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Mobilfunkmarkt in Bewegung: Roaming ist heute schon von gestern
Wirtschaft 5 Min. 04.11.2014 Aus unserem online-Archiv

Mobilfunkmarkt in Bewegung: Roaming ist heute schon von gestern

Manche Mobilfunkanbieter antizipieren die neue Roaming-Regulierung und haben regelrechte Europatarife im 
Angebot mit grenzübergreifenden Flatrates für Anrufe, SMS und Daten.

Mobilfunkmarkt in Bewegung: Roaming ist heute schon von gestern

Manche Mobilfunkanbieter antizipieren die neue Roaming-Regulierung und haben regelrechte Europatarife im 
Angebot mit grenzübergreifenden Flatrates für Anrufe, SMS und Daten.
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 5 Min. 04.11.2014 Aus unserem online-Archiv

Mobilfunkmarkt in Bewegung: Roaming ist heute schon von gestern

Anbieter stellen schon vor der Abschaffung der Auslandszuschläge grenzübergreifende Smartphone-Tarife vor.

VON ANDREAS ADAM

Nach dem Willen der EU-Kommission sollen die Roaming-Gebühren für die Nutzung von Mobiltelefonen im Ausland zum 15. Dezember 2015 ganz wegfallen. Die Abgeordneten des EU-Parlaments haben dem als Teil eines Regulierungspakets zugestimmt. Seitdem liegt das Dossier beim EU-Ministerrat. Obschon das Vorhaben noch nicht in trockenen Tüchern ist, preschen die Mobilfunkanbieter mit Tarifen vor und nehmen das Ende der Roaming-
Gebühren vorweg.

Die jüngste Senkung der Roaminggebühren für Gespräche, Kurznachrichten und Internetnutzung im Ausland geht auf den 1. 
Juli dieses Jahres zurück. Seitdem dürfen Telefonate aus dem EU-Ausland nur noch maximal 19 Cent pro Minute plus Mehrwertsteuer kosten – zuvor waren es 24 Cent. Eine SMS-Nachricht schlägt mit höchstens sieben statt bisher 9,5 Cent zu Buche. Relativ teuer bleiben die Preise für das Herunterladen von Daten und das Surfen im EU-Ausland. Anbieter dürfen noch 23 statt zuvor 53,5 Cent pro Megabyte abrechnen.

Erster Trilog zum Ende
 des italienischen Vorsitzes

Nach dem Willen der EU-Kommission sollen die Roaming-Gebühren zum 15. Dezember 2015 ganz wegfallen. Die Abgeordneten des europäischen Parlaments haben dem als Teil eines ganzen Regulierungspakets in erster Lesung zugestimmt. Seitdem liegt das Dossier beim Ministerrat. EU-Kommissarin Neelie Kroes hatte sich im Juli zuversichtlich gezeigt, die Neuregelung könne noch dieses Jahr beschlossen werden. Nun könnte es jedoch länger dauern als erwartet. In dieser Woche soll sich nach Informationen des „Luxemburger Wort“ eine Arbeitsgruppe des Rates u. a. damit befassen, ob am Stichtag im Dezember 2015 festgehalten werden soll. Mit einem ersten Trilog ist erst zum Ende der italienischen Präsidentschaft zu rechnen.

Auch wenn das Vorhaben zur Abschaffung der Roaming-Gebühren noch nicht in trockenen Tüchern ist, befindet sich der Telekom-Markt vor dem angekündigten Ende bereits kräftig in Bewegung. So bieten die Mobilfunkbetreiber immer mehr und günstigere Roamingoptionen in Form von Pauschalen an. Manche antizipieren auch bereits die neue Regulierung und haben bereits regelrechte Europatarife im Angebot mit festen Flatrates für Anrufe, SMS und Daten. Statt wie in den Jahren zuvor zähneknirschend dem von der Kommission forcierten Preisverfall zuzusehen, hat sich offenbar bei den Netzbetreibern ein Sinneswandel vollzogen.

Den Anfang bei den besagten Europatarifen machten ausländische Anbieter wie die Telekom in Deutschland, die ihren Kunden erlauben, gegen eine geringe monatliche Zusatzgebühr die nationalen Flatrates ihres Smartphones auch im europäischen Ausland zu verbrauchen. Entsprechende Verträge sind derzeit ab circa 32 Euro erhältlich. Doch auch in Luxemburg hat sich in den letzten Wochen wieder einiges getan. Einige Anbieter preschen vor, andere ziehen nach. Dabei ist die Ausgestaltung der verschiedenen Tarife nicht wirklich zu vergleichen. Zu unterschiedlich sind die Optionen und Gesamtpakete. In jedem Fall ist es anzuraten, die Tarife vor Abschluss genau unter die Lupe zu nehmen. Die nachfolgenden Preise beziehen sich auf Tarife ohne Smartphone, da einige Anbieter keine Subventionstarife anbieten.

Der neue luxemburgische Anbieter Join bietet seit Anfang dieses Jahres eine dreifache europäische Flatrate an, wobei das enthaltene Telefonvolumen und die SMS europaweit genutzt werden können. Bei der Datennutzung wurden zunächst nur 10 Prozent des Inlandsvolumens für die europaweite Nutzung bereitgestellt. Inzwischen wurden die Tarife jedoch noch einmal überarbeitet, wie Managing Director Pascal Koster ankündigte. Demnächst bietet Join z. B. für etwa 50 Euro pro Monat einen Europatarif (XL addict) mit 400 Minuten und 600 SMS an. Enthalten ist zudem eine Datenflatrate von 3 GB national, wovon 1 GB auch in Europa genutzt werden kann. „Aber nicht jeder benötigt so große Datenflatrates für die Nutzung im europäischen Ausland. Die meisten Kunden nutzen dort weniger als 500 MB pro Monat“ sagt Koster. Das europäische Datenvolumen liegt daher bei den verschiedenen Standardtarifen unter dem inländischen Volumen – auch um die Tarife nicht unnötig teuer zu machen.

Einige Anbieter preschen
 vor, andere ziehen nach

Bei der Post wurden im Oktober die Smartphonetarife neu gestaltet. Wer einen ständigen Europatarif sucht, muss per Baukastensystem mindestens die Optionen Scoubido L bzw. XL wählen. Für rund 70 Euro bekommt man für die Nutzung in Luxemburg alle Anrufe, Kurznachrichten und Daten inklusive und für die Nutzung in Europa 360 Einheiten für Anrufe und SMS sowie 250 MB Datenvolumen. Als Argumentation für die Gewichtung der Flatrates zugunsten der inländischen Nutzung heißt es bei der Post, dass die Kunden ihre Smartphones im Ausland weniger intensiv nutzten. Auf den Einwand, dass dies umgekehrt auch an der Tarif- und Kostenstruktur liegen könne, verweist Marc Sauer, Mitarbeiter der Kommunikationsabteilung, auf die Möglichkeit Auslandsvolumen gegen Aufpreis hinzubuchen zu können. Das bieten so oder ähnlich auch die meisten Konkurrenten an.

Bei Orange Luxemburg gibt es seit mehreren Wochen den Tarif Hello Europe Intense, der zum Preis von 55 Euro monatlich 480 Einheiten für Telefonate und SMS sowie ein Gigabyte Daten einschließt, die in ganz Europa genutzt werden können. Kürzlich wurde dieses Angebot laut Marketingdirektor Thierry Iafrate nochmals abgerundet. Für 66 Euro (Hello Europe Extra) bekommt man nun z. B. nationale Gespräche, SMS sowie Internet unbegrenzt inklusive und zusätzlich 420 Minuten bzw SMS und 500 MB Daten für die Nutzung in Europa.

Tango wählt im Gegensatz zu den drei übrigen Anbietern eine andere, nutzungsabhängige Herangehensweise in Kooperation mit Vodafone. Wer sein Smartphone außerhalb Luxemburgs in Europa verwendet, zahlt über die Option Vodafone Voyager drei Euro pro tatsächlichem Nutzungstag – wohlgemerkt zusätzlich zum normalen Monatsabo (Tango Smart 50 SIM), das mit unbegrenzten Flatrates für Anrufe, SMS und Daten in Luxemburg 35 Euro kostet. Bei Vodafone Voyager sind Anrufe und SMS in Europa enthalten, während das Datenvolumen in Europa auf 100 MB pro Tag begrenzt ist. Einen Europatarif zum monatlichen Festpreis wie bei den übrigen drei Anbietern gibt es derzeit bei Tango nicht. Laut Sprecherin Emilie Venezia sind jedoch neue Tarife in Planung, um den Kunden eine wirklich nahtlose Nutzung ihrer Smartphones in Europa anzubieten. Dies werde für 2015 erwartet.


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(Archivbild vom 04.08.2013/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.) 
Foto: Daniel Naupold
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