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Nach Fouer-Absage: Stadt Luxemburg organisiert kleinere Kirmessen
Wirtschaft 4 Min. 18.06.2020

Nach Fouer-Absage: Stadt Luxemburg organisiert kleinere Kirmessen

Die Lichter gehen aus: Die Schueberfouer kann dieses Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nicht wie gewohnt stattfinden.

Nach Fouer-Absage: Stadt Luxemburg organisiert kleinere Kirmessen

Die Lichter gehen aus: Die Schueberfouer kann dieses Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nicht wie gewohnt stattfinden.
Foto: LW-Archiv
Wirtschaft 4 Min. 18.06.2020

Nach Fouer-Absage: Stadt Luxemburg organisiert kleinere Kirmessen

Die Stadt Luxemburg organisiert die Alternative zur Schueberfouer – dafür sollen bis zu 500.000 Euro investiert werden. Die Verantwortlichen der Hauptstadt wollen die Fahrgeschäfte kostenlos anbieten.

Von Marlene Brey und Mara Bilo

Für die Luxemburger Schausteller ist diese Woche entscheidend: Am Dienstag fand ein Treffen zwischen der „Fédération nationale des commerçants forains“ (FNCF) und dem Minister für Mittelstand Lex Delles (DP) statt, am heutigen Donnerstag steht ein weiteres Treffen zwischen dem Schaustellerverband und der Stadt Luxemburg auf der Tagesordnung. Der Grund: Nachdem bekannt wurde, dass die Schueberfouer aufgrund der Corona-Pandemie ausfällt, stellen sich für viele Schausteller existenzielle Fragen; das größte Volksfest des Landes macht für Viele die Hälfte des Jahresgeschäftes aus.

Bei der Stadt Luxemburg wurde deshalb nach Alternativen gesucht. Vorgesehen sind nun mehrere kleinere Kirmessen in der ganzen Stadt. Vor Kurzem wurde eine Ausschreibung veröffentlicht: Bis zum 25. Juni können sich Schausteller um einen Platz auf diese Standorte bewerben. Die Märkte werden voraussichtlich vom 11. Juli bis zum 13. September stattfinden, täglich zwischen 11 Uhr und 22 Uhr. Bislang wurden sieben Standorte vorgeschlagen (siehe Karte unten). Sollten sich viele Schausteller melden, werden weitere Standorte in Betracht gezogen. Im Prinzip können sich auch Schausteller aus dem Ausland bewerben. „Doch die Kirmessen richten sich in erster Linie an Schausteller aus Luxemburg“, betont der zuständige Schöffe der Stadt Luxemburg, Patrick Goldschmidt (DP).


Lokales, Schueberfouer 2019, Schobermesse, Nachtaufnahme, Foto: Claude Windeshausen
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Die Teilnahme ist an bestimmte Bedingungen gebunden. So müssen die Schausteller etwa im vergangenen Jahr an mehr als einer von der Stadt Luxemburg organisierten Veranstaltung teilgenommen haben. Wichtig: Die Verantwortlichen der Hauptstadt wollen die Fahrgeschäfte kostenlos anbieten. Die Stadt zahlt daher eine Pauschale an die Betreiber. „Wir sind uns bewusst, dass dies die Fouer nicht ersetzen wird“, stellt Goldschmidt klar. Vorgesehen sind 2.500 Euro pro Monat für Betreiber von Ständen wie etwa Schießständen; 10.000 Euro pro Monat für Karusselle und 20.000 Euro für größere Attraktionen wie Autoscooter. Eine Miete für den Standort wird die Stadt nicht erheben und sogar die laufenden Kosten für Strom, Wasser und Co. übernehmen. „Wir haben uns entschieden, die Attraktionen kostenlos anzubieten, weil einige Standorte attraktiver sind als andere“, erklärt Goldschmidt. Es könne deshalb sein, dass die Karusselle den Standort über die Sommermonate wechseln. An Schausteller, die Süßwaren oder Snacks verkaufen, wird keine Pauschale gezahlt. Sie verkaufen ihre Produkte nach den in ihrem Bewerbungsformular angegebenen Preisen.

Hauptstadt greift in die Tasche

Für die Stadt Luxemburg belaufen sich die Kosten dieser kleineren Kirmessen auf 400.000 Euro bis 500.000 Euro, wie Goldschmidt schätzt. Das ist allerdings weniger als die Fouer, deren Organisation jedes Jahr etwa eine Million Euro kostet – dazu kommen noch zusätzliche Personalkosten. Dennoch bedeutet die Absage der Schueberfouer einen Verlust für die Stadt: Die Veranstaltung zieht jedes Jahr etwa zwei Millionen Besucher an – viele kommen aus dem Ausland. „Ich glaube nicht, dass sich dieses Jahr Gäste aus Belgien, Deutschland oder Frankreich wegen unserer kleinen Kirmessen nach Luxemburg begeben werden“, sagt Patrick Goldschmidt. Eine große Werbekampagne in Luxemburgs Nachbarländern über die Kirmessen sei derzeit auch nicht geplant.


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In Luxemburg gibt es etwa 60 Schaustellerfamilien – vielen droht nun die Pleite. Um die Regierung darauf aufmerksam zu machen, hatte der Schaustellerverband Mitte April einen Brief an Lex Delles, Kulturministerin Sam Tanson und Bürgermeisterin der Hauptstadt Lydie Polfer geschickt. Am vergangenen Dienstag fand daraufhin nun ein Treffen statt, wie die Generaldirektion für Mittelstand erklärt. „Das Treffen war sehr konstruktiv“, so Sprecher Damien Valvasori. „Es wurde vereinbart, in engem Kontakt zu bleiben und die spezifische Situation der Schausteller zu berücksichtigen.“

Ob weitere Hilfsmaßnahmen für die Branche geplant sind, steht nicht fest. Grundsätzlich könnten Schausteller die von der Regierung organisierten, nicht rückzahlbaren Finanzspritzen und rückzahlbare Hilfen in Anspruch nehmen, wie es bei der Generaldirektion für Mittelstand heißt. Außerdem werden sie auch vom angekündigten „Fonds de relance et de soldidarité pour entreprises“ profitieren können.

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