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Neue EU-Regeln: Für Betrüger wird es schwerer
Wirtschaft 3 Min. 01.09.2020 Aus unserem online-Archiv

Neue EU-Regeln: Für Betrüger wird es schwerer

Nicht nur auf dem Prüfstand: Seit 2018 ist ein Abgastest im Straßenverkehr vorgeschrieben.

Neue EU-Regeln: Für Betrüger wird es schwerer

Nicht nur auf dem Prüfstand: Seit 2018 ist ein Abgastest im Straßenverkehr vorgeschrieben.
Foto: dpa
Wirtschaft 3 Min. 01.09.2020 Aus unserem online-Archiv

Neue EU-Regeln: Für Betrüger wird es schwerer

Marco MENG
Marco MENG
Bei der Betriebsgenehmigung von neuen Fahrzeugmodellen und Komponenten gelten nun schärfere Vorschriften. Brüssel kann fortan selbst Rückrufaktionen starten.

Seit Dienstag gelten strengere EU-Vorgaben zur sogenannten Typgenehmigung von Fahrzeugen. Die 2018 reformierte Kfz-Typenzulassungsverordnung der EU wird damit in jedem Land verpflichtend.

Neue Modelle sollen demnach vor der Zulassung für den europäischen Markt strikter überprüft werden. Zudem soll es erstmals später Stichproben geben, ob zum Verkauf angebotene Autos die Vorschriften tatsächlich einhalten. Bei Verstößen kann die EU-Kommission Rückrufe starten und im Extremfall drastische Strafen von bis zu 30.000 Euro pro Fahrzeug verhängen.

Damit will die EU-Kommission einen Betrug mit Abgaswerten, wie er 2015 die Autowelt erschütterte, künftig unterbinden. Damals war bekannt geworden, dass Volkswagen in Diesel-Modellen Abgastests mit einer speziellen Software manipuliert hatte. So hielten Autos nur auf dem Prüfstand Stickoxid-Grenzwerte ein, nicht aber im Straßenverkehr.


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Neben Fahrzeugen des Volkswagen-Konzerns wurde dann auch bei anderen Hersteller-Modellen entdeckt, dass sie im Straßenverkehr höhere NOx-Werte aufwiesen als auf dem Prüfstand im Labor. „In der Vergangenheit wurden durch die Mitgliedstaaten praktisch keine Kontrollen zur Marktüberwachung durchgeführt, was dazu führte, dass einige Hersteller die Vorschriften nicht einhielten“, so die EU-Kommission dazu. 

Seit 2017 dürfen NOx-Werte bei Labor- und Straßentests nur noch begrenzt voneinander abweichen, und seit dem 1. September 2017 galt für Neuwagen zunächst die Abgasnorm Euro 6d-Temp. Bevor die Fahrzeugtypen ihre Zulassung erhalten, muss im Gegensatz zu früher heute ein echter Fahrtest auf der Straße (RDE, Real Driving Emission) mit mobilem Messgerät durchgeführt werden.

Auch nach der Typengenehmigung wird nun geprüft

Typgenehmigung heißt: Will ein Autobauer ein neues Modell in der EU auf den Markt bringen, lässt er Prototypen vorab in einem EU-Land durchprüfen und sich die Einhaltung aller Vorschriften bescheinigen. Hat er alle Stempel, darf das Modell in der ganzen EU verkauft werden. Eigens dazu von Behörden zugelassene technische Dienstleister testen mit einer sogenannten „Homologisierung“, ob die Autos mit allen geltenden Normen, Sicherheits- und Umweltvorschriften übereinstimmen.

In Deutschland machen das zum Beispiel Tüv, Dekra oder GTÜ, in Luxemburg der seit neustem zu GTÜ gehörende technische Dienst zur Zertifizierung von Kraftfahrzeugen und deren Komponenten in Wecker, Ateel. 

Durch das Inkrafttreten der neuen Rahmenverordnung sei sowohl die Überwachung der Produktion der Fahrzeughersteller geschärft als auch das Thema Marktüberwachung für Personenkraftwagen, Nutzfahrzeuge und Anhänger ins Leben gerufen, erklärt Heiko Görres, Head of Technical Service, Vehicle Certification, bei Ateel. „Weiterhin wurden die Anforderungen betreffend die Kompetenz und Unparteilichkeit an die Stellen, die die technischen Prüfungen der Fahrzeuge durchführen, angehoben“, so Görres. Die Homologisierungs-Stellen sollen künftig regelmäßig und unabhängig überwacht werden, auch durch EU-Kommission und Experten aus anderen EU-Staaten.


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Mit der neuen Regelung wird nach Angaben der EU-Kommission an drei Stellen nachgeschärft. So müssen EU-Staaten erstmals auch nach der Typgenehmigung Autos im Regelbetrieb überprüfen, und zwar mindestens eines von 40.000 Autos. Die EU-Kommission kann solche Prüfungen auch selbst vornehmen lassen. Die Brüsseler Behörde kann zudem EU-weite Rückrufaktionen starten. Und sie kann die genannten Geldstrafen verhängen, falls ein EU-Staat bei nachgewiesenen Regelverstößen nicht gegen Hersteller einschreitet.

Auch soll die Unabhängigkeit der Stellen gestärkt werden, die die neuen Fahrzeugtypen prüfen, bevor sie auf den Markt kommen. Die Brüsseler Behörde bekommt zudem neue Rechte, Fahrzeuge selbst zu prüfen und die EU-Staaten bei Verstößen zu Strafen zu drängen.

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