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Mit Bier reich geworden
Wirtschaft 4 Min. 04.06.2021 Aus unserem online-Archiv

Mit Bier reich geworden

Jedes dritte Bier auf der Welt, das durch durstige Kehlen fließt, wird in einer Brauerei von AB/Inbev hergestellt.

Mit Bier reich geworden

Jedes dritte Bier auf der Welt, das durch durstige Kehlen fließt, wird in einer Brauerei von AB/Inbev hergestellt.
Foto: Lw-Archiv
Wirtschaft 4 Min. 04.06.2021 Aus unserem online-Archiv

Mit Bier reich geworden

Der belgische Staat will abkassieren und am Vermögen der Bier-Gräfin Amicie de Spoelberch mitverdienen.

Von LW-Korrespondent Helmut Hetzel  (Leuven)

Bier macht reich. Das weiß die Familie Heineken in Holland, die über eine ausgeklügelte Holding-Konstruktion immer noch die Mehrheit der Aktien an der zweitgrößten Bierbrauerei der Welt besitzt. Charlene, die Erbin und Tochter des legendären Freddy Heineken, ist mit einem geschätzten Vermögen von 5,0 Mrd. Euro heute die reichste Niederländerin. Charlene wohnt in der Schweiz.

Bier macht reich. Das wissen auch einige adelige belgische Familien, die bei der Gründung des heute weltgrößten Bierkonzerns Anheuser Busch/Inbev (AB/Inbev) an dessen Wiege standen. AB/Inbev braut so bekannte Biere wie Budweiser, Stella Artois, Corona, Beck's, Leffe, Löwenbräu, und viele mehr. Jedes dritte Bier auf der Welt, das durch durstige Kehlen fließt, wird in einer Brauerei von AB/Inbev hergestellt. Der Bierausstoß von AB/Inbev betrug im zurückliegenden Jahr 2020 530,6 Millionen Hektoliter. Der von Heineken ist nur halb so groß. Im zurückliegenden ersten Quartal 2021 legten die Bierverkäufe bei AB/Inbev um fast zwölf Prozent auf 12,3 Milliarden Dollar zu. Es ist mit einem AB/Imbev-Jahresumsatz in 2021 von mindestens 50 Milliarden Dollar zu rechnen. Hauptsitz des weltgrößten Bier-Imperiums ist die flämische Stadt Leuven bei Brüssel.


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Großaktionäre an AB/Inbev sind einige belgische adelige Familien, darunter die Grafen De Spoelberch.

Von Stella Artois au AB/Inbev

Gräfin Amicie de Spoelberch erbte von ihrem Großvater Adolphe de Spoelberch, der zu den Gründern der bekannten belgischen Bierbrauerei Stella Artois gehörte, die wiederum heute Teil des riesigen AB/Inbev-Bierkonzerns ist, ein großes Aktienpaket an Stella Artois. Diese wurden im Zuge des Auf- und Ausbaus des Bierkonzerns zur heutigen AB/Inbev in AB/Inbev-Aktien umgewandelt. Amicie de Spoelberch soll ein Aktienpaket von rund acht Millionen AB/Inbev-Aktien besessen haben, berichtet die Brüsseler Zeitung „Le Soir.“ Sie konnte allein von den Dividendenausschüttungen, die sie erhielt, in Saus und Braus leben. Wie sie an das viele Geld kam, das interessierte die Gräfin Amicie de Spoelberch viele Jahre überhaupt nicht.

Dann lernt die steinreiche Gräfin den gebürtigen Serben mit belgischem Pass Luka Bailo kennen und lieben. Sie heiratet ihn im Alter von 79 Jahren ohne einen Ehevertrag abzuschließen in Gütergemeinschaft, obwohl ihre Familie sie vor diesem Mann, der bei der Polizei nicht unbekannt war und der gerne in Kasinos am Spieltisch saß, gewarnt hatte. Luka Bailo, der 14 Jahre jünger als Gräfin de Spoelberch war, brachte die Bier-Gräfin sogar soweit, dass sie dessen beiden Söhne Alexis und Patrice adoptierte.

Anwältin hat das Vertrauen verspielt

Die steinreiche Gräfin Amicie de Spoelberch galt als weltfremd und lebte wie eine Prinzessin. Schließlich beauftragen sie und ihr Mann Luka Bailo die Anwältin Farida Chorfi damit, ihr Vermögen zu verwalten, weil sie das selbst nicht konnten. Die Anwältin witterte ihre Chance, selbst reich zu werden und an einen Teil des Geldes von Gräfin Amicie de Spoelberch zu kommen. Zuerst öffnet Anwältin Chorfi der Bier-Gräfin die Augen und erklärt ihr ihre Vermögensverhältnisse. Es wird beschlossen, zwei Vermögensverwaltungsgesellschaften zu gründen – eine in Luxemburg, die andere auf den britischen Jungferninseln. Dann am 19. Oktober 2004 stirbt Luka Bailo in Alter von nur 68 Jahren an Krebs.


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Nun melden die beiden Brüder und von der Gräfin adoptierten Söhne von Luka Bailo, Alexis und Patrice, Erbansprüche an. Es kommt zu einem Rechtsstreit. Gräfin Amicie ändert ihr Testament. Die Anwältin Farida Chorfi regelt das juristisch für sie und setzt sich selbst als Miterbin ein. Wegen dieses Betrugs wird Anwältin Farida Chorfi 2016 von einem Gericht in Luxemburg verurteilt.

Anwältin Farida Chorfi hat das Vertrauen der Bier-Gräfin Amicie de Spoelberch verspielt. Die sucht sich neue Anwälte in Luxemburg und in der Schweiz. Sie macht mit ihnen ein neues Testament und enterbt ihre beiden Adoptivsöhne Alexis und Patrice. Sie setzt die Stiftung ´´Stichting Roger de Spoelberch´´ als Alleinerbin ein und gründet zwei weitere Stiftungen.

Amicie de Spoelberch stirbt in Alter von 86 Jahren im Jahr 2008 in ihrem Appartement in Brüssel. Die von ihr adoptierten und enterbten Söhne, die Brüder Alexis und Patrice, wollen nun an ihre Erbschaft. Sie schalten die bei Amicie de Spoelberch in Ungnade gefallene Anwältin Farida Chorfi wieder ein. Ein neues juristisches Gefecht zwischen den von Gräfin Amicie de Spoelberch gegründeten Stiftungen und ihren enterbten Adoptivsöhnen beginnt. 

Fiskus öffnet Jagd nach Erbschaftssteuern

Wie durch ein Wunder einigt man sich am 23. September 2010 auf einem Treffen in Genf in der Schweiz. Die enterbten Adoptivsöhne erhalten 589 Millionen Euro aus dem riesigen Vermögen der Stiftungen der Bier-Gräfin. Die von Gräfin Amicie de Spoelberch gegründete Stiftung „Roger de Spoelberch“ erbt das Vermögen ihres Bruders Roger, der kinderlos stirbt und seine Schwester Amicie als Alleierbin einsetzt und der ebenfalls ein riesiges Vermögen hinterlässt, das hauptsächlich aus Aktien des Braukonzerns AB/Inbev besteht.


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Der Brüsseler Zeitung „Le Soir“ wurden die Erbschaftsregelungen von Gräfin Amicie de Spoelberch nun zugespielt. Die Zeitung veröffentlichte Teile daraus. Der belgische Fiskus las mit. Er eröffnet jetzt die Jagd nach Erbschaftssteuern. Er hat vor allem die beiden Adoptiv-Söhne Alexis und Patrice in Visier – aber auch die Stiftung „Roger de Spoelberch.“

Nun will der belgische Staat abkassieren und am Vermögen der Bier-Gräfin Amicie de Spoelberch mitverdienen.

 

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