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„Mittlerweile machen wir die Hälfte unseres Umsatzes im Ausland“
Leiten das Unternehmen seit 1987: François und Christian Thiry, die Urenkel des Firmengründers.

„Mittlerweile machen wir die Hälfte unseres Umsatzes im Ausland“

Foto: Anouk Antony
Leiten das Unternehmen seit 1987: François und Christian Thiry, die Urenkel des Firmengründers.
Wirtschaft 31 5 Min. 18.10.2018

„Mittlerweile machen wir die Hälfte unseres Umsatzes im Ausland“

Marco MENG
Marco MENG
Karp-Kneip war das erste Bauunternehmen Luxemburgs, das 1910 ins Handelsregister eingetragen wurde. Durch Firmengründungen und Zukäufe im Ausland ist das Familienunternehmen, das dieses Jahr 120 Jahre alt wird, inzwischen fast ein kleiner Konzern.

Nicht nur die Erzählung einer erfolgreichen Familiensaga, sondern auch ein Stück Luxemburger Wirtschaftsgeschichte: Karp-Kneip asphaltierte fast sämtliche Straßen Luxemburgs sowie die erste Start- und Landebahn des Luxemburger Flughafens. Die Verantwortung der Direktion teilen sich seit 1987 die Brüder Christian (66) und François Thiry (58), Urenkel des Firmengründers, dessen Portrait im Büro neben zahlreichen anderen historischen Fotos aus der Unternehmensgeschichte hängt.

Wenn Sie ganz an die Anfangszeit zurückdenken, als Sie ins Unternehmen eintraten: War es das, was Sie immer schon machen wollten oder hatten Sie damals andere Pläne?

Christian Thiry: Bei mir hat das ganze mit meinem Interesse für Mechanik angefangen. Ich habe einige Zeit in Deutschland bei MAN gearbeitet, zwischendurch ein paar Jahre bei Karp-Kneip in Luxemburg und dann für eine große Baugruppe mehrere Jahre in Frankreich. Durch familiäre Gründe hat es mich irgendwann wieder nach Luxemburg zurückgebracht ... als mich 1976 mein Vater überzeugte, doch in die Firma zu kommen.

François Thiry: Bei mir war es ähnlich. Ich habe Wirtschaftswissenschaften studiert und dann ebenfalls längere Zeit in Frankreich gearbeitet, bis mein Vater auch mich überzeugte, ins Unternehmen zu kommen, wozu auch beigetragen hat, dass wir beiden Brüder uns gut verstanden.

Als Sie 1987 die Firmenleitung übernahmen und das Unternehmen umstrukturierten, taten Sie das, damit Sie sich nicht in die Quere kommen?

Christian Thiry: Nein, überhaupt nicht. Eigentlich war es so, dass wir beide die zwei Firmen „C. Karp-Kneip Constructions S.A.” für Bauarbeiten und „C. Karp-Kneip Matériaux S.A.” für Materialien neu gründeten, und dann die Teile der Vorgängerfirma, die nicht unserem Vater gehörten, dazukauften. Der Großteil des mehr als 5 200 Kilometer umfassenden Luxemburger Straßennetz hat die Firma Karp-Kneip gebaut.

Im Ausland sind Sie aber auch tätig?

François Thiry: Ja, im Jahr 2000 haben wir angefangen, uns an Unternehmen im Ausland zu beteiligen oder sie zu kaufen. Das hat eine Vorgeschichte: Schon in den 1980er Jahre waren wir in Frankreich präsent, mussten aber feststellen, dass man es damals dort als „Luxemburger“ Firma schwer hatte.

Die Tochterfirma „Trabet“ asphaltiert eine Straße in Frankreich.
Die Tochterfirma „Trabet“ asphaltiert eine Straße in Frankreich.
Foto: Karp-Kneip

Deswegen kam unsere Entscheidung, im Ausland Betriebe vor Ort zu etablieren. Das begann im Jahr 2000, als wir in Frankreich das Unternehmen „Stradest“ gründeten, und ging 2002 weiter mit einem Unternehmen in Belgien, an dem wir uns damals beteiligten und das uns heute zu 100 Prozent gehört.

Und diese Firmen sind nur in der Großregion?

François Thiry: Nicht nur. 2015 haben wir ein Unternehmen im Elsass übernommen, wo wir heute 170 Leute sind. Mittlerweile ist es so, dass wir unseren Umsatz zur Hälfte in Luxemburg, zur anderen Hälfte im Ausland erwirtschaften.

Was Luxemburg anbelangt, wird im Bausektor stets Dumping beklagt. Ist das ein Thema?

Christian Thiry: Das ist tatsächlich ein Thema. Das liegt daran, dass Luxemburgs Wirtschaft in den letzten Jahren enorm gewachsen ist. Wir haben das Glück oder das Pech, je nach Sichtweise, dass viele Betriebe rundherum in der Großregion, wo die Wirtschaft lange Zeit nicht so gut lief, nach Luxemburg kamen mit der Folge, dass der Konkurrenzdruck hier recht hoch ist und dadurch die Gewinnmargen gedrückt werden. Wir als Karp-Kneip fahren darum die Strategie, auch nach draußen zu gehen. Zur Zeit haben wir beispielsweise eine Baustelle im südfranzösischen Montélimar, und in Deutschland haben wir bei Waxweiler gerade Erneuerungsarbeiten an der A60 durchgeführt.

Wie hier in Hesperingen sind die meisten Straßen und Straßenbeläge in Luxemburg von Karp-Kneip.
Wie hier in Hesperingen sind die meisten Straßen und Straßenbeläge in Luxemburg von Karp-Kneip.
Foto: Laurent Blum

Die Spezialität von Karp-Kneip ist also Straßenbau ...

Christian Thiry: Wir haben verschiedene Spezialitäten, die aber alle irgendwie mit Straßenbau zu tun haben, Abwasser-, Gasleitungen, Infrastrukturarbeiten. Wir sind aber auch für Privatkunden tätig, ein wichtiger Bereich für uns, und bauen Sport- und Tennisplätze. Zudem haben wir eine Firma, die sich mit Garten- und Forstarbeiten beschäftigt.

Dann kam unsere Entscheidung, im Ausland Betriebe vor Ort zu etablieren.

Daneben sind Sie auch Gesteins- und Asphaltproduzent. Der Asphalt von heute ist aber nicht mehr der von vor fünfzig Jahren?

François Thiry: Nein. Die Technik entwickelt sich immer weiter. Zum einen geht es die Richtung, dass immer mehr Asphalt wiederverwertet wird, zum anderen spielt bei der Produktion der Umweltaspekt eine große Rolle. Die Herstellung muss immer sauberer verlaufen, und hier müssen wir die Luftbereinigung im Auge behalten, damit wir auch noch in zehn, fünfzehn Jahren das Produkt haben, das wir verwenden können.

Was die Zukunft des Unternehmens betrifft: Haben Sie sich schon Gedanken um die Nachfolge gemacht?

Christian Thiry: Mein Sohn Christophe ist bereits einige Jahre in der Firma. Acht, um genau zu sein. Wir hoffen (schmunzelt), dass auch von meinem Bruder wenigstens eine Tochter ins Unternehmen kommt.

François Thiry (ebenfalls schmunzelnd): Man muss dem Nachwuchs immer alle Wege offenlassen. Darum sollen sie selbst ihre Entscheidung treffen. Allein im Straßenbau beschäftigt Karp-Kneip rund 1 000 Mitarbeiter, etwa 600 davon in Luxemburg. Es ist eine Aufgabe, die 120 Prozent von einem verlangt.



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