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Milliarden-Deal: Alstom will Bombardier-Zugsparte kaufen
Wirtschaft 3 Min. 17.02.2020

Milliarden-Deal: Alstom will Bombardier-Zugsparte kaufen

Mitarbeiter gehen am Werk von Bombardier im ostdeutschen Görlitz vorbei.

Milliarden-Deal: Alstom will Bombardier-Zugsparte kaufen

Mitarbeiter gehen am Werk von Bombardier im ostdeutschen Görlitz vorbei.
Foto: Oliver Killig/dpa-Zentralbild/dpa
Wirtschaft 3 Min. 17.02.2020

Milliarden-Deal: Alstom will Bombardier-Zugsparte kaufen

Die großen Bahntechnik-Konzerne Alstom, Siemens und Bombardier ringen seit langem um Zusammenschlüsse, um der chinesischen Konkurrenz Paroli zu bieten. Nun steht ein neuer Milliardendeal an.

(dpa) - Der französische TGV-Hersteller Alstom will die Zugsparte des kanadischen Konkurrenten Bombardier übernehmen. Dafür solle ein Preis in der Spanne von 5,8 Milliarden Euro bis 6,2 Milliarden Euro gezahlt werden, wie Alstom am Montagabend am Saint-Ouen-sur-Seine bei Paris mitteilte. Eine entsprechende Absichtserklärung („Memorandum of Understanding“) sei unterzeichnet worden.

Damit bahnt sich unter großen Zugherstellern aus der Not heraus ein neuer Zusammenschluss an. Das künftige Unternehmen käme auf einen Umsatz von gut 15 Milliarden Euro. Die Übernahme könnte jedoch auf erheblichen Widerstand der Kartellbehörden stoßen. Die Hürden für ein Zusammengehen sind hoch. Der TGV-Hersteller Alstom war erst vor einem Jahr an Bedenken der EU-Wettbewerbskommission mit dem Versuch gescheitert, mit Siemens Mobility zu fusionieren.

Kartellrechtliche Hürden

Bombardier ist in der Krise. Dessen Zugsparte sitzt in Berlin und beschäftigt in Deutschland Tausende Mitarbeiter. Die Transaktion wäre somit auch von großer Bedeutung für Deutschland. Von den insgesamt 40.650 Mitarbeitern, die laut dem Unternehmen zuletzt in 60 verschiedenen Ländern tätig waren, arbeiten nach Gewerkschaftsangaben rund 6500 Stammbeschäftigte in Deutschland. Hinzu kommen rund 1100 Leiharbeiter. 


EU Commissioner for Competition Margrethe Vestager speaks during the EU Commissioners' Weekly College meeting at the European Commission headquarters in Brussels on February 6, 2019. (Photo by Aris Oikonomou / AFP)
Siemens-Alstom-Fusion: Im Zweifel für den Wettbewerb
Die Fusion von Siemens und Alstom, dem französischen Konkurrenten im Bahnbereich, schadet dem europäischen Verbraucher, urteilt EU-Kommissarin Margrethe Vestager. Dafür erntet sie Kritik aus Berlin und Paris.

Die IG Metall geht davon aus, dass ein Zusammenschluss von Bombardier und Alstom kartellrechtlich so zu bewerten sei wie die von der EU-Kommission untersagte Fusion von Siemens und Alstom im vergangenen Jahr. Sollte es doch dazu kommen, werde die IG Metall keine einseitige Konsolidierung in Deutschland akzeptieren. Die Gewerkschaft forderte die Bundesregierung auf, sich aktiv in die Gespräche von Bombardier und Alstom einzuschalten.

Das ist eine hervorragende Nachricht für Frankreich, für Europa und für Kanada.

Bruno Le Maire

Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire will mit der EU-Kommission über die Übernahme beraten. Ein Gespräch mit EU-Kommissions-Vizepräsidentin Margrethe Vestager sei bereits am (morgigen) Dienstag geplant, teilte Le Maire in Paris mit. Er begrüßte ausdrücklich den beabsichtigten transatlantischen Deal: „Das ist eine hervorragende Nachricht für Frankreich, für Europa und für Kanada.“

Alstom war erst vor einem Jahr an Bedenken der EU-Kommission mit dem Versuch gescheitert, mit der Zugsparte von Siemens zu fusionieren. Siemens und Alstom wollten im Bahnbereich fusionieren, um im globalen Wettbewerb besser aufgestellt zu sein. Die beiden Schwergewichte nahmen dabei vor allem den weltweit größten Zughersteller aus China, CRRC, ins Visier.

Bombardier beschäftigt mehrere tausend Menschen in Deutschland.
Bombardier beschäftigt mehrere tausend Menschen in Deutschland.
Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Alstom bezahlt mit Aktien und Cash

Mit der Übernahme erhöht Alstom nach eigenen Angaben seinen Auftragsbestand auf 75 Milliarden Euro und werde einen Umsatz von rund 15,5 Milliarden haben. Alstom will den Kaufpreis in bar und in Aktien zahlen. Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge sprach von einer „einzigartigen Gelegenheit, unsere globale Position auf dem boomenden Mobilitätsmarkt zu stärken“. Bombardier Transportation werde Alstom eine zusätzliche geografische und industrielle Präsenz in wachsenden Märkten sowie weitere technologische Plattformen bieten.

Bisher konkurrieren Alstom und Bombardier in vielen Bereichen. So baut Alstom etwa die französischen TGV-Hochgeschwindigkeitszüge, Regionalzüge, Metros und Straßenbahnen, bietet aber auch technische Lösungen für Schienen- und Signaltechnik an. Bombardier ist mit seinen Zefiro-Hochgeschwindigkeitszügen in China und Italien im Geschäft. Auch Schienen- und Signaltechnik, Regionalzüge sowie U- und Straßenbahnen kommen von dem kanadisch-deutschen Hersteller, der auch an den ICE-Zügen von Siemens mitarbeitet. In Luxemburg fährt die CFL teilweise mit Bombardier-Rollmaterial.

C-Serie als Milliardengrab

Ärger gab es zuletzt mit den neuen Intercity-Zügen von Bombardier. Die Deutsche Bahn gab Ende Januar bekannt, dass sie 25 Exemplare wegen technischer Mängel nicht abnehmen werde. Auch beim Flaggschiff ICE 4 gab es Produktionsmängel, Siemens verwies bei dem Fehler ebenfalls auf Bombardier.

Viele europäische Eisenbahnbetreiber setzen auf Bombardier-Züge.
Viele europäische Eisenbahnbetreiber setzen auf Bombardier-Züge.
Foto: dpa/Sebastian Kahnert

Bombardier ist finanziell schwer angeschlagen. Um zu Geld zu kommen, stieg der Konzern vergangene Woche bereits bei dem gemeinsam mit Airbus gebauten Kurz- und Mittelstreckenjet Airbus A220 aus. Die Kanadier hatten den Flieger unter dem Namen Bombardier C-Serie für mehr als sechs Milliarden US-Dollar selbst entwickelt, sich dabei aber finanziell verhoben. Die Bombardier-Führung suchte nach weiteren Möglichkeiten, den Schuldenberg des Konzerns abzutragen. Insgesamt bringt es der in Montreal ansässige Mutterkonzern Bombardier auf mehr als 68.000 Mitarbeiter.


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