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Messe-Chef: „Wir haben einen öffentlichen Auftrag“
Wirtschaft 4 Min. 11.10.2019

Messe-Chef: „Wir haben einen öffentlichen Auftrag“

Morgan Gromy, Geschäftsführer von „Luxexpo The Box“, denkt über neue Konzepte für die Messebranche nach.

Messe-Chef: „Wir haben einen öffentlichen Auftrag“

Morgan Gromy, Geschäftsführer von „Luxexpo The Box“, denkt über neue Konzepte für die Messebranche nach.
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 4 Min. 11.10.2019

Messe-Chef: „Wir haben einen öffentlichen Auftrag“

Thomas KLEIN
Thomas KLEIN
Das „Luxemburger Wort‘ sprach mit Morgan Gromy, dem Geschäftsführer von „Luxexpo The Box“ über die Zukunft der Ausstellungsbranche und des Messestandorts Luxemburgs.

Morgan Gromy, die Computermesse CeBit hat im letzten Jahr ihre Aktivitäten eingestellt. Die diesjährige Automobilmesse IAA wurde von Ausstellern und Besuchern zum Teil scharf kritisiert. Ist die Messebranche in der Krise? 

Nein. Meiner Meinung nach befindet sie sich nicht in der Krise, aber in einer Phase der Transformation. Früher haben vor allem der Messeveranstalter und Aussteller entschieden, was ausgestellt wird oder welche Besucher angesprochen werden. 

Aber seit etwa fünf Jahren bestimmt zunehmend der Konsument, wie erfolgreiche Messen aussehen sollen. Der Markt hat sich komplett verändert. Die Messebesucher kommen heute nicht mehr nur wegen der Ausstellungen oder um sich zu informieren, sondern sie wollen ein umfassendes Erlebnis, mit Ständen, Konzerten, Vorträgen, Aktionen – ein bisschen von allem an einem Ort. Sie verlangen eine emotionale Erfahrung. Der große Trend geht in Richtung „Festivalisierung“ solcher Events. 

Wie verändern Sie Ihre Veranstaltungen, um diesen Trends gerecht zu werden? Die Springbreak, die die Frühlingsmesse ersetzt hat, ist für uns so eine Art Labor. Hier experimentieren wir mit neuen Formaten und gehen neue Wege. Wenn etwas hier funktioniert, implementieren wir das auch bei anderen Events. 

Können Sie uns ein paar Beispiele für neue Formate geben?
Wir haben festgestellt, dass Kunden nicht einfach kommen, weil sie etwas kaufen möchten. Sie wollen das Produkt testen, damit experimentieren. Daher gab es zum Beispiel auf der Springbreak einen Testbereich für Mobilität. Dort konnte man E-Bikes oder E-Scooter in der Halle ausprobieren oder die Besucher konnten in einen selbstfahrenden Bus einsteigen. 

Bei der „Home & Living“ wird es zum Beispiel einen Escape-Room mit dem Motto „Halloween“ geben, eine Fotoausstellung zu „Urban Exploration“ oder Konferenzen zur Zukunft des Wohnens. 

Was haben Sie bei diesen Testläufen gelernt?
Dass die Öffentlichkeit schneller auf solche Angebote reagiert als die Aussteller oder die Industrie. Als wir mit dem Konzept anfingen, waren wir darauf eingestellt, dass das ein Langzeitprojekt wird, aber die Besucher haben das sehr schnell angenommen. Wir müssen jetzt noch die Aussteller überzeugen, dass sie ihre Angebote an ein neues Publikum anpassen. 

Wie wollen Sie den Mentalitätswandel bei den Ausstellern herbeiführen? 
Die Konsumenten verändern ihr Verhalten überall, nicht nur im Rahmen von Messen. Wenn die Aussteller ihre Kunden nicht an digitale Konkurrenten verlieren wollen, müssen sie sich bewegen. Sie müssen die Ausstellungen nutzen, damit die Kunden ihre Produkte hautnah erleben können. 

So können Messen trotz Digitalisierung in Zukunft wachsen. Bei uns hat sich seit 20 Jahren die Zahl der Events etwa verzehnfacht. In der Zeit konnten wir die Aussteller vervierfachen und die Besucher verdoppeln. Die Digitalisierung ist für uns kein Problem, sondern eine Chance. 

Auf der anderen Seite weisen sie in den letzten Jahren Verluste auf. Wie kann das trotz wachsender Besucherzahlen sein?
Ja, aber das ist lediglich ein technischer Verlust, weil wir 20 Millionen Euro in unsere Gebäude und die Infrastruktur investiert haben. Dann ist es normal, dass man zunächst Verluste macht. Die Ausgaben waren aber wichtig für die Entwicklung der Messe. 

Wenn man diese Investitionen rausrechnet, arbeiten wir profitabel. Wir dürfen aber nicht nur die reinen Jahresergebnisse betrachten, sondern für uns sind die mehrjährigen Planungen wichtiger und da sind wir zwei Jahre vor unseren Zielen. Die Zahlen der Aussteller, der Events, der Besucher und Flächenauslastung zeigen alle nach oben. 

Ab wann sind Sie denn wieder profitabel?


Inauguration/ouverture salon Home & Living Expo, photo : Caroline Martin©
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In etwa fünf bis sechs Jahren. Wie gesagt, ist diese Frage nicht so entscheidend für uns. Wenn es nur darauf ankommen würde, profitabel zu sein, könnten wir das ab morgen sein. Es kommt aber auf die Evolution der anderen Kennzahlen an. Wir schauen daher nicht zu sehr auf kurzfristige Gewinne, wir haben auch einen öffentlichen Auftrag. 


Worin besteht dieser? Was sind denn die langfristigen Ziele von Luxexpo?
 
Wir haben eine neue Roadmap „Perspektive 2022“ erarbeitet. Darin formulieren wir drei Ziele: Zum einen wollen wir die Sichtbarkeit Luxemburgs international erhöhen, insbesondere im Bereich der von der Regierung definierten ökonomischen Prioritäten. 

Dann wollen wir durch unsere Veranstaltungen direkte positive wirtschaftliche Effekte für die Unternehmen erzielen, zum Beispiel durch Aufträge, die sie im Rahmen einer Messe erhalten. Für uns kommen erst an dritter Stelle unsere Geschäftszahlen.

Was tun Sie konkret, um diese Ziele zu erreichen?
Wir arbeiten Hand in Hand mit der Regierung und den wichtigsten Stakeholdern im Land, um Events nach Luxemburg zu holen, die in Verbindung mit den ökonomischen Prioritäten des Landes stehen. 

Dabei stehen vor allem Kongresse im Mittelpunkt, die, anders als Konferenzen, meistens über mehrere Tage gehen und internationaler sind. Die bringen die größte Sichtbarkeit mit sich. Das ist auch wichtig, um das Land für Spezialisten und Unternehmer aus den jeweiligen Wirtschaftsbereichen attraktiver zu machen. Dabei ist es nicht entscheidend 100 große Kongresse aufzusetzen; zwölf bis 15 im Jahr reichen aus. 

Es ist entschieden worden, dass die Messe bis spätestens 2028 einen neuen Standort bezogen haben muss. Ist das eine Gelegenheit, das Gelände so zu gestalten, dass es zu den von Ihnen beschriebenen neuen Eventformen passt? 


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Ja, wir wollen Konzepte erstellen, die es bisher noch nicht für eine Messe gegeben hat. Die Messe sollte nicht mehr isoliert vom Rest der Stadt sein, sondern integriert in das tägliche Leben: Das neue Gelände sollte Wohnungen, Messehallen, Firmen, Shoppingmalls, Restaurants und vielleicht auch „Urban Farming“ einschließen. 

Wir müssen von horizontalen Konzepten wegkommen, wo eins neben dem anderen existiert, hin zu stärker integrierten vertikalen Konzepten. 

Haben Sie denn schon Fortschritte gemacht bei der Suche nach einem neuen Standort?
Wir führen viele Gespräche, aber bisher wurde noch keine Entscheidung getroffen.


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