Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Neue Öl-Sanktionen gegen Russland gelten
Wirtschaft 3 Min. 05.12.2022
Preisdeckel

Neue Öl-Sanktionen gegen Russland gelten

Die EU will russische Öl-Einnahmen drücken und die Finanzierung des Kriegs in der Ukraine erschweren.
Preisdeckel

Neue Öl-Sanktionen gegen Russland gelten

Die EU will russische Öl-Einnahmen drücken und die Finanzierung des Kriegs in der Ukraine erschweren.
Foto: AFP
Wirtschaft 3 Min. 05.12.2022
Preisdeckel

Neue Öl-Sanktionen gegen Russland gelten

Mit neuen Sanktionen gegen Russland greifen EU und G7 von diesem Montag an radikal in den Markt ein. Profitieren sollen Verbraucher auf der ganzen Welt.

(dpa) – Rohöl aus Russland darf von diesem Montag an nur noch in Ausnahmefällen in die EU importiert werden. Grundlage der Einfuhrbeschränkung ist eine im Juni von den 27 Mitgliedstaaten beschlossene Sanktionsverordnung wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Sie trat bereits kurz nach dem Beschluss in Kraft, sah aber für das Öl-Embargo Übergangsfristen vor.

Ebenfalls ab Montag gilt eine Regelung, die Russland dazu zwingen soll, Erdöl künftig für höchstens 60 US-Dollar pro Barrel an Abnehmer in anderen Staaten zu verkaufen. Der Preis von umgerechnet etwa 57 Euro pro 159 Liter wird dann um bis zu 9 Euro unter dem jüngsten Marktpreis für russisches Rohöl der Sorte Urals liegen.


European Commission President Ursula von der Leyen holds a press conference at the EU headquarters in Brussels, on September 28, 2022. - The EU is proposing a new sanctions package against Russia, including an oil price cap, in response to the ongoing conflict in Ukraine and the recent referendum in occupied territories which President Ursula von der leyen qualified as a "sham". (Photo by Kenzo TRIBOUILLARD / AFP)
Brüssel zögert beim EU-Gaspreisdeckel
EU-Kommission stellt ein neues Maßnahmenpaket vor, um die Energiepreise zu senken.

Am Montag wurde europäisches und amerikanisches Rohöl deutlich teurer gehandelt: So kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent am Mittag 87,30 Dollar. Das waren 1,73 Dollar mehr als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,68 Dollar auf 81,66 Dollar.

Verlust von 200 Millionen Euro

Beide Maßnahmen der EU sollen dazu beitragen, die russischen Handelsgewinne zu begrenzen und dadurch auch Russlands Fähigkeiten zur Kriegsführung einschränken. Nach Angaben eines EU-Beamten sind von dem Embargo rund drei Millionen Barrel Rohöl pro Tag betroffen. Bei einem langfristigen Durchschnittspreis von 70 Dollar (67 Euro) pro Barrel würden Russland damit pro Tag Erlöse in Höhe von etwa 210 Millionen Dollar (200 Millionen Euro) entgehen. Dass die Ölmenge komplett an andere Abnehmer verkauft werden kann, gilt als ausgeschlossen.

Deutschland will den Bezug von russischem Rohöl spätestens Ende des Jahres stoppen. Bis dahin nimmt es eine Ausnahmeregelung in Anspruch, die für EU-Staaten gilt, die aufgrund ihrer geografischen Lage in besonderem Maße von Pipeline-Öl aus Russland abhängig waren und die Importe nicht so schnell ersetzen können. In der Bundesrepublik profitiert davon insbesondere die PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt. Sie wird bisher mit russischem Öl aus der Druschba-Pipeline versorgt, das nun ersetzt werden muss.

Bislang ohne Zeitbeschränkung wollen zunächst die Länder Ungarn, Tschechien und die Slowakei die Ausnahmeregelung in Anspruch nehmen. Weitere Ausnahmen gibt es für Bulgarien mit Hinblick auf die Einfuhr von russischem Rohöl, das auf dem Seeweg transportiert wird, sowie für Kroatien mit Hinblick auf Vakuum-Gasöl. Ein Embargo für Erzeugnisse aus Erdöl wird für alle anderen ab dem 5. Februar 2023 gelten.


ARCHIV - 09.03.2022, Hamburg: ILLUSTRATION - Eine Frau dreht an einem Heizungsthermostat. (zu dpa: «Speicherverband: Ohne Extremkälte kommt Deutschland gut durch Winter») Foto: Marcus Brandt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Brüssel will den Preis an der Gasbörse deckeln
Die EU-Kommission legt ein Konzept für einen Maximalpreis für Erdgas vor - es wäre eine vorübergehende Maßnahme für Großkunden.

Um die Preisobergrenze für russische Ölexporte in Nicht-EU-Länder durchzusetzen, wurde beschlossen, dass für russische Ölexporte wichtige Dienstleistungen künftig nur noch dann ungestraft geleistet werden dürfen, wenn der Preis des exportierten Öls die Preisobergrenze nicht überschreitet. Westliche Reedereien können mit ihren Schiffen damit weiterhin russisches Öl in Länder wie Indien, China oder Ägypten transportieren. Auch gilt die Regelung für andere wichtige Dienstleistungen wie Versicherungen, technische Hilfe sowie Finanzierungs- und Vermittlungsdienste.

Die Hoffnung ist, dass die Preisobergrenze zu einer Entspannung an den Energiemärkten führt und auch Drittländer entlastet. Zudem soll damit auch dafür gesorgt werden, dass Russland nicht mehr von Preisanstiegen für Öl profitieren und damit seine Kriegskasse füllen kann. So machten Einnahmen aus dem Öl- und Gasverkauf nach Angaben der Internationalen Energieagentur im vergangenen Jahr bis zu 45 des russischen Staatshaushaltes aus. Der Anteil von Öl an den gesamten Exporterlösen zugunsten des Staatshaushaltes lag nach Angaben von EU-Beamten bei rund 37 Prozent.

Russland erkennt westlichen Ölpreisdeckel nicht an

Der Kreml hat seine Ablehnung des von westlichen Staaten eingeführten Preisdeckels für russisches Öl bekräftigt. „Wir werden keine Obergrenzen anerkennen“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. 


20.10.2022, Berlin: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nimmt an der Sitzung des Bundestags nach der Regierungserklärung zum Europäischen Rat teil. Foto: Kay Nietfeld/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Noch einmal Berliner Streit um die Energie
Im Bundestag verspricht Bundeskanzler Olaf Scholz Preisdeckel für Gas und Strom, die Opposition aber wirft ihm Bummelei vor.

Moskau bereite Gegenmaßnahmen vor. Peskow nannte die von der EU beschlossene Strafmaßnahme, der sich auch die G7 und Australien angeschlossen haben, einen „Schritt in Richtung der Destabilisierung der internationalen Energiemärkte“. Er betonte zudem, dass Russland seinen Krieg gegen die Ukraine trotzdem weiter finanzieren könne.    


Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema