Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Neue Wirtschaftsförderung: Gezielt, effizient und nachhaltig
Wirtschaft 3 Min. 28.02.2017

Neue Wirtschaftsförderung: Gezielt, effizient und nachhaltig

Etienne Schneider will Luxemburger Unternehmen in der Lieferkette von großen internationalen Firmen besser positionieren.

Neue Wirtschaftsförderung: Gezielt, effizient und nachhaltig

Etienne Schneider will Luxemburger Unternehmen in der Lieferkette von großen internationalen Firmen besser positionieren.
(Foto: Gerry Huberty)
Wirtschaft 3 Min. 28.02.2017

Neue Wirtschaftsförderung: Gezielt, effizient und nachhaltig

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Gezielt, wirksam und nachhaltig soll die Wirtschaftsförderung in Zukunft sein. Um diese Ziele zu erreichen, ist in den vergangenen Monaten an einer neuen Strategie gearbeitet worden, deren Grundzüge Wirtschaftsminister Etienne Schneider am Dienstag vorgestellt hat.

(ndp) - „Schon vor gut einem Jahr sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass die bisherige Strategie der Wirtschaftsförderung nur suboptimal funktionierte“, betont Etienne Schneider in seiner Eigenschaft als Präsident des „Luxembourg Trade and Investment Board“. Die neue Organisationsstruktur, in der verschiedene Wirtschaftsverbände und Ministerien vertreten sind, habe sich deshalb die Zeit genommen, der Wirtschaftsförderung eine neue Ausrichtung zu geben.

Die erste Zielsetzung besteht nun darin, ausländische Märkte für Luxemburger Unternehmen deutlich besser zu erschließen. Dies geschieht unter anderem über eine aktive und gezielte Marktforschung, „die den Luxemburger Unternehmen zur Verfügung gestellt wird, damit sie einen weitaus besseren Einblick in die zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten und Potenziale ihrer Branche erhalten können“, so Etienne Schneider.

Gleichzeitig soll versucht werden, „unsere Betriebe in der Lieferkette von großen internationalen Firmen zu positionieren“. Als Beispiel nennt der Wirtschaftsminister den europäischen Flugzeugbauer Airbus, der auch den Luxemburger Staat zu seinen Kunden zählt. „Parallel zu unseren Bestellungen (Flugzeug, Satellit) wollen wir Verhandlungen aufnehmen, damit das europäische Unternehmen als Gegenleistung mit luxemburgischen Unternehmen zusammenarbeitet, wie etwa Hitec, Eurocomposites, usw...“ In diesem Sinne werde der Minister demnächst nach Paris fahren „um ein Gespräch mit Airbus zu führen“.

Von A Bis Z betreuen

Ein zweites wichtiges Ziel der Wirtschaftsförderung ist die Ansiedlung ausländischer Unternehmen und Investoren gezielter und „service-orientiert“ zu fördern. Konkret soll deshalb der Aufbau von Marktkenntnissen („market intelligence“) gestärkt werden, „der ganz klar festlegt, welche Firmen es anzulocken gilt, welche genau zu unserer Zielsetzung passen.“ Das entspricht vor allem der Idee der nachhaltigen Entwicklung in Luxemburg. „In Zukunft wird es nicht darum gehen, möglichst viele Unternehmen egal wo und möglichst schnell anzulocken, sondern es kommt vielmehr darauf an, den langfristigen Mehrwert eines Unternehmens für die Wirtschaft des Landes zu erfassen.“

Weg also vom „Gießkannenprinzip“, hin zu einer gezielten Wirtschaftsförderung. Um dies zu ermöglichen, brauche Luxemburg eine „Investor-Care-Plattform“, welche die ausländischen Unternehmen „vertrauensvoll bei der Hand nehme“ und "eine Betreuung von A bis Z" ermögliche. „Es reicht nicht, um die Welt zu reisen um Luxemburgs außergewöhnliche Vorteile zu verkaufen, wenn am selben Tag ein Unternehmen in Luxemburg landet und überhaupt nicht weiß, an wen es sich wenden soll.“

Internationales Netzwerk überprüfen

Um die potenziellen Investoren bei ihren administrativen Schritten zu unterstützen, verfügt Luxemburg über ein internationales Netz von Beratern im Bereich Außenhandel. Dieses Netzwerk besteht unter anderem aus den Luxembourg Trade and Investment Offices (LTIO) sowie den diplomatischen und konsularischen Vertretungen. Diese sollen künftig besser in der Wirtschaftsförderungsstrategie eingebunden werden. „Es ist ihnen wichtig, besser zu verstehen, welche Unternehmen es zu fördern gilt, welche Betriebe verstärkt angesprochen werden können“. Demnach soll auch gründlich geprüft werden, inwiefern das Netzwerk der LTIO den neuen Gegebenheiten angepasst werden kann.

Der vierte Schwerpunkt setzt sich mit dem „Nation Branding“ des Landes auseinander. Die von der Staatssekretärin Francine Closener eingeleitete Strategie soll nun auch im Wirtschaftsbereich umgesetzt werden. Ein koordiniertes Vorgehen in den Schwerpunktländern und eine Kommunikationsstrategie in den sozialen Netzwerken soll ebenfalls gewährleistet werden. „Wir wollen ein Standort sein, wo man Hochleistungsbusiness machen und Industrieaktivitäten ansiedeln kann“, so Etienne Schneider.

Bewertung durch Indikatoren

Schließlich wird einen großen Wert auf eine kohärente und angemessene Zusammenarbeit aller Akteure in der Wirtschaftsförderung angestrebt. „Wir müssen die Bedürfnisse der Luxemburger Firmen durch einen regelmäßigen Austausch aller Akteure besser erfassen“.

Wichtig auch: Indikatoren zu erstellen, um die Wirtschaftsförderung bewerten zu können. „Wir werden eine Reihe von Indikatoren entwickeln, anhand derer die Fortschritte in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaftsförderung gemessen werden können", unterstreicht Etienne Schneider. Es gilt Verhältnisse zu beobachten, über Erfolge und Misserfolge nachzudenken, und wo nötig zu korrigieren.

Die am „Luxembourg Trade and Investment Board“ beteiligten Verbände - Fedil, Luxinnovation, Handelskammer, Handwerkskammer - begrüßen die neue Strategie, die die "Luxemburger Unternehmen in den Mittelpunkt stellt" und "dem Ziel der Nachhaltigkeit Rechnung trägt".


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Unternehmer arbeiten zusammen: Kooperation statt Konkurrenz
Unternehmen stehen im ständigen Wettbewerb zueinander. Oft lohnt es sich für Unternehmen, zusammen ein Projekt zu stemmen. Forscherin Christina Constantinidis erklärt, was sich hinter dem Schlagwort „kollaboratives Unternehmertum“ versteckt.
Gerade Unternehmerinnen arbeiten in Luxemburg oft zusammen, erklärt die Forscherin Christina Constantinidis.
Europäischer Binnenmarkt: Bürokratische Hindernisse abbauen
Luxemburger Betriebe sind im grenznahen Ausland tätig, ausländische Betriebe in Luxemburg. Das ist gängige Praxis. Doch national unterschiedliche Bestimmungen machen den Betrieben das Leben schwer. Die Luxemburger Handwerkskammer fordert einen Abbau bürokratischer Hürden.
Ein Drittel der kleinen und mittleren Luxemburger Betriebe ist im grenznahen Ausland tätig und generiert dort im Schnitt 20 Prozent des Umsatzes.
Hidden Champions: Versteckte Jobmaschinen
Ein einflussreicher „management thinker“ und Beratungsunternehmer, Prof. Dr. Hermann Simon erklärt, dass es in Luxemburg für Firmen viel Potenzial gibt, zum Weltmarktführer zu werden.
Der Standort 
Luxemburg bietet für „Hidden
Champions“ so manche Vorteile, erklärt Prof. Dr. Simon.