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Nach „Panama Papers“ über eine Milliarde Nachzahlungen
Wirtschaft 03.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Nach „Panama Papers“ über eine Milliarde Nachzahlungen

Nach „Panama Papers“ über eine Milliarde Nachzahlungen

Foto: Shutterstock
Wirtschaft 03.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Nach „Panama Papers“ über eine Milliarde Nachzahlungen

Etwa drei Jahre nach den Enthüllungen haben Behörden nach Medienberichten weltweit 1,07 Milliarden Euro an Strafen und Steuer-Nachzahlungen verhängt.

(dpa) -Die Zahlen seien Ergebnis einer Analyse des Internationalen Konsortiums Investigativer Journalisten (ICIJ). Die Gesamt-Summe dürfte sogar deutlich höher ausfallen, zahlreiche Länder verweigerten mit Hinweis auf laufende Ermittlungen eine Auskunft oder teilten nur allgemein mit, dass in der Folge der Veröffentlichungen die Zahl der Verfahren gestiegen sei, hieß es. Zahlreiche Verfahren liefen noch.


Die sogenannten "Panama Papers" zeigen, wie Spitzenpolitiker, Sportstars und Kriminelle ihr Vermögen verschleiern.
Je reicher, desto skrupelloser
Die Superreichen sind unehrlicher als der Durchschnittsbürger – zumindest was die Steuern angeht. Die Ergebnisse einer neuen Studie sind brisant für die Strategie des Luxemburger Finanzplatzes.

Im Frühjahr 2016 hatte ein internationales Medien-Netzwerk mit den „Panama Papers“ Finanzströme in der mittelamerikanischen Steueroase enthüllt. In Deutschland hatte die „Süddeutsche Zeitung“ gemeinsam mit NDR und WDR die „Panama Papers“ veröffentlicht.

Durch die Enthüllungen waren weltweit Politiker, Geschäftsleute und Prominente unter Druck geraten. Der internationalen Medien zugespielte Datenberg zeigte große Geldströme nach Panama, wo Tausende Briefkastenfirmen angesiedelt sind. Ob es sich dabei auch um strafbare Geschäfte handelt, hatten weltweit Staatsanwälte geprüft.

Im Kampf gegen Geldwäsche und Steuerbetrug hatte das Bundeskriminalamt im Sommer 2017 die „Panama Papers“ gekauft. Nach einem früheren Urteil des Bundesverfassungsgerichts darf der deutsche Staat angekaufte Daten über Steuerbetrüger nutzen, auch wenn diese Informationen rechtswidrig erlangt wurden.

Briefkastenfirmen sind nicht per se illegal. Sie werden aber auch für Steuerbetrug und Geldwäsche genutzt. Seit der Enthüllung haben die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) ihre Anstrengungen verstärkt, Steueroasen trocken zu legen. Auch in Deutschland wurden die Vorgaben deutlich verschärft und mehr Transparenz geschaffen.


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Steueroasen und Geldwäsche
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View of the facade of the building where Panama-based Mossack Fonseca law firm offices are in Panama City, on May 9, 2016.
The International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) is to release the documents in a searchable database at 1800 GMT on Monday accessible to the public at offshoreleaks.icij.org. / AFP PHOTO / RODRIGO ARANGUA