managementgesellschaft.

„Im Moment wird das Gebäude komplett geräumt und dann kernsaniert“, sagt Sam Rollinger. Bislang läuft alles nach Plan; im Frühjahr 2020 wird dann mit der Renovierung begonnen. „Danach dauert es noch auf jeden Fall anderthalb Jahre, bis das Gebäude wieder ein Hotel ist.“ 

Die Eröffnung ist für die zweite Jahreshälfte 2021 geplant. Neue Teppiche, neue Möbel, neue Fliesen, neue Badezimmergarnituren: Rollinger hat dazu einen Innenarchitekten beauftragt, der spezialisiert ist auf Hotels und auch die Standards kennt, die Marriott vorgibt. 

Noch wird das Gebäude leergeräumt: In Abstimmung mit der Hotelkette Marriott entsteht das neue Interieur.
Noch wird das Gebäude leergeräumt: In Abstimmung mit der Hotelkette Marriott entsteht das neue Interieur.
Foto: Anouk Antony

Zusammen mit drei Partnern hat Rollinger für das Gebäude einen Mietvertrag über 20 Jahre abgeschlossen mit der Option der Verlängerung. 

Der Management-Vertrag mit der internationalen Hotelgruppe Marriott läuft ebenfalls über diesen Zeitraum. 

Neue Betreibergesellschaft 

Die Anfang des Jahres gegründete neue Betreibergesellschaft heißt „Luxembourg Hotel Management S.A.“ und besteht neben Sam Rollinger selbst aus dem Luxemburger Unternehmer Camille Koener, dem belgischen Finanzier Yves de Vos, sowie dem Schweizer Hotelier Beat Sigg

Neue Teppiche, neue Möbel, neue Badezimmergarnituren: Das alte Interieur muss raus.
Neue Teppiche, neue Möbel, neue Badezimmergarnituren: Das alte Interieur muss raus.
Foto: Sam Rollinger

„Wir sind ein Team aus vier Fachleuten aus verschiedenen Bereichen“, erklärt Rollinger dazu. „Alle Experten in ihrem Bereich mit über 30 Jahren Berufserfahrung.“ 

Jeder der Partner ist mit einem Viertel an der Hotelgesellschaft beteiligt. Die Investition in die Renovierung ist nicht unerheblich und beläuft sich auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag

Marriott selbst beteiligt sich nicht direkt daran, allerdings indirekt mit einigen Sicherheiten. 

Damit es keine Zimmer „von der Stange“ sind, können die Hotelbetreiber in Abstimmung mit Marriott über das Design entscheiden. So können sich Geschichte und Kultur des Ortes, an dem sich das Hotel befindet, darin widerspiegeln. 

Aus dem ehemaligen Alfa Mercure wird mit neuer Hotelleitung ein Alfa Marriott.
Aus dem ehemaligen Alfa Mercure wird mit neuer Hotelleitung ein Alfa Marriott.
Foto: Anouk Antony

Marriott gibt die Markenstandards für die Raumgestaltung einschließlich der bevorzugten Lieferanten vor und die einzelnen Hotelbetreiber fügen in der Regel lokale Akzente hinzu. 

Nach dem Abriss des alten Interieurs ist man nun bald mit der Planungsphase fertig, sodass im Frühjahr der Umbau beginnen kann. „Wir arbeiten sehr eng mit Marriott zusammen“, sagt Rollinger, „damit wir ein Hotel schaffen, das unseren Standort am Bahnhof sowie die Geschichte widerspiegelt, auf der anderen Seite aber auch dem internationalen Marriott-Kunden gefällt.“ 

Zuerst wird nun ein Hotelzimmer komplett fertiggestellt, das Anfang kommendes Jahr von Marriott abgenommen werden muss. „Das ist auch gut für uns, denn falls wir etwas ändern müssen, lässt sich das leicht machen. Müsste man alle 150 Zimmer ändern, wäre das sehr kostspielig“, erläutert Rollinger.

Historisches Gebäude 

Das Gebäude, das 1930 im Art-Déco-Stil errichtet wurde, verziert mit großen Wandmalereien im Innern, die mit dem Stahlarbeiter aus der Minette, der Festung Luxemburg, Moselweinberge und Wälder im Ösling eine Allegorie des Landes darstellen, war von Anfang an ein Hotel. 

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges diente das damalige Grand Hotel als Hauptquartier für die US-Generäle Omar Bradley und George Patton. Zeitweilig residierte hier auch der spätere US-Präsident Dwight D. Eisenhower, der als Oberbefehlshaber die Landung der alliierten Streitkräfte in der Normandie geleitet hatte. 

Foto: Sam Rollinger

Die denkmalgeschützte Immobilie gegenüber des hauptstädtischen Bahnhofs gehört den einst von Nicinvest – der Investmentgesellschaft des Luxemburger Investors und Vater von Sam Rollinger, Nico Rollinger – gegründeten Unternehmen Alfa Gestion und Alfa Place de la Gare. 

Mehrheitseigner mit jeweils 90 Prozent ist bei beiden Gesellschaften inzwischen die ursprünglich in Liechtenstein und heute in Luxemburg eingetragene Holding Trican. 

Die Beteiligungsgesellschaft mit Schweizer Investoren sei langfristig an diesem Projekt in Luxemburg interessiert, so der Schweizer Rechtsanwalt Werner Würgler, der Trican vertritt: „Und wir investieren weiter in Luxemburg“, so Würgler. 

Die Luxembourg Hotel Management S.A. hat das historische Gebäude 16, Place de la Gare gemietet und wird auch ab 2021 das neue „Luxembourg Marriott Hotel Alfa“ betreiben. 

2017 hatte der Vormieter der Immobilie, die Hotelbetreibergesellschaft Alfa Hotel S.à r.l. des Immobilienmaklers Rolphe Reding, Konkurs angemeldet, knapp 80 Mitarbeiter waren betroffen. Das Insolvenzverfahren läuft noch. 

Millioneninvestition: Anfang 2020 wird mit den Renovierungen begonnen.
Millioneninvestition: Anfang 2020 wird mit den Renovierungen begonnen.
Foto: Sam Rollinger

Zuvor hatte der Accorhotels-Konzern, dem die Marke „Mercure“ gehört, den Vertrag mit Redings Betreibergesellschaft gekündigt. 1982 gegründet hatte Redings Firma trotz positivem Ergebnis im Hotelbetrieb in den letzten Jahren unter dem Strich nur Verluste ausgewiesen. Im Geschäftsjahr 2015 war es ein Fehlbetrag von fast neun Millionen Euro. Ein Millionenbetrag an Mietzahlungen soll noch ausstehen. 

„Nichtsdestotrotz sind wir sicher“, sagt Rollinger, „dass mit Umbau und der Partnerschaft mit Marriott wir viel profitabler sein werden.“ 

Marriott erstmals in Luxemburg 

Mit dem traditionsreichen ehemaligen Alfa-Hotel fasst Marriott erstmals im Großherzogtum Fuß. Nicht, dass das Land bislang nicht interessant für die inzwischen größte Hotelgruppe der Welt gewesen wäre. 


16.3. Gare / Fermeture Hotel Alfa , Gare / Logo Accor wurden bereits entfernt , geschlossene Türen / Hotel u. Brasserie Foto:Guy Jallay
Lebenszeichen aus dem Grand Hotel Alfa
Seit mehr als einem Jahr steht das Gebäude gegenüber dem hauptstädtischen Bahnhof verlassen wie ein Geisterhaus. Jetzt prangen Schilder eines Renovierungsunternehmens an der historischen Fassade.

„Luxemburg ist eines der wenigen bedeutenden Länder, in denen Marriott International nicht vertreten ist“, sagt Annabel van Wonderen, Sprecherin des Unternehmens. 

Seit mindestens zehn Jahren habe die Hotelkette in den Markt einsteigen wollen, aber erst jetzt wurde es mit dem „richtigen Projekt“ möglich. 

Welche Einnahmen sich Marriott in Luxemburg verspricht, dazu gibt der Konzern keine Auskunft. 2018 gab es 228 Hotels und Pensionen mit 7 472 Zimmern im Land. 1,7 Millionen Übernachtungen wurden registriert. Damit nahm die Branche rund 220 Millionen Euro ein. 

Zu Marriott gehören in 130 Ländern mittlerweile 30 Hotelmarken, darunter auch die Sheraton- und Starwood-Hotels sowie das Ritz-Carlton. Mit einem Umsatz von rund 20,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2018 und rund 7.000 Hotels mit zusammen über 1,3 Millionen Zimmern ist der US-Konzern damit die größte Hotelgruppe weltweit

Hotelketten wie Marriott managen Hotels selbst, sind in den letzten Jahren aber zunehmend dazu übergegangen, das Hotelmanagement an andere Gesellschaften über Franchising (Nutzung des Geschäftskonzepts) oder Nutzung der Marke auf Lizenzbasis auszulagern. 

Sie berechnen dazu eine Lizenzgebühr in Höhe eines bestimmten Prozentsatzes vom Netto-Gesamtumsatz für die Nutzung der Marke, hinzu kommen vielfach andere Nutzungsgebühren, zum Beispiel für die Hotelsoftware. Mit Lizenz- und Franchise-Gebühren nahm Marriott im letzten Jahr 3,6 Milliarden US-Dollar ein.


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