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Mit "Diggi Pack" zum digitalen Wandel
LCGB-Nationalpräsident Patrick Dury.

Mit "Diggi Pack" zum digitalen Wandel

Pierre Matgé
LCGB-Nationalpräsident Patrick Dury.
Wirtschaft 2 Min. 14.02.2019

Mit "Diggi Pack" zum digitalen Wandel

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Unter dem Motto der „menschlichen Gestaltung der Arbeit 4.0“ legt die Gewerkschaft LCGB konkrete Vorschläge zum Umgang mit der Digitalisierung vor.

Wenn man mit den Worten „Digitalisierung“ oder „Digitaler Wandel“ konfrontiert wird, denken die meisten als erstes an Technologie: Ob künstliche Intelligenz, Roboter, Internet der Dinge oder Blockchain – die sprachliche Welt der Digitalisierung ist eindeutig technisch. Was dabei manchmal leicht untergeht ist die Tatsache, dass der Kern der Digitalisierung der Mensch ist.

„Wir mussten bei der ganzen Rifkin-Studie leider feststellen, dass der Faktor Mensch, sei es als Arbeitnehmer oder als Einzelner in der Gesellschaft nur sehr ungenügend in den Diskussionen berücksichtigt wurde“, sagt LCGB-Nationalpräsident Patrick Dury, der das nun verändern möchte.

In seinem neuen Aktionsplan „Diggi Pack“ steht daher eindeutig der Mensch im Mittelpunkt. „Es geht nicht darum, einen Digitalisierungsprozess zu verhindern, der bereits vor 50 Jahren angefangen hat, sondern ihn aktiv zu begleiten und den arbeitenden Menschen in den Mittelpunkt zu stellen“, betont der Gewerkschaftspräsident. Und: „Wir wollen keine digitale Kluft schaffen.“

Neue Arbeitsformen berücksichtigen

Die Gewerkschaft fordert daher, dass die neuen Arbeitsformen wie etwa Telearbeit oder Plattformarbeit im luxemburgischen Arbeitsrecht festgeschrieben werden. Damit soll verhindert werden, dass die neuen Arbeitsformen zu „Scheinselbstständigkeiten“ führen oder Arbeitnehmer von der sozialen Versicherung entkoppelt werden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der bedingungslose Schutz der Privatsphäre. Um diesen zu gewährleisten, setzt sich der LCGB für ein gesetzliches Verbot der Überwachung des Arbeitnehmers außerhalb des Arbeitsplatzes oder der Arbeitszeit durch den Arbeitgeber an. Patrick Dury weist auch darauf hin, dass die Verarbeitung und Speicherung von Daten, die im Rahmen der Arbeitsüberwachung gesammelt werden, der vorherigen Genehmigung durch die nationale Datenschutzkommission (CNPD) bedürfen.

Zudem will der LCGB verbieten, dass Arbeitnehmer nicht mehr rund um die Uhr erreichbar sein müssen. Deshalb muss im Arbeitsrecht das Recht auf digitales Abschalten festgeschrieben werden.

Stressrisiko bewerten

Die Digitalisierung wird auch erhebliche Auswirkungen auf die bestehenden Arbeitsplätze haben. Deshalb ist es laut Patrick Dury wichtig, „vorausschauend“ zu planen, unter anderem was die ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes angeht. Zudem fordert der LCGB die Entwicklung von Messinstrumenten zur Erfassung des Arbeitsaufkommens der Arbeitnehmer. Wichtig sind auch eine Bewertung des Stressrisikos und die Einführung von präventiven Maßnahmen.

In diesem Zusammenhang plädiert die Gewerkschaft auch für die Schaffung eines rechtlichen Rahmens zur Prävention und Verwaltung der psychosozialen Risiken. Um die Digitalisierung im Unternehmen zu verankern, braucht es Fachleute: Die Weiterbildung muss daher gefördert werden. Die Arbeitnehmer müssen verpflichtet werden, zehn Prozent der jährlichen Arbeitszeit in Weiterbildung umzuwandeln.

Bezahlbare Auszeit

Ein weiterer interessanter Punkt ist, eine bezahlbare Auszeit zum Abschluss eines Requalifizierungs- oder Umschulungskurses einzuführen. Doch damit nicht genug: Die Arbeitszeitorganisation muss mit mehr Flexibilität für die Arbeitnehmer einhergehen. Patrick Dury fordert die Einführung von Zeitsparkonten im Privatsektor und einen „uneingeschränkten Anspruch“ auf Teilzeitbeschäftigung für Arbeitnehmer in Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten. „Für alle anderen Arbeitnehmer gilt der Anspruch auf Teilzeitarbeit nur im Falle der Betreuung von Kindern oder eines Familienmitgliedes“, so Patrick Dury.

Es müssen zudem neue Modelle zur Arbeitszeitverkürzung ermöglicht werden.

Die Existenzsicherung der Arbeitnehmer muss mit Auffangstrukturen garantiert sein. Arbeitnehmer, die mit der Digitalisierung nicht Schritt halten oder die ihren Arbeitsplatz verloren haben, sollten gemeinnützige Arbeit erhalten können.


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