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Mehr Transparenz bei Bankgebühren gefordert
Wirtschaft 3 Min. 27.02.2018 Aus unserem online-Archiv

Mehr Transparenz bei Bankgebühren gefordert

Für den Durchblick: Ein Vergleichsportal soll den Gebühren-Dschungel lichten.

Mehr Transparenz bei Bankgebühren gefordert

Für den Durchblick: Ein Vergleichsportal soll den Gebühren-Dschungel lichten.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 3 Min. 27.02.2018 Aus unserem online-Archiv

Mehr Transparenz bei Bankgebühren gefordert

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Im Zusammenhang mit den umstrittenen Bankgebühren für ältere und in der Mobilität eingeschränkte Menschen fordert Finanzminister Pierre Gramegna mehr Transparenz von den luxemburgischen Banken.

Monatelang machte der Luxemburger Verbraucherschutz ULC gegen die angeblich „horrenden“ Gebühren auf Bank- und Postscheckkonten in Luxemburg mobil; mehr als 10 000 Luxemburger unterschrieben die Petition innerhalb eines Jahres. Und auch die Politik war aufgefordert, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass der betroffene Kundenkreis nicht länger benachteiligt wird.

Nach einem Gespräch mit der ULC am 25. Oktober vergangenen Jahres erklärte Finanzminister Pierre Gramegna, dass er sich mit den Bankverantwortlichen zusammensetzen, über mögliche Lösungen reden und sich darüber informieren will, mit welchen Maßnahmen die Banken den „personnes vulnérables” entgegenkommen wollen. Was sich aus seinen Gesprächen mit den fünf Verantwortlichen von Raiffeisen Bank, Banque et Caisse d'Epargne de l'Etat, BGL BNP Paribas, Post Luxemburg und BIL ergab, darüber informierte Pierre Gramegna heute die Mitglieder der parlamentarischen Finanzkommission. Ein Vergleich der derzeitig gültigen Bankgebühren zeige, dass „die Luxemburger Banken angesichts der Konkurrenz aus den Nachbarländern wettbewerbsfähige Preise anbieten“, heißt es in einer Mitteilung.

"Großes Verständnis für ältere Menschen"

„Die luxemburgischen Bankinstitute zeigen großes Verständnis für ältere Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität. Sie sind sich ihrer sozialen Verantwortung durchaus bewusst“, betont Pierre Gramegna weiter. Die meisten Finanzinstitute hätten auch bereits die notwendigen Maßnahmen ergriffen, um den Sorgen dieser Kunden entgegenzukommen. So gibt es für betroffene Personen bei verschiedenen Banken einen ermäßigten Gebührensatz wenn sie bei Überweisungen oder Geldabhebungen am Schalter auf die Hilfe von Bankangestellten angewiesen sind; in einigen Fällen ist es kostenlos. Für Kunden mit eingeschränkter Mobilität bieten einige Institute sogar an, dass Bankangestellte bei notwendigen Finanzgeschäften – zum Beispiel Abhebungen und Überweisungen – unmittelbar zu Hause helfen.

Die Spuerkeess hat vor einigen Wochen eine „mobile Agentur“ gegründet, um auch in kleinen Ortschaften oder ländlichen Regionen den Service komplett anzubieten. Schließlich laden einige Banken zu Schulungen ein, um die Kunden mit der Nutzung neuer Technologien und den Vorteilen des Online-Banking vertraut zu machen.

Die Vielfalt der Maßnahmen zeige, dass „der Wettbewerb unter den Marktteilnehmern funktioniert“, so Finanzminister Pierre Gramegna. Dennoch ruft er die Banken dazu auf, „ihre Angebote bekannter zu machen, transparenter zu gestalten und zusätzliche Möglichkeiten zu realisieren, um diesen speziellen Kundenkreis noch bester bedienen zu können“.

ULC-Präsident Nico Hoffmann zeigt sich unzufrieden mit den Antworten des Ministers. „Wir vermissen konkrete Strategien, die sich für ältere oder immobile Menschen positiv auswirken.“ Auch hätte der Minister beim Zahlungskontengesetz, welches letztes Jahr im Parlament verabschiedet wurde, etwas nachbessern können. „Man hätte genau festlegen können, von welchem Alter an Menschen zum Kreis schutzbedürftiger Personen gehören und ebenso, welche Pflichten die Banken gegenüber diesen Kunden im Einzelnen tatsächlich haben.“

Vergleichsportal kommt dieses Jahr

Beim Gespräch von Finanzminister Pierre Gramegna mit der parlamentarischen Finanzkommission ging es auch um die Einführung eines „Vergleichportals”. Das Instrument soll es allen Kunden möglich machen, die Gebühren zu vergleichen und gegebenenfalls die Bank zu wechseln. Das Portal soll noch in diesem Jahr realisiert werden; die Verwaltung dieser Webseite liegt bei der Finanzaufsicht CSSF. Aber auch das Verbrauchsportal geht den Verbraucherschützern nicht weit genug. „Wer wirklich den besten Anbieter finden möchte, müsste eine umfangreiche Simulation der persönlichen Situation durchführen können. Nur dann könnten sich die Kunden für das günstigste Angebot einer Bank entscheiden“. Das sei aber nicht der Fall: „Da werden lediglich die Tarife der einzelnen Banken aufgelistet.“

Nun wird bei der ULC überlegt, ob rechtliche Schritte gegen jene Banken, die übertriebene Gebühren fordern, sinnvoll sein könnten. In Deutschland hatte der Bundesgerichtshof erst vor Kurzem einige Gebühren von Sparkassen kassiert.


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