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Nach Herabstufungen von Fonds schlagen Verbraucherschützer Alarm
Wirtschaft 2 Min. 02.12.2022
Grüne Investments

Nach Herabstufungen von Fonds schlagen Verbraucherschützer Alarm

Durch Energiewende und Klimawandel besteht ein riesiger Finanzierungsbedarf – Die Regeln bleiben aber unklar.
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Nach Herabstufungen von Fonds schlagen Verbraucherschützer Alarm

Durch Energiewende und Klimawandel besteht ein riesiger Finanzierungsbedarf – Die Regeln bleiben aber unklar.
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 2 Min. 02.12.2022
Grüne Investments

Nach Herabstufungen von Fonds schlagen Verbraucherschützer Alarm

Bei Kleinanlegern wächst die Sorge, sie könnten Opfer von Greenwashing geworden sein. Sie fordern Antworten von Fondsmanagern.

(Bloomberg/ ThK) - Einige der weltgrößten Fondsmanager haben ihre Produkte aus der höchsten Nachhaltigkeits-Kategorie der Europäischen Union herausgenommen und damit bei Kleinanlegern die Sorge ausgelöst, sie könnten zuvor Opfer von Greenwashing geworden sein. Der Chef des wichtigsten Kleinanlegerverbands will das Thema nun mit Aufsichtsbehörden und Parlamentariern erörtern.

Anfang der Woche hatten einige europäische Zeitungen, darunter das „Luxemburger Wort“, dokumentiert, dass zahlreiche Fonds, die als besonders nachhaltig gelten, dennoch Milliarden in Unternehmen mit Geschäftsfeldern im Bereich der fossilen Energien investiert hatten. 


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„Wir brauchen viel klarere Leitlinien von den Behörden, um sicherzustellen, dass wir nicht in die Irre geführt werden und uns keine grün gewaschenen Anlageprodukte verkauft werden“, sagte Guillaume Prache, Geschäftsführer von Better Finance, im Bloomberg-Interview. Die Gruppe, die rund vier Millionen Kunden in 25 Ländern repräsentiert, habe Treffen mit der Europäischen Kommission und der Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (Esma) anberaumt.

Fonds mit Milliardenvolumen herabgestuft

Unter anderem BlackRock, Amundi und die Allianz-Tochter Pimco planen ein Milliardenvolumen von sogenannten Artikel-9-Fonds herabzustufen, die der höchsten ESG-Bewertung der EU entsprechen. Auslöser der Entscheidung waren neue Leitlinien der EU-Kommission zur Auslegung der Vorschriften.

„Vermögensverwalter werden ihren Kunden erklären müssen, dass sie sich in einem unsicheren und sich schnell entwickelnden regulatorischen Umfeld bewegen“, sagt Hortense Bioy, Chefin des Bereichs Nachhaltigkeitsanalyse bei Morningstar Inc. „Die EU hat ein sehr ehrgeiziges, aber auch extrem komplexes Offenlegungsregime geschaffen.“

Morningstar schätzt, dass in den kommenden Wochen und Monaten mindestens 85 Milliarden Dollar (81 Milliarden Euro) Artikel-9-Fonds zu Artikel-8-Fonds, herabgestuft werden und damit weniger strengen Vorschriften unterliegen. Die EU fordert von Artikel-9-Fonds seit neuestem zu praktisch 100 Prozent nachhaltige Anlagen, was den Großteil der Branche vor den Kopf gestoßen hatte.

Weniger als fünf Prozent erfüllen die Anforderungen

„Die Situation ist im Moment etwas chaotisch“, sagt Bioy. Die Marktanalystin schätzt, dass weniger als fünf Prozent der Artikel-9-Fonds derzeit die EU-Anforderungen an die 100-prozentige Nachhaltigkeit erfüllen. Hunderte weiterer Fonds könnten somit herabgestuft werden müssen.

Einige Vermögensverwalter zögern indessen mit Neueinstufungen in der Hoffnung, dass weitere Präzisierungen der EU-Behörden es ihnen ermöglichen werden, die Einstufungen beizubehalten. Die Esma hat die Kommission gebeten, zu klären, was sie unter einer „nachhaltigen Anlage“ versteht. Die Kommission gab an, sich der Problematik bewusst zu sein und daran zu arbeiten.

Es ist dringend notwendig, dass die Aufsichtsbehörde nicht nur klärt, was als nachhaltiges Investment gilt und was nicht

Hortense Bioy, Morningstar

„Es ist dringend notwendig, dass die Aufsichtsbehörde nicht nur klärt, was als nachhaltiges Investment gilt und was nicht, sondern auch, welche Methoden zur Berechnung des Portfoliorisikos für nachhaltige Investitionen akzeptabel sind“, sagt Bioy. Der derzeitige Mangel an Klarheit könne den Ruf des europäischen ESG-Regelwerks, der Sustainable Finance Disclosure Regulation, beschädigen.


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Auch europäische Pensionsfonds äußern Bedenken. Da es derzeit keine Richtlinien für nachhaltige Investitionen gibt, „besteht ein ernsthaftes Risiko, dass die Praxis auseinanderläuft und es an Vergleichbarkeit der Produkte mangelt“, so Anastasios Pavlos, Berater der Lobbyorganisation Pensions Europe, deren Mitglieder zusammen ein Vermögen von sieben Billionen Euro verwalten.


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