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Nächster Schritt Richtung Weltall
Das Weltall, ein Wirtschaftssektor, der in Luxemburg ausgebaut werden soll – und vielleicht bald viele
Mitarbeiter braucht.

Nächster Schritt Richtung Weltall

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Das Weltall, ein Wirtschaftssektor, der in Luxemburg ausgebaut werden soll – und vielleicht bald viele
Mitarbeiter braucht.
Wirtschaft 4 Min. 15.02.2019

Nächster Schritt Richtung Weltall

Marco MENG
Marco MENG
Die Universität Luxemburg startet ein neues Studienfach: "Interdisciplinary Space Master".

„Das Weltall, das sind nicht nur Kinderträume, sondern eine wirtschaftliche Realität“, sagte gestern der Direktor der Uni Luxemburg, Stéphane Pallage, am Campus Limpertsberg der Universität Luxemburg.

Dort wurde der neue Studiengang „Interdisciplinary Space Master“ vorgestellt. Die Ausbildung soll umfassende fachübergreifende Kenntnisse vermitteln, von Raumfahrt-Technik über Informationstechnologie bis Weltraumrecht oder Unternehmensführung.

Der zweijährige Masterlehrgang wird vom luxemburgischen Wirtschaftsministerium und der Luxembourg Space Agency sowie von einer Reihe von Kooperationspartnern aus der Industrie unterstützt. Zusammen mit Partnern wie LuxSpace, SES und anderen hat die Uni Luxemburg derzeit rund 40 Forschungsprojekte rund um Weltraumfragen.

Warum das Studienfach nötig sei, erklärte Wirtschaftsminister Etienne Schneider gestern damit, dass es keinen Sinn mache, für die SpaceResources-Initiative innovative Unternehmen nach Luxemburg zu locken, aber keine Menschen zu haben, die in diesen Firmen arbeiten könnten. „Wenn wir diesen neuen Wirtschaftssektor aufbauen, ist es wichtig, dass wir das nicht nur mit Fachkräften von außen tun.“

Für Schneider ist das Projekt der Weltraumrohstoffe vor allem eines, bei dem Luxemburg in Europa ein Alleinstellungsmerkmal hat, denn Biotech, Logistik oder ICT machen auch andere. „Weltweit bekommt die Space-Industrie immer mehr Beachtung, weil es auch immer mehr Möglichkeiten gibt, das Weltall wirtschaftlich zu nutzen“, so Schneider.

Darum habe Luxemburg mit Start der SpaceResources-Initiative auch zuerst den legalen Rahmen dazu geschaffen, um Investoren in Start-ups, die in diesem Bereich sind, Rechtssicherheit zu verschaffen. Das Luxemburger Weltraumgesetz lehnt sich an jene UN-Vereinbarung über die Ozeane an, die besagt, dass die Weltmeere niemandem gehören, aber Fische, die jemand darin fängt, dem, der sie gefangen hat, gehören.


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Das soll auch bei Weltraumrohstoffen so sein. „Start-ups, die in diesem Bereich tätig sind, brauchen viel Geld. Und Investoren brauchen Rechtssicherheit“, so Schneiders Erklärung. Im Gegensatz zu einem ähnlichen Gesetz in den USA hat das luxemburgische aber nicht die Vorgabe, dass die in diesem Sektor aktiven Firmen mehrheitlich Kapital aus dem Land haben müssen.

Schneider: „Diesen Unterschied, woher das Firmenkapital kommt, macht Luxemburg nicht und hat es auch nie gemacht.“

Ein „Master“ für 8 000 Euro

Der zweijährige Studiengang, der 2 000 Euro Gebühren pro Semester kostet, sei darüber hinaus gut für das Image der Luxemburger Hochschule. Schneider sieht in dem Studienfach wie dem gesamten Sektor „große Opportunität“, denn es ist ein Wirtschaftsbereich mit einem Wachstum von mehr als sechs Prozent jährlich.

Während eine solche Ausbildung bereits an europäischen oder amerikanischen Universitäten existiert, hat die luxemburgische Version die Besonderheit, „interdisziplinär“ zu sein. Das sei nötig, damit die Initiative erfolgreich sein werde, sagte der Minister für Hochschulbildung und Forschung, Claude Meisch, denn erfolgreiche Forschung zeichne sich heute dadurch aus, dass sie fachübergreifend sei.

Das Studium sei zugleich spezialisiert wie vielseitig und biete dem Studierenden darum „ein großes Plus“, so Meisch. Die Uni Luxemburg solle nicht nur auf internationalem Niveau zu den besten gehören, sondern auch für das Land und die Gesellschaft von Nutzen sein, was mit dieser Master-Ausbildung geleistet werde. Meisch weiter: „Dieses Master-Programm der Universität wird einen starken Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung des Weltraumsektors leisten.“

Drei neue Professoren wurden für den neuen Studiengang angeworben, zwei Labore werden dazu eingerichtet, wobei der Staat den Studiengang mit rund 4,3 Millionen Euro, verteilt auf drei Jahre, finanziert. Was darüber hinaus nötig sein sollte, muss die Uni dann aus ihrem Jahresbudget – 185 Millionen Euro sind es 2019 – finanzieren.

„Gute Berufsperspektiven“

Gefragt, ob der Master dem Studierenden wirkliche Karrierechancen bietet, meinte Uni-Rektor Pallage, das Studium vermittele Kompetenzen, die langfristig auf dem Markt gesucht würden. Minister Schneider antwortete mit einem Beispiel. Die Firmen in diesem Sektor wollen in den nächsten Jahren 400 Stellen in Luxemburg schaffen, „da wäre es schade, wenn keine Luxemburger dabei wären, die diese Stellen besetzten“, sagt Schneider.

Unser Studiengang ist einzigartig, weil er den Absolventen ein grundlegendes technisches Verständnis von raumfahrtbezogenen Projekten, aber zugleich auch die betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und finanziellen Grundlagen vermittelt“, sagte Vize-Rektorin Tonie van Dam. Der Lehrgang vermittele das nötige Fachwissen für eine Karriere im Raumfahrtsektor oder um das eigene Start-up in dieser Branche zu gründen. Der luxemburgische Raumfahrtsektor zählt derzeit etwa vierzig Unternehmen mit rund 800 Beschäftigten, die zwei Prozent zu Luxemburgs Wirtschaftsleistung (BIP) beitragen. „Das ist der höchste Wert in der EU“, sagte Schneider.


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Nach dem Studiengang „Master in Space, Communication and Media Law (LL.M.)“ ist es der zweite der Uni Luxemburg, der mit Raumfahrt zu tun hat. Den Master in Space, Communication and Media Law gibt es als separaten Studiengang seit 2016/2017. Es wurden aber bereits ab 2012/13 Kurse im Bereich Space Law als Teil des Masters in European Law – General European Law angeboten.

Der Wirtschaftsminister kam auch auf Planetary Resources zu sprechen, in die der Staat investierte und das Geld wegen der Insolvenz der Firma verlor. „Das war auch kein Steuergeld“, sagte Schneider, „sondern investiert wurden Gewinne der SNCI (staatliche Investitionsgesellschaft, d.R.), die sie mit anderen Beteiligungen gemacht hat“. Schneider will sich dazu in der Chamber noch genauer erklären.

Warum er das nicht unlängst tat, als in der Chamber in einer Aktualitätsstunde der Verlust der Planetery-Resources-Investition diskutiert wurde, ließ er gestern offen.


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