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Mit "Neistart Lëtzebuerg" die Wirtschaft ankurbeln
Wirtschaft 4 Min. 20.05.2020

Mit "Neistart Lëtzebuerg" die Wirtschaft ankurbeln

Maskenpflicht, Abstandsregeln, regelmäßiges Desinfizieren: Durch die Schutzmaßnahmen gegen die Verbreitung des Corona-Virus werden die Baustellen des Landes sicherer, aber auch langsamer und teurer.

Mit "Neistart Lëtzebuerg" die Wirtschaft ankurbeln

Maskenpflicht, Abstandsregeln, regelmäßiges Desinfizieren: Durch die Schutzmaßnahmen gegen die Verbreitung des Corona-Virus werden die Baustellen des Landes sicherer, aber auch langsamer und teurer.
Foto: Lex Kleren
Wirtschaft 4 Min. 20.05.2020

Mit "Neistart Lëtzebuerg" die Wirtschaft ankurbeln

Pierre LEYERS
Pierre LEYERS
Nach dem über zehn Milliarden Euro umfassenden Rettungspaket der letzten Wochen kündigt Finanzminister Pierre Gramegna zusätzliche Hilfen in Höhe von bis zu 800 Millionen Euro an. Die Regelung zur Kurzarbeit soll bis Jahresende gelten.

Wenn da nicht ein findiger Kommunikationsberater am Werk ist: Mit dem Optimismus verheißenden Motto “Neistart Lëtzebuerg” will die Regierung signalisieren, dass nach der schrittweisen Lockerung des Lockdowns ab sofort die Zeit beginnt, wo die Wirtschaft wieder durchstartet. So formulierte Finanzminister Pierre Gramegna die Botschaft, die von dem neuen Motto vermittelt werden soll.

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Mittwochabend mit Arbeitsminister Dan Kersch und Mobilitätsminister François Bausch – geschickt in Szene gesetzt mit dem Neustart-Slogan im Hintergrund - gab Pierre Gramegna Details zu den neuen Stützungsmaßnahmen bekannt, die die Regierung beschlossen hat, und deren wichtigste Teile Premier Xavier Bettel schon zum Nachmittag angekündigt hatte. 


(de g. à dr.) Xavier Bettel, Premier ministre, ministre d'État ; Paulette Lenert, ministre de la Santé
Bettel und Lenert vorsichtig optimistisch
Premierminister Bettel und Gesundheitsministerin Lenert sind vorsichtig optimistisch. Einen Grund zur Entwarnung sehen sie aber noch nicht.

Am Freitag wird es dann an Wirtschaftsminister Franz Fayot und an Mittelstandsminister Lex Delles liegen, weitere Details zu den Details bekannt zu geben.

Zu dem schon Ende März angekündigten umfassenden Rettungspaket für die strauchelnde Wirtschaft in Höhe von über zehn Milliarden Euro sollen noch weitere 700 Millionen bis 800 Millionen Euro hinzukommen.

Nullwachstum für die nächsten zwei Jahre

Dass die Wirtschaft einen Neustart braucht, daran besteht kein Zweifel. Laut rezenter Statec-Prognose wird das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um sechs Prozent schrumpfen. Im kommenden Jahr werde dann voraussichtlich das Wachstum bei sieben Prozent liegen. Wenn aber Rezession und Aufschwung gegeneinander aufgerechnet werden, so ergibt sich für dieses und nächstes Jahr ein Nullwachstum.

Daher gilt es, so Finanzminister Gramegna, bei Unternehmen und Privatpersonen Liquiditätsengpässe zu vermeiden, und gleichzeitig die Kaufkraft zu stärken.

Neue Hilfen für Horesca-Sektor

Bei ihrem Plan zur Wiederbelebung der Wirtschaft habe sich die Regierung drei Prioritäten gesetzt, sagte Gramegna. Vor allem gelte es, Arbeitsplätze zu erhalten. Zudem solle allen Wirtschaftssektoren, besonders aber den Krisen-anfälligsten, unter die Arme gegriffen werden. Übergreifend müsse das gesamte Hilfspaket dazu dienen, die wirtschaftliche Ausrichtung nachhaltiger zu gestalten.

Im Restaurant- und Gaststättensektor ist die Lage derzeit desolat.
Im Restaurant- und Gaststättensektor ist die Lage derzeit desolat.
Foto: Lex Kleren

Für den arg gebeutelten Hotel-, Restaurant- und Gaststättensektor ist ein Spezialfonds (“Fonds de relance et de solidarité des entreprises”) geschaffen worden. Auch Fitnessstudios, die ebenfalls noch geschlossen sind, können Hilfen aus diesem Fonds beanspruchen. Sobald die Betriebe im Horesca-Sektor wieder aufmachen und Gäste empfangen, können sie die Summe von 1.250 Euro für jeden ihrer Beschäftigten beanspruchen.

Kundenflaute im Einzelhandel überbrücken

Um den Einzelhandel zu unterstützen, der trotz Wiedereröffnung noch Schwierigkeiten hat, wieder in die Gänge zu kommen, stehen 1.750 Euro pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter zur Verfügung, das jeweils für die Monate Juni, Juli und August.

Um den Tourismus in Luxemburg zu fördern, soll jeder Einwohner des Landes, sowie auch jeder in Luxemburg beschäftigte Grenzgänger einen Gutschein von 50 Euro erhalten, der dann bei touristischen Aktivitäten eingelöst werden kann.

Zwar könnten die Friseursalons wieder öffnen. Die Abstandsregeln erlauben aber nur einen reduzierten Betrieb.
Zwar könnten die Friseursalons wieder öffnen. Die Abstandsregeln erlauben aber nur einen reduzierten Betrieb.
Foto: Lex Kleren

Die flächendeckende Kurzarbeitsregelung, die gleich zu Beginn der Krise Mitte März eingeführt wurde, sieht Arbeitsminister Dan Kersch als wichtigstes Instrument, um zu verhindern, “dass aus einer gesundheitlichen Krise, die zur Wirtschaftskrise wird, auch noch eine soziale Krise wird“.

Obwohl die Arbeitsmarktverwaltung am selben Tag beunruhigende Zahlen für den Monat April bekannt gegeben hat – mit 20.253 bei der ADEM eingegangenen Anträgen reicht die Arbeitslosigkeit mit derzeit 6,9 Prozent an den Höchststand von 7,2 Prozent im Jahr 2014 heran – ließ sich Arbeitsminister Kersch seinen Optimismus nicht vermiesen. Die große Welle der Arbeitslosigkeit sei durch die Kurzarbeitszeit verhindert worden, betonte Kersch.

325.000 Beschäftigte in Luxemburg in Kurzarbeit

Insgesamt 725 Millionen Euro seien bislang in die Bezahlung der Kurzarbeit geflossen. 32.000 stattgegebene Anträge auf Kurzarbeit lägen vor, womit 325.000 Gehälter abgesichert werden konnten. Bis zum 31. Dezember 2020 soll die Kurzzeitarbeitsregelung gelten, wobei allerdings ab Juli das System vor der Krise, wobei die Betriebe die Summen für die Gehälter vorstrecken müssen, wieder eingeführt werden soll.

Welcome Back! heißt es im Einzelhandel. Die große Kauflust hat sich aber noch nicht eingestellt.
Welcome Back! heißt es im Einzelhandel. Die große Kauflust hat sich aber noch nicht eingestellt.
Foto: Lex Kleren

"Um Menschen in Arbeit zu halten, muss Arbeit da sein”, betonte Vizepremier und Mobilitätsminister François Bausch. Mit einer antizyklischen Investitionspolitik wolle die Regierung die Wirtschaft stimulieren. An öffentlichen Ausgaben werde weder dieses noch nächstes Jahr gespart, auch wenn die Einnahmen parallel dazu sinken dürften. 

Klimaschonende Investitionen gefördert

Allein in den Ausbau des Schienennetzes werde Luxemburg in diesem Jahr 384 Millionen Euro und im kommenden Jahr 424 Millionen Euro investieren, kündigte er an. Mit einer Investition von 600 Euro pro Einwohner in das umweltfreundliche Schienennetz liege Luxemburg europaweit an der Spitze. 


Construction workers wearing PPE (personal protective equipment), some including face masks, work to build new apartments and a retail complex at Nine Elms in south London on May 14, 2020 following an easing of the novel coronavirus COVID-19 lockdown guidelines. - Prime Minister Boris Johnson has urged people to continue to work at home if they can but said those in sectors such as manufacturing and construction could return if it is safe. (Photo by JUSTIN TALLIS / AFP)
Nach dem Virus die Pleite
Die wirtschaftlichen Folgeschäden der Corona-Krise könnten zu einer Abwärtsspirale führen, die nur schwer zu stoppen ist.

Mittels zahlreicher neuer Prämien solle der private Konsum in eine nachhaltige Richtung gelenkt werden, wobei auch die Betriebe daran verdienen dürften. Die Prämie “Prime House” zur energieschonenden Sanierung wird somit um 50 Prozent erhöht, während auch die Prämien zur umweltfreundlichen Umrüstung der Heizung um 25 Prozent steigen. Für diejenigen, die in der Covid-Krise mit einem Elektrorad liebäugelten, ist jetzt der richtige Moment gekommen. 600 Euro gibt der Staat als Prämie beim Kauf eines Fahrrads mit Elektromotor hinzu.

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