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Mehr Luftfracht am Findel
Wirtschaft 5 Min. 27.01.2021

Mehr Luftfracht am Findel

Das Luftfrachtvolumen am Findel ist 2020 um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Mehr Luftfracht am Findel

Das Luftfrachtvolumen am Findel ist 2020 um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
Foto: Chris Karaba
Wirtschaft 5 Min. 27.01.2021

Mehr Luftfracht am Findel

Marco MENG
Marco MENG
Die Nachfrage steigt, die Preise auch: Das freut Cargolux und Co. Dennoch gibt es Hürden, die auch die Impfstofflogistik gefährden.

Die Nachfrage nach Luftfracht bleibt hoch, während die Transportkapazitäten weiter eingeschränkt sind. Zu normalen Zeiten wird rund die Hälfte der Luftfracht als Beiladung in Passagiermaschinen transportiert. Diese Frachtkapazitäten stehen wegen der zahlreich eingestellten Verbindungen aber nur noch reduziert zur Verfügung. Die Folge: steigende Preise. Nur-Fracht-Gesellschaften wie Cargolux freut das. 

Während die Maschinen von Cargolux im Marathon-Einsatz sind, ist bei Luxair das Passagiergeschäft seit der Coronapandemie eingebrochen; nur das Cargogeschäft läuft weiter rund. „Obwohl die Gesamtlage im Jahr 2020 besser war im Vergleich zu 2019 durch einen gemessenen Volumenanstieg von 6,1 Prozent, haben die Instabilität zu Jahresbeginn sowie die mit Covid-19 verbundenen Beschränkungen die Situation im Luftfrachtumschlaggeschäft  stets erschwert“, sagt LuxairCargo-Direktor Fabrice Beneduci. 

Vor allem das Transportvolumen aus und nach Asien stieg laut Beneduci stark an, da China der Hauptlieferant von Masken und anderen Schutzausrüstungen war und auch die Wirtschaftstätigkeit in China früher wieder losging als im Rest der Welt.

Chinas Luftfrachtverkehr – für Cargolux, aber auch insgesamt für die ganze Branche bedeutend – hat sich nach jüngsten Angaben der dortigen Luftfahrtbehörde erholt und erreichte im August fast wieder 90 Prozent des Frachtvolumens vom Vorjahr. Nicht so gut in Europa, wo die Transporteure einen Rückgang der Nachfrage von 13,7 Prozent im November im Vergleich mit dem Vorjahr meldeten. Die International Air Transport Association (IATA) stellte in einem Bericht im Januar fest „Die Luftfrachtnachfrage ist noch 6,6 Prozent geringer als in dem Vorjahr, allerdings sehen wir Verbesserungen im Monatsvergleich.“ 

Steigende Frachtpreise 

Das größte Problem für die Luftfracht sei fehlende Kapazität, da ein Großteil der Passagierflotte am Boden ist, warnt IATA-Generaldirektor Alexandre de Juniac. Das mache auch die bevorstehenden Impfstofflieferungen nicht einfacher. Den Mangel an Frachtkapazität bezifferte die IATA im November auf 24,9 Prozent. Dem gegenüber steht der Anstieg der Frachtpreise.

 Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet davon, dass laut Weltgesundheitsorganisation WHO ein kühlpflichtiger Transport von den USA nach Sierra Leone für etwa 105 US-Dollar pro Kilo angeboten wird – statt der sonst üblichen vier bis sechs US-Dollar pro Kilo. 

Herausforderung Impfstofflogistik 

Europas Luftfrachtunternehmen haben im vergangenen Jahr über 107.000 Tonnen persönliche Schutzausrüstung, darunter fünf Milliarden Masken, transportiert – das Äquivalent von 1.000 voll beladenen Boeing 777-Frachtern. 

Allein von Mitte März bis Mitte April brachte Cargolux nur für den Gebrauch in Luxemburg 768 Tonnen an medizinischen Gütern nach Findel; das sind zehn Frachtjumbos. Derzeit sind 21 europäische Fluggesellschaften am Transport von Covid-19-Impfstoffen beteiligt. 

Wort.FR, Les Douanes s’adaptent au Brexit, Administration des Douanes et Accises, Customs and Excise , Zoll, Luxair, Cargocenter, foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
Wort.FR, Les Douanes s’adaptent au Brexit, Administration des Douanes et Accises, Customs and Excise , Zoll, Luxair, Cargocenter, foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort

Nicht wegen der hohen Nachfrage, sondern operationell sei die Covid-Krise eine große Herausforderung, sagte gestern Richard Forson, Cargolux-Chef bei einer Online-Konsultation von Airlines for Europe (A4E)), die europäische Interessenvereinigung der Fluggesellschaften. „Von der Auftragslage her war 2020 ein exzellentes Jahr“, so Richard Forson. 

Allerdings erschwere die unkoordinierte Antwort der Staaten auf die Pandemie alles. Viele Cargolux-Mitarbeiter arbeiten zurzeit im Homeoffice, was dank gesetzlicher Ausnahmen möglich ist. Aber in Zukunft? 

„Es braucht auf EU-Level auch bei der Impfung ein gemeinsames Vorgehen und eine Koordination statt dass jedes Land seinen eigenen Regeln folgt“, kritisiert der Cargolux-Chef. Denn Restriktion wie Einreisesperren und Quarantäneregeln bereiten dem gesamten Luftfrachtpersonal Schwierigkeiten. Cargolux bietet darum seinen Mitarbeitern kostenlose Covid-Tests an. 

Wirtschaft, Interview mit Richard Forsen, CEO Cargolux. Chris Karaba/Luxemburger Wort
Wirtschaft, Interview mit Richard Forsen, CEO Cargolux. Chris Karaba/Luxemburger Wort
Chris Karaba

Die Europäische Kommission hat zur Pandemie-Bekämpfung Luftfracht-Leitlinien eingeführt und auch die Mitgliedstaaten aufgefordert, Frachtpiloten und Besatzungen von Reisebeschränkungen auszunehmen. Leider ist dies noch nicht EU-weit oder international harmonisiert: dringend benötigte Frachterkapazitäten gingen verloren, weil Piloten und Besatzung in Quarantäne gehen müssten, so Airlines for Europe (A4E). Die EU müsse auch eine breitere Definition von „Besatzungsmitgliedern“ in der Luftfracht annehmen, die Lademeister, Frachtbegleiter und fliegende Mechaniker umfasst, da sonst die Lieferketten nicht funktionieren würden. 

„Eine rasche Anpassung der EU-weiten Sicherheitsvorschriften und die Modernisierung des Zolls stehen ebenfalls ganz oben auf der Liste“, so Thomas Reynaert, Geschäftsführer von A4E. Peter Gerber, Chef von Lufthansa Cargo, scherzt: „Wir wussten nicht, was Flexibilität bedeutet, bis die Krise kam.“ Gerber zweifelt aber daran, dass durch umgerüstete Passagierairlines mehr Luftfrachtkapazitäten geschaffen werden. Beispielsweise hat der Ferienflieger Condor 16 Langstreckenflugzeuge vom Typ Boeing 767 umgerüstet, um damit Kisten statt Menschen zu transportieren. 

Wirtschaft, Die Lage in der Luftfrachbranche. Boom nur ein Strohfeuer, LuxairCargo, Luxair, Cargo, Cargolux, Frachtflugzeug, Coronavirus, COVID 19, foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
Wirtschaft, Die Lage in der Luftfrachbranche. Boom nur ein Strohfeuer, LuxairCargo, Luxair, Cargo, Cargolux, Frachtflugzeug, Coronavirus, COVID 19, foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
Chris Karaba

„Um im Hauptdeck Güter zu transportieren, dafür sind diese Flugzeuge nicht gemacht“, sagt Gerber. Wichtig sei, dass Cargoflugzeuge so viel wie möglich flögen, um dadurch mehr Frachtkapazitäten zu schaffen und den Bedarf zu befriedigen. Auch Gerber meint: „Quarantänemaßnahmen bereiten uns ununterbrochen Kopfschmerzen“. Die Regeln sollten harmonisiert werden, zumindest für Beschäftigte im Transportsektor. „Quarantäne darf die Impfstoffauslieferung nicht behindern“, so Gerber. Was insgesamt die Impfstofflogistik betrifft, geben sich die Manager gelassen. 


28.01.2020, Großbritannien, Dover: Lastwagen stehen am Hafen für Fähren an, während Großbritannien sich darauf auf den Brexit vorbereitet. Großbritannien will am Freitag (31.01.2020) als erstes Land die Europäische Union verlassen. Foto: Gareth Fuller/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
„Gütertransport ist systemrelevant“
Den Spediteuren kommt in der Krise eine wichtige Aufgabe zu - die Situation für Unternehmen und Fahrer bleibt aber schwierig.

Tim Scharwath, Vorstandmitglied der Deutsche Post DHL: „Es gab auch vorher schon Impfstoffe, die geflogen wurden, ganz neu ist das nicht.“ Von Vorteil sei, dass das Rohmaterial zur Herstellung der Impfstoffe nicht die Sorgfalt und Kühlung verlangten wie das Endprodukt. „Das macht die Sache einfacher.“

Was sie Entwicklung des Sektors betrifft, so hänge nun alles davon ab, wie sich die Gesamtwirtschaft in diesem Jahr entwickelt und ob es eine baldige Erholung von der Konjunkturkrise geben wird. Über den Luftfrachtsektor hinaus sieht A4E in einem gemeinsamen Pandemie-Management der EU-Staaten die einzige Chance, den Luftverkehr wieder planbar zu machen. Andernfalls drohe eine Welle von Airline-Pleiten.

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