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Mobilitätswende: Deutscher Autoindustrie droht Job-Kahlschlag
Wirtschaft 4 Min. 16.01.2020

Mobilitätswende: Deutscher Autoindustrie droht Job-Kahlschlag

Fertigung im Volkswagen-Werk Wolfsburg: Der Strukturwandel in der Autoindustrie mit der Umstellung auf die Elektromobilität gefährdet nach der Analyse einer Expertenkommission hunderttausende Jobs in der Branche.

Mobilitätswende: Deutscher Autoindustrie droht Job-Kahlschlag

Fertigung im Volkswagen-Werk Wolfsburg: Der Strukturwandel in der Autoindustrie mit der Umstellung auf die Elektromobilität gefährdet nach der Analyse einer Expertenkommission hunderttausende Jobs in der Branche.
Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Wirtschaft 4 Min. 16.01.2020

Mobilitätswende: Deutscher Autoindustrie droht Job-Kahlschlag

Am Mittwoch gab es erneut ein Spitzentreffen im Kanzleramt zur Zukunft der Autoindustrie. Vorher sorgte der Bericht einer Arbeitsgruppe für Schlagzeilen. Wohin geht es mit der Branche?

(dpa) - Es ist ein Schreckensszenario: In der deutschen Autobranche könnten Hunderttausende Jobs in Gefahr sein - falls die Schlüsselindustrie den Anschluss bei der Produktion von Elektroautos verpassen und bei Batteriezellen abhängig von Zulieferern aus dem Ausland würde. Wie es in dem Bericht einer Arbeitsgruppe der von der Bundesregierung eingesetzten Kommission Nationale Plattform Zukunft der Mobilität heißt, sind in einem Extremszenario bis zu 410.000 Arbeitsplätze in Gefahr - alleine im Fahrzeugbau im Vergleich zu 2018 rund 240.000 Jobs, das wäre fast jede vierte Stelle.

In dem am Montag vorgelegten Bericht heißt es, wenn sich die Wettbewerbslage der deutschen Industrie bei der Elektromobilität in den kommenden Jahren nicht verbessere und der Importbedarf für Batteriezellen und Elektrofahrzeuge weiter steige, wäre ein „erheblicher Beschäftigungsrückgang“ bis 2030 zu erwarten.

E-Mobilität: Autohersteller sind aufgewacht

Die Nationale Plattform, die Autobranche und die IG Metall bemühten sich am Montag allerdings darum, deutlich zu machen, dass dieses Extremszenario nicht eintreten werde. „Das Extremszenario halte ich aus heutiger Sicht nicht für realistisch“, sagte der Leiter der Arbeitsgruppe, IG Metall-Chef Jörg Hofmann. „So käme es nur, wenn wir alle Batterien und einen großen Teil der E-Fahrzeuge nicht hierzulande produzieren. Aber die deutschen Autohersteller sind mittlerweile aufgewacht, die Modelloffensive für E-Autos kommt.“ „Ein Selbstläufer ist das alles nicht, aber ich bin optimistisch.“


When the Mustang Mach-E launches in late 2020, a new all-wheel-drive system (eAWD) will be available that can apply torque independently to the front and rear axles to deliver impressive acceleration and improved handling. Ford tuned this eAWD system to provide excellent traction on the road, rigorously testing the vehicle in wet and snowy terrain to help control for slippery conditions.
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Die IG Metall machte aber klar, Wirtschaft und Politik müssten noch entschiedener den Wandel begleiten. Hofmann hatte sich bereits im Dezember für Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld ausgesprochen, außerdem seien „dringend“ arbeitsmarktpolitisch begleitende Maßnahmen nötig.

Arbeitsplätze fallen weg

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) erklärte am Montag, das Extremszenario gehe von einem unrealistischen Ansatz aus. Für realistischer hält der VDA eine ebenfalls im Bericht erwähnte Studie, wonach der Umstieg von Verbrenner- auf Elektroautos im Bereich des Antriebsstrangs mit einem Abbau von 79.000 bis 88.000 Stellen im Jahr 2030 verbunden sein könnte.

„Die Mobilität der Zukunft bedeutet für Unternehmen und viele Arbeitnehmer tief greifende Veränderungen“, sagte VDA-Geschäftsführer Kurt-Christian Scheel. Klar sei, dass der Umstieg auf die E-Mobilität Anpassungen erfordern und zu einem Rückgang der Beschäftigung am Standort Deutschland führen werde. „Es ist die gemeinsame Verantwortung von Industrie, Gewerkschaften und Politik, durch geeignete Maßnahmen Qualifizierung zu fördern und den Wandel gemeinsam zu gestalten, damit negative Arbeitsplatzeffekte möglichst gering gehalten werden können.“


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Im Gegenzug zum Stellenabbau über Freiwilligen-Programme mit Altersteilzeit, Vorruhestand und Abfindungen sollen längere Beschäftigungssicherungen garantiert werden.

Im Bericht der Arbeitsgruppe heißt es, auch wenn das Extremszenario aufgrund einer besseren Entwicklung inländischer Angebote von Elektrofahrzeugen und inländischer Produktion von Batterien abgewendet werden könne, gelte: „In keinem Fall werden die Automobilhersteller weiterhin im selben Maße für eine solche Wertschöpfung und Beschäftigung entlang der Zulieferketten sorgen können, wie es heute der Fall ist.“

Denn der Bau eines E-Autos ist weniger komplex als der Bau eines Benzin- oder Dieselfahrzeugs. Dazu kommt die Digitalisierung mit einer zunehmenden Automatisierung der Produktion - durch den Einsatz von Robotern und Künstlicher Intelligenz.

Abhängigkeit von Lieferanten aus Asien

Eine zentrale Rolle bei der Wertschöpfung spielen außerdem Batteriezellen. Der deutschen Autoindustrie droht eine Abhängigkeit von derzeit führenden Zulieferern vor allem aus Asien. Um dies zu verhindern, steht der Bau von Batteriezellenwerken auch in Deutschland weit oben auf der Agenda von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), konkrete Projekte sind auf den Weg gebracht worden. Altmaier kündigte am Montag einen „Transformationsdialog“ mit Autoherstellern und Zulieferern an, um rechtzeitig dafür zu sorgen, dass neue Jobs in Deutschland entstehen.


ARCHIV - 23.08.2019, Sachsen, Dresden: Ein VW e-Golf in der Fertigung hängt in der Gläsernen VW-Manufaktur. (Zu dpa "Der große (Um-)Bruch: Autoindustrie hadert mit dem Wandel.") Foto: Sebastian Kahnert/zb/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Bisher haben E-Autos in Deutschland trotz steigender Zulassungszahlen noch nicht den Durchbruch auf dem Massenmarkt geschafft. Die Elektromobilität spielt eine zentrale Rolle im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung, mit dem die Klimaziele 2030 vor allem im Verkehr erreicht werden sollen. Dafür wird bis 2030 eine Zahl von 7 bis 10 Millionen E-Autos in Deutschland als notwendig angesehen. Die Autobranche ist auch wegen strengerer Klimavorgaben der EU auf deutlich mehr E-Autos in den kommenden Jahren angewiesen.

Umweltverbände kritisierten erneut den Kurs der deutschen Autoindustrie. Diese habe zu lange am alten Geschäftsmodell mit Verbrennungsmotoren festgehalten, sagte der verkehrspolitische Sprecher des ökologischen Verkehrsclubs Deutschland VCD, Michael Müller-Görnert. Vor allem der IG Metall gehe es jetzt um die Durchsetzung von Kurzarbeitergeld, Qualifizierungs- und Umschulungsmaßnahmen. „Damit soll auch das bisherige Versagen von Industrie und Gewerkschaften bei der Transformation kaschiert werden.“ Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup sagte: „Wer die Elektromobilität verschläft, gefährdet Arbeitsplätze.“


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