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Mikrofinanzinstitutionen engagieren sich gegen den Terror
Auch wenn die Zahl der Anschlagopfer weltweit sinkt – der Kampf gegen Terrorismusfinanzierung geht weiter.

Mikrofinanzinstitutionen engagieren sich gegen den Terror

Foto: Shutterstock
Auch wenn die Zahl der Anschlagopfer weltweit sinkt – der Kampf gegen Terrorismusfinanzierung geht weiter.
Wirtschaft 2 Min. 25.10.2018

Mikrofinanzinstitutionen engagieren sich gegen den Terror

Mara BILO
Mara BILO
Die Terrorismusbekämpfung steht weiterhin weit oben auf der Liste der politischen Prioritäten der Regierungen. Ein Mittel, um Terrorattacken zu verhindern: den Geldhahn zudrehen. Bei Mikrofinanz ist es besonders wichtig, dass das Geld den richtigen Empfänger erreicht.

Mikrofinanz hat im sogenannten Süden der Welt schon fast Tradition. Seit den 1990er-Jahren werden die relativ kleinen Beträge, die Menschen aus schwachen Verhältnissen bei Mikrofinanzinstitutionen beantragen können, als erfolgreiches Mittel gegen Armut in den Entwicklungsländern anerkannt. Und in Luxemburg wird diese Art von Entwicklungshilfe ganz groß geschrieben: Nach Angaben der Promotionsagentur „Luxembourg For Finance“ machen luxemburgische Fonds immerhin 61 Prozent des Vermögens der Mikrofinanz-Investitionsvehikel aus (Stand: 2015).

Aber, wenn die Mikrofinanzindustrie auf eine durchaus positive Bilanz zurückblicken kann, zeigt die Erfahrung doch, dass manche der für die Armutsbekämpfung gemeinten Gelder nicht den richtigen Empfänger erreichen. Und bei der Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung kommt den Mikrofinanzinstitutionen eine besonders wichtige Rolle zu – davon ist die luxemburgische Nichtregierungsorganisation „Appui au développement autonome“ (ADA), die Mikrofinanzinstitutionen in Entwicklungsländern unterstützt, überzeugt. „Die Europäische Union hat strenge Rechtsvorschriften zur Bekämpfung der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung erlassen, die ins luxemburgische Rechtssystem übernommen wurden“, erklärte Sundhevy Debrand, Mitglied der „Association luxembourgeoise des Compliance Officers“ (ALCO), bei einer von ADA organisierten Konferenz.

(v.l.n.r.) Sundhevy Debrand (ALCO), Luc Vandeweerd (ADA) und Azartou Sondo (FCPB).
(v.l.n.r.) Sundhevy Debrand (ALCO), Luc Vandeweerd (ADA) und Azartou Sondo (FCPB).
Foto: Chris Karaba

Und um sicherzustellen, dass die Entwicklungsgelder auch in die richtigen Hände gelangen, ist das Einhalten der Kontrollprozesse sehr wichtig, wie Sundhevy Debrand betont: „Mikrofinanzinstitutionen im Süden der Welt müssen eine gute Kenntnis ihrer Kunden sowie der finanziellen Transaktionen haben.“

Digitale Möglichkeiten

Allerdings ist das Einhalten solcher Standards eine große Herausforderung für Entwicklungsländer, so Azaratou Sondo, die stellvertretende Generaldirektorin des „Réseau à la faîtière des caisses populaires du Burkina“ (FCPB) in Burkina Faso ist. Sie berichtet von ihrer Erfahrung: „Frauen, die in einem sozial benachteiligten Umfeld wie etwa ländliche Gebiete leben, besitzen oft keine Identitätspapiere.“ Da aber Mikrofinanzinstitutionen die europäischen Kontrollstandards einhalten müssen, helfen sie den betroffenen Menschen, an die nötigen Identifikationspapiere zu kommen – darauf weist Azaratou Sondo hin.


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Eine Geldspritze kann viel bewirken. Dass Menschen sich damit sogar eine sichere Zukunft aufbauen, zeigt die Luxemburger Nichtregierungsorganisation ADA. Sie unterstützt Mikrofinanzinstitute in Marokko und hilft so Kleinunternehmern bei deren Entwicklung.

Auch erzählt die stellvertretende Generaldirektorin, dass es in den vergangenen Monaten viele Terroranschläge in Burkina Faso gab. „Manche Teile des Landes sind gefährlich geworden; dort ist es schwer, Mikrokredite anzubieten, besonders, wenn sie bar ausgezahlt werden.“ Sie schlägt deswegen einen bargeldlosen Zahlungsverkehr vor: „Eine gute Lösung wären digitale Finanzmöglichkeiten – schließlich hat jeder mittlerweile ein Telefon. Allerdings ist das mit hohen Kosten verbunden.“

Sundhevy Debrand ist ihrerseits auch überzeugt, dass digitale Mittel die Zukunft sind: „Um die Identität der Mikrofinanzkunden zu überprüfen, könnte man sich neben seinen Identifikationspapieren fotografieren.“


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