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Neue Airbus-Flieger und der Kampfjet der Zukunft
Wirtschaft 11 4 Min. 17.06.2019

Neue Airbus-Flieger und der Kampfjet der Zukunft

Der Airbus A350-1000 überflog während der Eröffnung das Flugfeld.

Neue Airbus-Flieger und der Kampfjet der Zukunft

Der Airbus A350-1000 überflog während der Eröffnung das Flugfeld.
AFP
Wirtschaft 11 4 Min. 17.06.2019

Neue Airbus-Flieger und der Kampfjet der Zukunft

Auf der weltgrößten Luftfahrtmesse in Le Bourget gaben Deutschland, Frankreich und Spanien den Startschuss zur Entwicklung des "Luftkampfsystems der Zukunft".

(dpa) - Am Montag begann in Le Bourget bei Paris mit dem Fachbesuchertag die weltgrößte Luftfahrtmesse. Auf dem traditionsreichen „Salon aéronautique“ werden traditionell nicht nur die neuesten Produkte aus der zivilen Luftfahrt gezeigt, sondern auch Militärtechnik präsentiert.

So unterzeichneten die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit ihrer französischen Kollegin Florence Parly und ihrer spanischen Kollegin Margarita Robles am Montagmorgen die Verträge für das milliardenschwere Rüstungsvorhaben eines europäischen Kampfjets. Bei dem sogenannten Luftkampfsystem der Zukunft (FCAS) wollen Deutschland, Frankreich und Spanien mitziehen.


(FILES) In this file photo taken on March 22, 2019, a Boeing 737 MAX 9 test plane is pictured at Boeing Field in Seattle, Washington. - Under growing scrutiny from investors and regulators, embattled US aerospace giant Boeing will have a chance this week to reset the narrative as it aims to pivot from two deadly crashes that have grounded a top-selling plane.The company will report earnings on April 24, 2019 for the first time since a deadly March 10 plane crash plunged the company into crisis-mode. (Photo by STEPHEN BRASHEAR / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / AFP)
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Das System soll von 2040 an einsatzfähig sein - am Ende soll es nicht nur einen einzelnen Kampfflieger der neuen Generation geben, sondern auch ein Gesamtsystem, das Drohnen oder Satelliten steuern kann. Zum Messestart werden auch der französische Staatschef Emmanuel Macron, die französische Verteidigungsministerin Florence Parly und ihre spanische Kollegin Margarita Robles erwartet.

Bei der Messe war erstmals ein Modell des Kampfflugzeugs zu sehen. Für die Entwicklung des Systemverbundes werden laut Experten schätzungsweise acht Milliarden Euro fällig. Für Beschaffung und Betrieb werden Ausgaben von 100 Milliarden Euro genannt.

Ein Modell des zukünftigen gemeinsamen europäischen Kampfjets FCAS.
Ein Modell des zukünftigen gemeinsamen europäischen Kampfjets FCAS.
Foto: AFP

Insbesondere für Macron ist das riesige grenzüberschreitende Vorhaben ein wichtiger Meilenstein. Denn der 41 Jahre alte Staatschef tritt schon seit längerem für eine „echte europäische Armee“ ein, um unabhängiger von dem großen Partner USA zu werden. Macron erntete deswegen bereits mehrfach Kritik von seinem US-Kollegen Donald Trump.

Deutschland und Frankreich können bei der Kampfjet-Zeremonie auch zeigen, dass sie in der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik an einem Strang ziehen. Die vergangenen Monate waren hingegen von Meinungsverschiedenheiten zwischen Berlin und Paris geprägt. So lehnt der sozialliberale Macron den konservativen Anwärter für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten, Manfred Weber (CSU), strikt ab.


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Von der Leyen und Parly wollen bei der Messe ein Rahmenabkommen unterschreiben („Framework Agreement“), in dem Projektorganisation und Managementstrukturen festgelegt werden. Zudem soll ein sogenanntes erstes Durchführungsabkommen gezeichnet werden, mit dem Deutschland den Arbeiten an einer bis Ende 2021 geplanten Konzeptstudie beitritt. Die Kosten dafür belaufen sich auf 65 Millionen Euro - Frankreich und Deutschland wollen sich das teilen. Spanien wird laut Angaben aus Berlin dem Projekt in Le Bourget als vollwertiger dritter Partner beitreten, was den europäischen Charakter des Projekts unterstreiche.

Seit Jahren gibt es Forderungen, dass Deutschland und Frankreich bei großen Rüstungsprojekten an einem Strang ziehen sollen - wegen der Kosten, aber auch um strategisch unabhängig zu bleiben und Waffensysteme selbst herstellen zu können. „In einer unsicherer werdenden Welt ist es deshalb auch wichtig, dass wir gemeinsam Vorsorge treffen“, hatte von der Leyen erklärt.

Mit dem Projekt zeichnen sich Strukturen der künftigen Arbeitsteilung bei Rüstungsprojekten ab. So hat Berlin im deutsch-französischen Verbund die Führung bei der Entwicklung eines Kampfpanzers. Bei dem Luftkampfsystem steht hingegen der französische Hersteller Dassault Aviation im Zentrum.

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Auf der Messe erwartet die Branche zudem weitere Antworten des krisengeschüttelten US-Herstellers Boeing. Nach den Abstürzen von Boeings Mittelstreckenjet 737 Max in Indonesien und Äthiopien gilt seit März ein weltweites Flugverbot für Maschinen dieses Typs. Dieser Bann führt bei den Airlines zu Verunsicherung.

Die Luftfahrtbranche hat zwar weiter gut gefüllte Auftragsbücher. Doch neben der Sicherheitsdebatte bei Boeing gibt es in der Industrie Sorgen - wie beispielsweise die Spannungen in der Golfregion. Zur Eröffnung werden unter anderen der französische Staatschef Emmanuel Macron und die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erwartet.

Boeing-Chef Dennis Muilenburg sagte unmittelbar vor Beginn der Messe, das Unternehmen werde sich für die Verbesserung des Flugzeugs die notwendige Zeit nehmen. Wann die Flugzeuge der betroffenen Baureihe wieder abheben können, wollte der Boeing-Chef nicht vorhersagen. Viele Airlines haben die Max-Maschinen vorausschauend bereits für den Großteil des Sommers aus dem Flugplan gestrichen.

Muilenburg hatte bereits Ende Mai Fehler zugegeben. Bei den Unglücksfliegern der Baureihe 737 Max habe der Konzern ein Warnsystem in den Cockpits nicht korrekt implementiert, sagte er dem US-Sender CBS.

Airbus trumpft mit neuem Langstreckenjet auf

Der europäische Flugzeugbauer Airbus will mit einer neuen Super-Langstreckenversion seines Verkaufsschlagers A321neo einer Neuentwicklung seines Rivalen Boeing zuvorkommen. Der Airbus A321XLR soll Strecken von bis zu 4700 nautischen Meilen (8700 Kilometer) bewältigen können und ab dem Jahr 2023 verfügbar sein, kündigte Airbus-Verkaufschef Christian Scherer am Montag zum Start der weltgrößten Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris an.

Als erster Kunde kündigte der Flugzeugfinanzierer Air Lease Corporation eine Order über 27 Jets des Typs an - und unterzeichnete zugleich einen Vorvertrag über 23 normale Airbus A321neo sowie 50 kleinere Maschinen vom Typ A220-300.

Die neue A321XLR soll noch 15 Prozent weiter fliegen können als die bisherige Langstreckenversion A321LR (Long Range). Damit sei sie für Strecken etwa zwischen Europa nach Amerika oder zwischen und Europa und Indien geeignet, hob Airbus hervor. „Verglichen mit bisherigen Flugzeugen wie der Boeing 757, die solche Strecken typischerweise fliegen, spart die A321XLR rund 30 Prozent an Treibstoff und CO2-Ausstoß ein“, sagte Scherer.

Boeing will dieses Marktsegment mit einem neuen mittelgroßen Jet besetzen. Das „New Midsize Aircraft“ (NMA), das inoffiziell bereits Boeing 797 genannt wird, soll von der Größe her zwischen den Mittelstrecken- und den Langstreckenjets liegen. Der US-Konzern hat aber auch nach mehrjährigen Diskussionen noch nicht beschlossen, ob und wie er den Jet baut. Boeing-Chef Dennis Muilenburg geht weiterhin davon aus, dass die Maschine im Jahr 2025 fertig ist. Derzeit geht bei Boeing aber die Aufarbeitung der Krise um den Mittelstreckenjet 737 Max vor, für den nach zwei tödlichen Abstürzen ein weltweites Flugverbot gilt.


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