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Mikrofinanz: Klimawandel trifft die Ärmsten
Runa Khan, Jérôme Broutin und Carla Palomares.

Mikrofinanz: Klimawandel trifft die Ärmsten

Foto: ADA
Runa Khan, Jérôme Broutin und Carla Palomares.
Wirtschaft 3 Min. 24.04.2015

Mikrofinanz: Klimawandel trifft die Ärmsten

Gestern fand im Auditorium der Banque de Luxembourg der 33. „Midi de la Microfinance“ statt. Die Veranstaltung wurde von der ADA gemeinsam mit Lux-Development, InFiNe und der Banque de Luxembourg organisiert.

(cdc) - Diskutiert haben Runa Khan, Gründerin und CEO der gemeinnützigen Organisation Friendship, Carla Palomares, Projektmanagerin bei der ADA und Jérôme Broutin, CFO der GDF Suez Rassembleurs d'Energies, über die Rolle der Mikrofinanz im Kampf gegen den Klimawandel.

Anhand von Beispielen erläuterten die Gastredner, wie wichtig es sei in Zukunft die Problematik des Klimawandels bei den Mikrofinanzaktivitäten einzubeziehen. Um der Lösung der Probleme der Armut und gleichzeitig des Klimawandels näher zu kommen, sei eine holistische Herangehensweise notwendig, erklärte Runa Khan. Ihre Überlegungen verdeutlichte sie am Beispiel der Elektrizitätsversorgung in schwer zugänglichen Regionen in Bangladesch.

Insbesondere für die extrem arme Bevölkerung können die Folgen des Klimawandels über Leben und Tod entscheiden, meinte Runa Khan. Ein holistisches Modell sei notwendig, um die Lage in den ärmsten Regionen der Welt nachhaltig zu verbessern. Die arme Bevölkerungsschicht stehe nämlich auf Treibsand – eine solide Basis sei notwendig, damit die entwicklungsökonomischen Maßnahmen langfristig ihre Früchte tragen können.

Ein holistisches Modell, erklärt Runa Khan, beinhaltet die Versorgung mit Gesundheitsdienstleistungen (von der Medikamentenverabreichung bis zu chirurgischen Eingriffen), den Zugang zu Bildung und im Bedarfsfall auch der Katastrophenhilfe. Erst wenn diese Grundversorgung gewährleistet sei, solle die Projektfinanzierung zur weiteren regionalen Entwicklung beginnen.

Und Runa Khan ist entschlossen: „Wir haben uns entschieden, in den am schwersten zugänglichen Regionen, dort wo die Menschen wirklich nichts haben, zu helfen.“ Da die Folgen des Klimawandels in diesen Regionen verheerend sind, wird bei sämtlichen Entwicklungsprojekten der Aspekt des Klimawandels berücksichtigt. 

Elektrizität ermöglicht Synergieeffekte

Runa Khan erläutert wie durch die Finanzierung von Technik zur Elektrizitätserzeugung die wirtschaftliche Entwicklung in einer Region gefördert werden konnte und gleichzeitig die Problematik des Klimawandels dabei berücksichtigt wurde: das Ersetzen von Kerosinlampen durch Elektrizität. Die Finanzierung muss natürlich so umgesetzt werden, dass die finanzielle Lage der Nutzer nicht gefährdet wird. Denn die Versorgung mit Elektrizität in schwer zugänglichen Regionen ist vergleichsweise teuer. Allerdings, der Nutzen ist beträchtlich, denn die Elektrizität ermöglicht Synergieeffekte. Durch den Einsatz von nur einer Lampe können die Kinder für die Schule lernen, Frauen nähen und die Männer die Öffnungszeiten ihrer Geschäfte verlängern.

Die Finanzierung der Projekte muss auch so gestaltet sein, dass die Empfänger das Geld zurückbezahlen können. Andernfalls würden sich diese nämlich weiter verschulden. Gesundheitsdienstleistungen, Schulungen und Weiterbildungen sind notwendig, damit die Geldempfänger ihre Projekte langfristig selbständig durchführen können.

Carla Palomares erklärte die Aufgabe der „Abteilung für Innovationen in der Mikrofinanz“ sei die Mikro-Versicherung, das Remittance-Geschäft, die Finanzierung von Start-ups, die Kreditvergabe für landwirtschaftliche Geräte sowie die Vermietung von umweltfreundlichen Technologien. Auch die ADA legt bei der Projektunterstützung Wert auf die Berücksichtigung des Klimawandels. 

Zwei-Hände-Modell

Die ADA hat ein sogenanntes Zwei-Hände-Modell vorgeschlagen. Dabei handelt es sich um eine Partnerschaft zwischen Mikrofinanzinstitutionen und den Anbietern umweltfreundlicher Technologien. Die ADA fungiert als Vermittler und schlägt die notwendige Brücke zwischen beiden: auf der einen Seite sind die Mikrofinanzinstitutionen, die die Bedürfnisse der Bevölkerung kennen und Entwicklungsprojekte implementieren möchten. Auf der anderen Seite sind die Technologieanbieter, die nicht wissen wie sie ihre Technologie auf den regionalen Markt bringen und somit an die Bevölkerung weitergeben können.

Jérôme Broutin betonte die Bedeutung von Schulungen für den nachhaltigen Erfolg der Projekte, denn nur so könnten die Empfänger die Anlagen selbst betreiben und warten.