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Nachhaltige Finanzprodukte: "Wir können noch mehr erreichen"
Wirtschaft 3 Min. 24.09.2019 Aus unserem online-Archiv

Nachhaltige Finanzprodukte: "Wir können noch mehr erreichen"

Alfi-Präsidentin Corinne Lamesch ist sich sicher: Die Fondsindustrie wird eine immer wichtigere gesellschaftliche und soziale Rolle in der Wirtschaft spielen.

Nachhaltige Finanzprodukte: "Wir können noch mehr erreichen"

Alfi-Präsidentin Corinne Lamesch ist sich sicher: Die Fondsindustrie wird eine immer wichtigere gesellschaftliche und soziale Rolle in der Wirtschaft spielen.
Pierre Matgé
Wirtschaft 3 Min. 24.09.2019 Aus unserem online-Archiv

Nachhaltige Finanzprodukte: "Wir können noch mehr erreichen"

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Nachhaltigkeit und private Altersvorsorge: Luxemburger Fondsbranche steht vor großen Umwälzungen.

Nachhaltige Finanzprodukte, attraktive Altersvorsorge und innovative alternative Investments: Corinne Lamesch, neue Präsidentin der luxemburgischen Investmentfondvereinigung (Alfi), hat zu Beginn der zweitägigen „Global Distribution Conference“ in Kirchberg ihre Prioritäten für die zwei kommenden Jahre skizziert. „Wenn wir im Bereich nachhaltigen Investments alle an einem Strang ziehen, können wir mehr erreichen und einen tief greifenden Wandel herbeiführen“, ist sie sicher. Und: „Luxemburg setzt sich seit vielen Jahren für Nachhaltigkeit bei Finanzprodukten ein“. Das zahle sich jetzt aus: „Derzeit sind 31 Prozent aller nachhaltigen Fonds, beziehungsweise 39 Prozent des nachhaltigen Fondsvermögens in Luxemburg angesiedelt.“ 


Auch für Finanzminister Gramegna steht das Thema Nachhaltigkeit ganz oben auf der Agenda: „Die notwendigen Investitionen in den Klimaschutz etwa lassen sich nicht allein aus öffentlichen Geldern stemmen. Wir brauchen private Anleger und die Unterstützung der Fondsindustrie“. 

Pierre Matgé

Während Nachhaltigkeit als Investitionsthema zunehmend an Bedeutung gewinnt, sei das Produktangebot für viele Anleger noch nicht ausreichend. Um nachhaltiges Handeln im Finanzsektor zu stärken, arbeite die Regierung mit Experten aus der Finanzbranche an der „Luxembourg Sustainable Finance Initiative“. Dabei gibt sich Pierre Gramegna zuversichtlich: „In den vergangenen fünf Jahren haben wir eine gemeinsame Strategie entwickelt, in den kommenden fünf Jahren werden wir Ergebnisse liefern“. 

Das Thema Nachhaltigkeit hat in den vergangenen Jahren auch in den USA stark an Bedeutung gewonnen. „Umweltthemen hatten bei der Kapitalanlage bisher nur einen marginalen Wert. Das hat sich in den vergangenen zwölf Monaten aber geändert: Auch bei den US-Firmen, Anlegern und Asset Managern ist Nachhaltigkeit Thema Nummer eins“, freut sich Jim Fitzpatrick, der Präsident der US-amerikanischen National Investment Company Service Association (NICSA).

Geldanlage für die Altersvorsorge

Europa steht aber auch vor großen Herausforderungen im Bereich der Altersvorsorge. Durch die Alterung der Bevölkerung steigt der Druck auf die Rentensysteme, sodass die Renten herkömmlicher umlagefinanzierter Systeme in Zukunft voraussichtlich knapper ausfallen werden. Um den Bürgern beim Sparen für den Ruhestand mehr Möglichkeiten zu bieten und den Wettbewerb auf dem Markt anzuregen, hat die EU-Kommission einen neuen Rahmen für ein freiwilliges privates Altersvorsorgeprodukt (PEPP) vorgeschlagen, das sonstige private und nationale Altersvorsorgesysteme ergänzen soll. 

Corinne Lamesch sieht darin großes Potenzial für die luxemburgische Fondsindustrie, denn Anbieter von PEPP können neben Banken, Versicherer und Einrichtungen betrieblicher Altersvorsorge auch Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter sein. „Durch jahrelange Erfahrungen beim grenzüberschreitenden Produktvertrieb ist Luxemburg strategisch gut positioniert, um in diesem Bereich Erfolg zu erringen“, betont Corinne Lamesch. Eine Möglichkeit besteht laut Finanzminister Pierre Gramegna darin, dass „man in diesem Bereich Vorreiter wird und den Markt bereits mit guten Produkten bedient“. 

Auch alternative Kapitalanlagen wie Hedge-Fonds, Private Equity und Immobilien werden immer beliebter. Durch die starke Nachfrage kann die Luxemburger Fondsindustrie ihre führende Position noch weiter ausbauen. Luxemburg ist bereits Zielort für zahlreiche Private-Equity-Investoren; das verwaltete Vermögen ist im vergangenen Jahr um 20 Prozent gestiegen. „Im Zusammenhang mit dem Brexit konnten wir feststellen, dass Luxemburg zu einem Hub in Europa geworden ist“, sagt Finanzminister Gramegna. 

Neuer Rekordstand

 Eine positive Nachricht konnte auch Corinne Lamesch verkünden: „Die luxemburgische Fondsindustrie hat einen neuen Rekordstand erreicht – trotz volatiler Märkte“. Nach jüngsten Zahlen beläuft sich das von luxemburgischen Fonds verwaltete Vermögen Ende August auf insgesamt 4 500 Milliarden Euro. 

„Trotz der guten Ergebnisse dürfen wir aber nicht in Selbstzufriedenheit verfallen“, warnt die Alfi-Präsidentin, „der zunehmende Populismus, der Brexit, die Anzeichen einer Rezession, der Margendruck, der Klimawandel, der demografische Wandel und technologische Umwälzungen stellen uns vor große Herausforderungen.“ In dieser Hinsicht werde die Fondsindustrie „eine immer wichtigere gesellschaftliche und soziale Rolle in der Wirtschaft spielen“. 


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