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Möbelkette Ikea: Brüssel nimmt Steuertricks ins Visier
Wirtschaft 2 Min. 18.12.2017

Möbelkette Ikea: Brüssel nimmt Steuertricks ins Visier

Ikea sparte eine Milliarde Euro an Steuern via Luxemburg.

Möbelkette Ikea: Brüssel nimmt Steuertricks ins Visier

Ikea sparte eine Milliarde Euro an Steuern via Luxemburg.
AFP
Wirtschaft 2 Min. 18.12.2017

Möbelkette Ikea: Brüssel nimmt Steuertricks ins Visier

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Die EU-Wettbewerbsbehörde wird die niederländischen (und luxemburgischen) Steuerpraktiken des Möbelhauses prüfen.

(ndp) - Nach den US-Konzernen Apple, McDonald's und Amazon untersucht die Europäische Kommission Steuervergünstigungen weiterer Unternehmen.

Die Europäische Kommission hat am Montag bekanntgegeben, dass sie „eine eingehende Prüfung der steuerlichen Behandlung von Inter Ikea, einer der beiden Ikea betreibenden Gruppen, in den Niederlanden” einleiten wird.

Die Kommission sei besorgt darüber, „dass zwei niederländische Steuervorbescheide Inter Ikea gestattet haben könnten, weniger Steuern zu zahlen und der Gruppe so unter Verstoß gegen die EU-Beihilfevorschriften einen ungerechten Vorteil verschafft haben könnten”.

Die Prüfung der Kommission betrifft die steuerliche Behandlung von Inter Ikea Systems in den Niederlanden seit 2006. Aus den vorläufigen Ermittlungen gehe hervor, „dass zwei Steuervorbescheide der niederländischen Steuerbehörden von 2006 und 2011 die steuerpflichtigen Gewinne von Inter Ikea Systems in den Niederlanden erheblich gemindert haben”. Die Kommission hebe Bedenken, „dass Inter Ikea Systems durch die beiden Steuervorbescheide einen ungerechten Vorteil gegenüber anderen Unternehmen erhalten hat, die in den Niederlanden denselben Steuervorschriften unterliegen”.

Über die Niederlande nach Luxemburg

Dank einem komplizierten Firmengeflecht hat das Unternehmen die Steuerlast in der Europäischen Union zwischen 2009 und 2014 um mehr als eine Milliarde Euro reduziert, ermittelte Anfang 2016 ein Steuerexperte im Auftrag der Europäischen Grünen.

Laut diesem Bericht seien 972 Millionen Euro zwischen 2012 und 2014 nach Luxemburg geflossen. Darauf habe die Gesellschaft in Luxemburg nur 0,06 Prozent Steuern bezahlt. 807,8 Millionen Euro seien dann von Luxemburg an eine Stiftung in Liechtenstein geflossen. Weitere 587 Millionen Euro, als „weitere Kosten“ deklariert, flossen aus den Niederlanden an unbekannte Gesellschaften.

Die Inter Ikea Group verteidigte sich gegen die Kritik. In der Studie gäbe es „Missverständnisse“ und „unkorrekte Annahmen“, die zu falschen Schlussfolgerungen geführt hätten. Man halte sich an allen Orten, an denen man tätig sei, an die gesetzlichen Bestimmungen.

Foto: EU-Kommission

Brüssel will nun untersuchen, ob die von Inter Ikea Systems an I.I. Holding mit Sitz in Luxemburg gezahlte jährliche Lizenzgebühr, die im Steuervorbescheid 2006 gutgeheißen wurde, „der wirtschaftlichen Realität entspricht”. Insbesondere wird sie prüfen, „ob die Höhe der jährlichen Lizenzgebühr dem Beitrag von Inter Ikea Systems zum Franchise-Geschäft Rechnung trägt”.

Laut der Kommission wurde „ein beträchtlicher Teil der Franchise-Gewinne von Inter Ikea Systems von Inter Ikea Systems auf I.I. Holding in Luxemburg verlagert, wo sie nicht versteuert wurden”. I.I. Holding unterlag nämlich einer speziellen Steuerregelung, der zufolge die Holding-Gesellschaft in Luxemburg nicht der Körperschaftsteuer unterlag.

Die EU-Kommission will weiterhin bewerten, „ob der Preis, den Inter Ikea Systems für den Erwerb der geistigen Eigentumsrechte und folglich der Zinszahlungen für das gruppeninterne Darlehen zu zahlen bereit war, so wie im Steuervorbescheid 2011 befürwortet, der wirtschaftlichen Realität entspricht.”


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